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Author: Larissa Cybenko

Abstract

Im Beitrag soll verfolgt werden, wie die Theaterreform im deutschsprachigen Raum in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts, die dank der Tätigkeit Max Reinhardts und der frühen deutschen Expressionisten stattfand, die Genese des neuen avantgardistischen Theaters in der Ukraine beeinflusst hat. Im Vordergrund steht die erste Periode der Tätigkeit des ukrainischen Regisseurs Les’ Kurbas (1887–1937), die Zeit, als seine neue Vision des Theaters entstand und in der Produktionsästhetik von „Molodyj teatr“ und „Berezil“ verwirklicht wurde. Methodische Zugänge gründen auf den Konzepten des Kulturtransfers von Michel Espagne, der Kulturübersetzung und der Kultursemiotik von Jurij Lotman. Als empirisches Material für die Analyse dienen Kurbas’ Produktionen von zwei Bühnenstücken, und zwar der Tragödie Ödipus Rex von Sophokles und des Dramas Gas I von Georg Kaiser, die er in der Ukraine zum ersten Mal 1918 bzw. 1923 inszeniert hat. Analytische Zugänge basieren auf den eigenen Schriften des Künstlers, seinen veröffentlichten Beiträgen und Reden zur Philosophie des Theaters, auf den Auszügen aus seinen Tagebüchern und auf den Rezensionen und Kritiken in den damaligen Medien sowie auf den persönlichen Narrativen der Zeitgenossen. Der Regisseur, dessen Sozialisierung und Ausbildung eng mit dem deutschsprachigen Raum verbunden war, dessen aktive Tätigkeit aber in der Ukraine verlief, hat die Begegnung von west- und osteuropäischen Kulturtraditionen unmittelbar erlebt und ihr „Ineinanderdringen“ in seinem Schaffen realisiert. So ist er infolge der Überschreitung mehrerer Grenzen zum Übersetzer zwischen den Kulturen geworden.

In: Europäische Avantgarden um 1900
Der Band rekonstruiert anhand von Fallstudien das wirkungsgeschichtlich hochkomplexe Gefüge von Kontakten, Transfer- und Transformationsprozessen zwischen den europäischen Avantgarden in Literatur und bildender Kunst.
Die gesamteuropäische Dimension der Avantgarde-Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts lässt sich aus dem engen Blickwinkel der Nationalphilologien nicht adäquat nachvollziehen und verlangt nach einer internationalen Untersuchungsperspektive. Der Band legt den Fokus auf die Austauschbeziehungen zwischen französischer, deutscher, russischer, italienischer und ukrainischer Avantgarde und versteht sich als ein Beitrag zur Erforschung der Internationalität der avantgardistischen Strömungen in Literatur und bildender Kunst.