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Author: Julian Hanich

Verfilmungen illusionsbildender Romane lösen bei Zuschauern, die zuvor das Buch gelesen und dabei eine starke Bindung an den Text entwickelt haben, häufig eine stereotype Reaktion aus: Die Leser sind unzufrieden, ja enttäuscht. Dieser Aufsatz schlägt eine psychologische Hypothese für die Gründe dieser Unzufriedenheit vor und stützt sie mit einer vergleichenden Phänomenologie und Rezeptionsästhetik. Weil vielen Lesern der illusionsbildende Roman wichtig ist, wünschen sie sich, der Film solle so aussehen, wie sie sich selbst die Welt des Textes imaginiert haben. Die Verfilmung würde auf diese Weise eine Anerkennung der eigenen Roman-Konkretisierung bedeuten. Diese Hoffnung wird häufig enttäuscht, weil die Romanwelt im Film in eine andere, sehr konkrete Form gebracht wurde. Da der Leser seine eigene Version nicht dagegenhalten kann, scheint diese gleichsam von jemand anderem ersetzt – der Leser unterliegt in einem ‚Konkurrenzkampf‘ der Konkretisierungen. In eine Position der Machtlosigkeit gebracht, fühlt er sich gekränkt und enttäuscht. Diese psychologische Hypothese ist eng verknüpft mit dem Konzept der Meinigkeit: Aufgrund der unterschiedlichen medialen Rezeptionskonstellationen und der verschiedenen mentalen Tätigkeiten empfinde ich als Zuschauer das zuvor gelesene Buch im Kontrast zur gerade ablaufenden Verfilmung in einem höheren Maße als zu-mir-gehörig, als von mir konkretisiert, als meinig. Dass meine großen Erwartungen vom Film nicht erfüllt werden, wird mir im Kino insbesondere aufgrund der unterschiedlichen Grade an Meinigkeit bewusst.

In: Auslassen, Andeuten, Auffüllen
In: Auslassen, Andeuten, Auffüllen
In: Auslassen, Andeuten, Auffüllen
In: Auslassen, Andeuten, Auffüllen
Der Film und die Imagination des Zuschauers
Das Publikum nimmt Filme nicht nur mit Augen und Ohren wahr – es imaginiert sie auch. Film bedeutet daher immer auch: »Kino im Kopf«.
Das gilt vor allem dann, wenn uns Filme auf anspielungsreiche Weise etwas vorenthalten: Dann werden wir als Zuschauer dazu eingeladen, herausgefordert, uns das Ausgesparte sinnlich vorzustellen. Die Filmwissenschaft hat Fragen zur Imagination des Zuschauers lange Zeit eher stiefmütterlich behandelt. Dieser Band setzt sich nun erstmals im deutschsprachigen Raum systematisch mit dem vertrackten Zusammenspiel von Film und Zuschauerimagination auseinander. Die Autoren klären begriffliche Fragen, diskutieren ästhetische Mittel wie Ellipse oder Filmmusik, gehen der Imagination im Dokumentarfilm und im Stummfilmkino nach und verfolgen die Zuschauerimagination über die medialen Grenzen des Films hinaus.
Der Witz und seine Beziehung zu den Künsten
Witze machen einen ungewohnten Gebrauch von unseren Sprech- und Denkgewohnheiten. Sie bringen unsere Annahmen von der Welt in eine Schräglage und schlagen Funken aus der Materialität unserer Kommunikation. Haben Witze eine grundsätzliche Affinität zur Kunst?
Die Beiträge fragen aus kunstwissenschaftlicher und philosophischer Perspektive nach der Beziehung zwischen dem Witz und den Künsten. So unbestreitbar der Unterhaltungswert von Witz ist, so umstritten ist heute sein künstlerischer Wert. Der auf Lachen abzielende Effekt gilt bestenfalls als angenehmes Beiwerk neben den ›eigentlichen‹ ästhetischen Qualitäten. Demgegenüber wird hier darüber nachgedacht, ob Witz nicht als genuine ästhetisch-philosophische Kategorie im Sprechen über Kunst begriffen werden kann. Mit Beiträgen von U. Blumenbach, S. Connor, S. Critchley, S. Foellmer, T. Hecken, C. Pareigis, S. Siegel u. a.