in Schreiben als Ereignis
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Künste und Kulturen der Schrift
Der Band befragt Formen, Praktiken und Qualitäten von Schriftlichkeit im historischen Wandel. Im Zentrum stehen die sinnlichen und materiellen Dimensionen von Schrift, Facetten von Lesbarkeit und Unlesbarkeit und die Prozesshaftigkeit des Schreibens als körperlicher Akt und raumzeitlicher Vollzug.
Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass der gegenwärtige Umbruch zur digitalen Zeichenpraxis sich als weitreichende Neuorganisation der kulturellen Kommunikation darstellt; Fragen nach Authentizität, Präsenz, sinnlicher Erfahrung oder individueller Gestalthaftigkeit werden auf neue Art und Weise virulent. Dabei zeigen die Beiträge des Bandes ein vielfältiges Bild der literarischen und bildnerisch-künstlerischen Auseinandersetzung mit der Körperlichkeit und Materialität des Schreibens.
Im Anschluss an Gott und Götze in der Literatur der Moderne (1998) und Totalität und Zerfall im Kunstwerk der Moderne (2002) untersucht der Band Utopie und Apokalypse in der Moderne die vielfältigen Korrespondenzen von utopi-schen Entwürfen und apokalyptischen Vorstel-lungen. Die geschichtsphilosophische Utopie der Mo-derne hat das heilsgeschichtliche Denken säkularisiert und zugleich die Jahrtausende alte klassische Utopietradition der statischen Gegenmodelle weitgehend suspendiert. Der Begriff erweiterte sich zu einer anthropologisch begründeten Kategorie von Hoffnung schlechthin, mutierte zum »Geist der Utopie« (Bloch), bis die Diktaturen des 20. Jahrhunderts mit ihren ›tödlichen Utopien‹ aus Terror, Krieg und Völkermord den Begriff und die Vision eines irdischen Glücksentwurfs so diskreditierten, dass das »Ende des utopischen Zeitalters« (Fest) konstatiert werden konnte. Seitdem haben ›Apokalypsen‹ Konjunktur, freilich nicht in ihrer ursprünglichen Form als Erlösungsvision und bildhafte Antizipation der Zukunft Gottes, sondern als Katastrophenszenarien, als Visionen vom Un-tergang, auf den nichts mehr folgt, so dass das Ende aller Geschichte denkbar wird. Im literari-schen Feld reflektiert das 19. Jahrhundert – etwa mit Keller oder Flaubert – die traumatischen ›Enttäuschungen‹, welche die unerfüllten und gescheiterten Utopien hinterlassen, währenddem sich im 20. Jahrhundert bei Autoren wie Franz Kafka, Robert Musil und Robert Walser abzeichnet, dass weniger der Untergang von Welten oder der Fall von Helden zur Debatte steht als vielmehr die Reflexion der Maßstäbe, an denen sich Scheitern bemisst. Mit Beiträgen von Michael Angele, Moritz Baß-ler, Lucas Marco Gisi, Werner Hofmann, Ale-xander Honold, Eva Horn, Jan Loop, Osamu Okuda, Richard Saage, Bernd U. Schipper, Ar-min Senser, Reto Sorg, Klaus Vondung, Christine Weder, Jean-Claude Wolf und Stefan Bodo Würffel.