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Abstract

2012 erschien im Berliner Comicverlag Reprodukt Die Spaziergängerin, eine Anthologie mit kurzen Comic-Arbeiten von Anke Feuchtenberger. Feuchtenberger wurde „1963 in Berlin (DDR) geboren“ – so die kurze biografische Notiz am Ende des Bandes, allerdings spielte die DDR-Vergangenheit in ihrem Schaffen bis dahin kaum eine Rolle. Die Spaziergängerin ist insofern auch ein für die Autorin ungewöhnliches Projekt, weil die Anthologie autobiografische Erinnerungsbilder neben Reisebildern und fiktionalen Geschichten erzählt. Das Erinnern erscheint hier willkürlich und ungeordnet ebenso wie die Auswahl der Comic-Geschichten – der Titel avisiert die Kontingenz. Sich-Erinnern (bzw. Sich-Nichterinnern) ist genauso der Ich-Erzählerin wie auch Gegenständen, Tieren und Elementen (Wasser) eigen; vor diesem Hintergrund ist Vergessen ein stets präsenter Prozess, dem keine Wertung zukommt.

Der Beitrag untersucht die Comicessays als eine (Bild)Poetik, die sich – in Anlehnung an die in den Kulturwissenschaften entwickelte Konzept des „anti-monumentalism“ (Huyssen) – gegen hegemoniale Symbolisierungen der Erinnerung richtet, das Konzept des kollektiven Gedächtnisses und die Ostalgie werden dabei kritisch betrachtet.

In: Lethe-Effekte
Forensik des Vergessens in Literatur, Comic, Theater und Film
Der mythologische Fluss Lethe dient als Leitmotiv für das Aufspüren diverser medialer Strategien zum Vergessen in Lyrik, Prosa, Comic, Theater und Film. In Anlehnung an forensische Verfahren zeichnet sich eine kritische Auseinandersetzung mit etablierten Erinnerungsdiskursen zum vergangenen Jahrhundert ab. Ermittelt werden poetisch profilierte Widersprüche, prosaische Ausdrucksformen von Demenz, topografische Projektionen sowie Umwertungen eines gemeinhin belastenden Vergessens.