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Lektüren Prousts
Author: Marcus Coelen
Ein Leiden der Identität und der Ähnlichkeit treibt die Suche, durchzieht die Recherche. Alles, was ist, soll sein, was es ist, gerade in der absoluten Veränderung, im Zugriff des Anderen, durch die Zeit, Erinnerung, Liebe, Eifersucht, Blick und Bewusstsein des anderen Subjekts. Alles soll erkennbar bleiben als das, was ist, als anderes. Der Proustsche Sadismus –Komplex der Qual der unmöglichen Ähnlichkeit – ist die Affizierung und Thematisierung dieser aporetischen Logik und die gesamte Recherche die Suche des Sadismus: Darstellungsversuch einer Aporie, die nicht wie Dialektik Identität und Differenz, Selbes und Anderes verbindet, sondern, negativer, in einer eigentümlichen Negation jenseits des dialektischen Widerspruchs – eher eine Art Verneinung –, das Singuläre und sein désastre mannigfach, unberechenbar, zu jedem Moment, in jedem Element aneinander erinnert.
In: Was heißt Deutung?
Zur Decodierung von Intimität bei Marcel Proust
Die Beiträge des Bandes fragen nach den bei Marcel Proust wirksamen 'Liebes-Konzepten' und loten ihre Distanz zu einer zwar massenmedial trivialisierten, aber weiterhin sozial wirksamen romantischen Liebessemantik aus. Das sich um 1800 gegen das alteuropäische Allianzdispositiv auf der Basis von 'Neigung' ausdifferenzierende und autonom setztende Kommunikations- medium Liebe unterliegt in der Folge selbst einem rasch voranschreitenden Differenzierungs- und Decodierungsprozeß, der nicht zuletzt den von sozio- logischer Seite (Niklas Luhmann) unverändert unterstellten Zusammenhang von romantischer Liebe, Familialismus und Prokreation sowie von romantischer Liebe und Individualitätssemantik auflöst. Diese kulturellen Erosionsprozesse des Mediums Liebe beschreibt – im Medium der Literatur im 20. Jahrhundert kein anderer Autor mit solcher Präzision wie Marcel Proust.
Verhandlungen zwischen Recht, Philologie und Psychoanalyse
Deutung spielt sowohl als Methode/Praxis wie auch als Gegenstand der Reflexion in Rechts- und Literaturwissenschaften, Theologie und Psychoanalyse eine zentrale Rolle.
Im Zuge der Ausdifferenzierung des modernen Wissenschaftssystems haben die verschiedenen Disziplinen eigene Deutungskulturen entwickelt. Zudem ist der state of the art seit dem linguistic turn längst nicht mehr durch ein gemeinsames hermeneutisches Vorverständnis der Tätigkeit des Deutens definiert. Ins Gewicht fällt dennoch, dass die genannten Disziplinen so etwas wie einen verbindlichen Bezug zu Texten anerkennen und sich damit grundlegend vom mainstream der messenden und zählenden Wissensformationen unterscheiden. Es ist höchste Zeit, den gegenseitigen Austausch deutungsgebundener Disziplinen anzustreben. Der Band versammelt in diesem Sinne juristische, literaturwissenschaftliche und psychoanalytische Beiträge zum Thema.