In: Kunstgeschichtlichkeit
In: Die Schreibszene als politische Szene
In: Interventionen
In: Körper des Denkens
In: Beyond Evidence
In: Die Wirklichkeit des Realismus
In: Milieu
Um 1800 schlägt die Stunde der Kunst: Schillers 'ästhetischer Staat' – das zeigen die Beiträge der momentan wohl profiliertesten Denker des Politischen – ist nur ein Modell einer neuen ästhetischen Praxis der Expansion, die sich am Umgang mit dem Ereignishaften, Kontingenten und Alltäglichen darstellen lässt. Kunst und Politik werden traditionell unterschiedlichen Sphären zugeordnet. Moderne Ästhetiktheorien beharren auf einer radikalen Autonomie von Kunst und mitunter auf ihrer gesellschaftskritischen Potenz. Aber schon zu Beginn des Kunstprogramms um 1800 lassen sich Effekte einer wechselseitigen Überschreitung beobachten. Denn nach dem Ende der 'Erzählung vom König' (Louis Marin) und dem repräsentativen Regime der Souveränität wird im Zuge der Französischen Revolution auch ein neues ästhetisches Wissen vom Politischen generiert. Diese Entwicklung lässt sich keineswegs auf das Projekt vom 'ästhetischen Staat' (Friedrich Schiller) reduzieren, sondern wird am Umgang mit dem Ereignishaften, Kontingenten und Alltäglichen sichtbar. Impulse zu einer genaueren Beschreibung dieser Entwicklung liefern Jacques Rancières Überlegungen zu einer 'Aufteilung des Sinnlichen'. Die 'ästhetischen Regime' legen die Kunst dabei weder auf die Funktion der Repräsentation noch auch auf den Widerspruch zur institutionalisierten Politik fest, sondern bezeichnen einen Ort, an dem sich die exzessive Mimesis an allen Dingen, Praxen und Ereignissen der Gesellschaft manifestiert.
Zum Begriff des Lebens bei Foucault und Canguilhem
Series:  Merz Akademie
Author: Maria Muhle
Eine Genealogie der Biopolitik muss über die Untersuchung der Macht- und Wissenstechniken geschrieben werden, die dasjenige Leben durchdringen, das laut Michel Foucault zum Gegenstand biopolitischer Macht wird. Das Leben ist dabei jedoch keine gegebene Entität, biologische Essenz oder vitalistisches Prinzip, sondern ein Korrelat von Macht- und Wissenstechniken, die »das Leben« zuallererst hervorbringen. Folglich muss ein angemessenes Verständnis dieses Lebens die wissenschaftshistorische Konstellation um 1800 berücksichtigen, die in Georges Canguilhems Studien zum Lebensbegriff reflektiert und darin für Foucaults Machtanalyse anschlussfähig wird: So wird eine Einsicht in die spezifische Funktionsweise biopolitischer Machttechniken gewonnen, die sich nicht ausschließlich durch ihren Bezug auf das Leben bestimmen lassen, sondern vielmehr durch das Verständnis dieses Bezugs als ein mimetischer.
Das Schreiben umfasst mehr als den Akt der sprachlichen Formulierung: Es ›engagiert‹ und ›mobilisiert‹ die Körper der Schreibenden.
So gesehen kommt das Politische des Schreibens bereits dann zum Ausdruck, wenn sich die Bewegungen des schreibenden Körpers, die Mobilisierung der Schreibgeräte und die Beweglichkeit in der Sprache mit dem gesellschaftspolitischen Engagement und den Mobilmachungen der Moderne verbinden.
Vor diesem Hintergrund liefert der vorliegende Band eine erste Studie zum Ineinander von Schreiben und Politischem, mit der an die Tradition literaturwissenschaftlicher Forschung zur politischen Literatur und zum politischen Schreiben erinnert und angeknüpft, mit der aber auch neue Ein- und Ausblicke auf das Phänomen der politischen Schreibszene versucht und gewonnen werden soll.