Search Results

Author: John Deathridge

Wie Richard Wagner seine Ideen über Träume und Trauma in die tragenden Säulen seiner Bühnenwerke verwandelte und sie auf der Theaterbühne verwirklichte, ist ein Thema, das noch der Klärung bedarf. Im Rahmen des vorliegenden Artikels werden einige Ansätze dafür angeboten. Dabei werden unter anderen folgende Aspekte untersucht: Der Bau des Bayreuther Festspielhauses als illusionistische Traumfabrik; die Wurzeln des »allegorischen« Traums in den psychologischen Forschungen des frühen 19. Jahrhunderts und die Grenze zwischen Traum und Trauma als bühnenträchtige Geburts- und Todesfantasie, vor allem im Fall von Isoldes Liebestod in Tristan und Isolde – ein Zentrum des Wagnerschen Universums, das die herzzerreißendsten Momente seiner Werke in sich paradigmatisch vereint.

In: An den Rändern des Lebens
Träume vom Sterben und Geborenwerden in den Künsten
Sterben und Geborenwerden liegen an oder jenseits der Grenzen des Lebens. Damit kommen sie stets entweder zu früh oder zu spät, um als authentische eigene Erfahrung mitgeteilt werden zu können. Träume hingegen vermögen in Form von Fiktionen, Imaginationen und Inszenierungen ästhetische Erfahrungsräume für diese extremen körperlichen Übergänge zu eröffnen. In Träumen vom Lebensanfang und Lebensende werden das ohnehin Rätselhafte des Traums, seine Missachtung der physikalischen Gesetze von Zeit und Raum sowie die Infragestellung kultureller Modelle von Identität, Kohärenz und Rationalität noch potenziert. Literarisch-künstlerische Traumerzählungen und Traumbilder finden höchst originelle Ausdrucksformen, um das Abwesende, Unvorstellbare oder nicht realistisch Erzählbare zu vergegenwärtigen und zu vermitteln: Von der klassischen Antike bis in die Gegenwart hinein lassen sich unzählige Träume in Literatur, Kunst, Musik, Theater und Film ausmachen, bei denen die leibliche und sinnliche Erfahrung von den Grenzen des Lebens im Mittelpunkt steht. Solchen Phänomenen des geträumten Geborenwerdens und Sterbens, seinen Wissensdiskursen sowie seinen komplexen künstlerischen Realisierungen widmet sich dieser Band, der sich im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs »Europäische Traumkulturen« als Beitrag zu einer Literatur-, Kultur- und Mediengeschichte des Traums versteht.