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In: Atmosphären
In: Ästhetik der Materialität
In: Es gibt Kunstwerke - Wie sind sie möglich?
Materie und Materialität standen lange im Schatten des Geistigen und der Ideen. Alle Materie, so die Prämisse, ist beschränkt, weil in den Grenzen ihrer physikalischen Bedingungen verhaftet. Dass jedoch Geistiges und Materielles einander bedingen, dass Materie und Materialität unser Denken formen und den Umgang mit Artefakten prägen, wurde insbesondere auf dem Gebiet der Künste weitgehend ignoriert. Dabei hat die Ästhetik, verstanden als Kunst-Wahrnehmung und künstlerische Gestaltung, eine besondere Bindung an Materialität: Die Materialien der Künste erzeugen eine spezifische Sinnlichkeit, sie regen zu neuen Produktionsverfahren an und sind Gegenstand kultureller De- und Re-Kontextualisierungen, die einen veränderten Blick auf die Wirklichkeit ermöglichen. Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich aus der Perspektive von Philosophie, Kultur-, Kunst- und Literaturwissenschaft sowie Design mit der Materialität von scheinbar Immateriellem wie Licht, elektromagnetischen Strahlungen und Düften, aber auch mit klassischen Materialien wie Plastik, Blei und Papier. Mit Beiträgen von Peter Sloterdijk, Thomas Macho, Cornelia Ortlieb, Claudia Mareis u.a.
Dimensionen eines diffusen Phänomens
Atmosphären sind uns vertraut und fremd zugleich, denn wir sind nicht nur beständig von ihnen umgeben, sondern sind ein Teil von ihnen und beeinflussen oder erzeugen sie sogar. Dennoch wissen wir kaum, wie und warum sie ihre Dynamiken entfalten und welche Rolle wir darin spielen. Dies gilt für die verschiedenen Dimensionen von Atmosphäre: So unterliegt die lebenserhaltende physikalische Atmosphäre derzeit massiven Veränderungen durch den kaum berechenbaren Klimawandel. Soziale Atmosphären wiederum prägen unsere private und berufliche Lebenswelt und wirken häufig implizit und unbewusst. Und schließlich werden Atmosphären auch intentional erzeugt: In den Massenmedien wie in den Künsten, in der Konsumwelt wie in der Städteplanung. Atmosphären können positiv wie negativ wirken, empathisch genauso wie manipulativ. Die Komplexität dieses diffusen Phänomens zu erfassen, ist daher ein wichtiger Beitrag zum Verständnis unserer Zeit und kann nur interdisziplinär erfolgen – einen solchen Zugang eröffnet dieser Sammelband.
Spätestens mit der Wiener Moderne wurde Wien zu einem wichtigen Kulturzentrum des Aufbruchs. Diese und andere Strömungen des Umbruchs der Kunst seit dem 19. Jahrhundert werden in diesem Band gesichtet, dargestellt und bewertet. Die Reflexion auf die Verschränkung und Konkurrenz von Kunstpraxis, -theorie und -philosophie steht im Fokus der Aufmerksamkeit.
Die theoretischen Perspektiven des Ästhetischen werden ebenso beleuchtet wie verschiedene Kunstgattungen. Schließlich werden Konzepte der Synästhesie und des Gesamtkunstwerks vorgestellt und Wittgenstein und die Kunst in verschiedenen Perspektiven untersucht. Der ungarische Philosoph Georg Lukács gibt das Stichwort: »Es gibt Kunstwerke – Wie sind sie möglich?« Eine Ästhetik, die, so Lukács, ohne illegitime Voraussetzungen arbeiten und das Faktum der Kunst in seiner Eigenart begreifen will, sollte das Kunstwerk als ein Gebilde betrachten, das rein durch sich und unabhängig vom Prozess seiner Entstehung begriffen werden muss. Die Gültigkeit dieses Ansatzes ist längst strittig, wie dieser Band zeigt. Kunstpraxis und -worte, künstlerisches Selbstverständnis und ästhetische Reflexion sind synergetisch verbunden.