In: Politische Tiere
Zoologie des Kollektiven
Kann eine Analogisierung von animalischen und sozio-politischen Ordnungen funktionieren? Auf welche Art und Weise fungieren Tiere als Medium der Darstellung und Reflexion politischer Ordnungen?
In Hinblick auf diese Fragen wird insbesondere das Verhältnis zwischen Tieren und menschlicher Kollektivität in den Vordergrund gerückt und diskutiert. Diese Relation tritt in mindestens drei Erscheinungsformen zutage –
erstens: als Kontrastrelation, als politisches Ausschlussprinzip, wie in den traditionellen Interpretationen des »zoon politikon«; zweitens: als Korrespondenzrelation, als Analogisierung animalischer und sozio-politischer Ordnungen; drittens: als Äquivalenzrelation, als Interaktion, als Beziehung zwischen Mensch und Tier, die selbst politisch ist.
Die 18. Ausgabe des Archivs für Mediengeschichte ist den Folgen gewidmet, denen Geschichte – sei es als Ereignis, Struktur, Repräsentations- oder Denkform – durch die medialen Konstruktionen von „Deep Time“ und Mikrotemporalität ausgesetzt ist.
Damit schließt die Themenstellung vor allem an die Anthropozän-Debatte an, mit der der Begriff der Tiefenzeit eine aktuelle Konjunktur und in Bezug auf die Konzeptualisierung von Mediengeschichte verschiedene neue Akzentuierungen erfahren hat. Das Heft setzt sich zum Ziel, neben der Medialität der Tiefenzeit auch die Medialität der Mikrozeit und insbesondere die Art und die Konsequenzen ihrer operativen und epistemischen Verzahnung zu thematisieren. Es strebt an, die mit diesen Begriffen verbundenen Medien, Kulturtechniken, epistemologischen Sachverhalte, politischen Zwangslagen und geschichtstheoretischen Probleme aufeinander zu beziehen.
Mit Beiträgen von Lorenz Engell, Wolfgang Ernst, Abelardo Gil-Fournier, Patricia A. Gwozdz, Ann McGrath, Jussi Parikka, Jörg Paulus, Irina Podgorny, Reto Rössler, Eva Schauerte, Peter Schnyder, Patrick Stoffel, Oliver Völker, Geoffrey Winthrop-Young.