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Abstract

Der Beitrag versucht, anhand von Milan Kunderas Roman Das Buch vom Lachen und Vergessen die positive Bedeutung des Vergessens hervorzuheben. Auf eine essayistische Art und Weise schildert Kundera verschiedene Situationen des Vergessens, im Hinblick auf die große Weltgeschichte und die banalen Angelegenheiten des Alltags in der kommunistischen Tschechoslowakei nach 1968. Die im Titel angedeutete Korrelation zwischen dem Vergessen und Lachen ist dabei gar nicht offensichtlich und darum untersuchungswert. In Anlehnung an Aleida Assmanns Konzept des kollektiven Gedächtnisses werden zunächst Beispiele für dessen Umformung geschildert, was als ‚aufgezwungenes Vergessen‘ gelten kann. Im Weiteren wird nach der Bewertung des Vergessens im privaten Leben der Romanprotagonist*innen gefragt. Obwohl manchmal als unangenehm und beschämend empfunden, scheint gerade das Vergessen die Gegenwart in den Vordergrund zu rücken und unbefangenes Lachen zu ermöglichen. Es kann folglich als eine Befreiung betrachtet werden und in manchen Fällen erscheint es sogar lebensnotwendig, wenn die Last der Vergangenheit bzw. die Pflicht der Erinnerung allzu drückend werden.

In: Lethe-Effekte
Forensik des Vergessens in Literatur, Comic, Theater und Film
Der mythologische Fluss Lethe dient als Leitmotiv für das Aufspüren diverser medialer Strategien zum Vergessen in Lyrik, Prosa, Comic, Theater und Film. In Anlehnung an forensische Verfahren zeichnet sich eine kritische Auseinandersetzung mit etablierten Erinnerungsdiskursen zum vergangenen Jahrhundert ab. Ermittelt werden poetisch profilierte Widersprüche, prosaische Ausdrucksformen von Demenz, topografische Projektionen sowie Umwertungen eines gemeinhin belastenden Vergessens.