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  • Author or Editor: Mariacarla Gadebusch Bondio x
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Kosmetik und plastische Chirurgie zwischen Antike und früher Neuzeit
In der Geschichte der Medizin ist die Vorstellung des idealen Menschen von jeher präsent. Schon im 2. Jahrhundert u.Z. deutet der Gelehrte Galen von Pergamon die symmetrische und ideale Anatomie des menschlichen Körpers als Ausdruck eines vollkommenen Schöpfungsplans und als Inbegriff des ästhetischen Anliegens der gerechten Natur. Dreizehn Jahrhunderte später bemühen sich angesehene Mediziner in Padua und Bologna, den Wert der Schönheit medizinisch festzulegen. Im Rückgriff auf die antiken medizintheoretischen Überlegungen erklären sie die Kosmetik zu einem Kompetenzbereich der Medizin. Im Rahmen der Diskussion, die mit der Perfektionierung und Verbreitung der plastischen Chirurgie in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s einhergeht, werden indes nicht nur theoretische Positionen geklärt: mitten im ästhetischen Diskurs werden plötzlich auch Patienten ›sichtbar‹. Es sind Patienten, die Gesichtsteile verloren haben und nach der Wiederherstellung ihrer äußeren Erscheinung streben, die nicht ›ungesund‹ sind und trotzdem ärztliche Hilfe suchen, um sich vom Stigma des Hässlichen und Verunstalteten zu befreien. Die Ärzte, die diese spezielle Kunstfertigkeit besitzen, die ihnen erlaubt, die Körpernorm wiederherzustellen, agieren im Sinne der ursprünglichen Bedeutung des Terminus kosmein im Sinne von ›ordnen‹. Indem sie verstümmelte Nasen, Lippen und Ohren rekonstruieren, stellen sie die natürliche Ordnung wieder her, wobei es in den glücklichsten Fällen sogar geschehen kann, dass der geschickte Arzt die Natur überbietet. Ein medizinhistorischer Beitrag zu einer immer noch aktuellen Debatte, der vor allem das Versprechen der plastischen Chirugie nach idealer Schönheit und normierter Gesundheit kritisch beleuchtet. Aus dem Inhalt I. ﷓Gesunde Schönheit: Vollkommene Körperformen und -funktionen II. ﷓Ars decoratoria: Die ästhetische Normierung der Gesundheit III. ﷓Ars reparatoria: Die Debatte um die plastische Chirugie IV. ﷓Medizinische Ästhetik und Ordnung des Wissens
In: Natur in politischen Ordnungsentwürfen der Vormoderne
In: Menschennatur und politische Ordnung
In: Natur - Geschlecht - Politik
Der Mensch sei von Natur aus politisch, sagt Aristoteles, nur im geordneten Gemeinwesen der Polis finde er seine Bestimmung. Seit der Antike dient die menschliche Natur zur Legitimierung sehr verschiedener, keineswegs ›natürlicher‹ politischer Ordnungen.
In historischen Fallstudien vom Alten Orient bis zur Frühen Neuzeit untersuchen die Beiträge, wie das Verhältnis von Menschennatur und politischer Ordnung gedacht und dargestellt wurde, welche normative Kraft es entfaltete, welche Hierarchien, Machtverhältnisse und Herrschaftsformen es stützte und wo es an seine Grenzen stieß. Denn nicht allein Ordnung, sondern auch ihr Gegenteil kann als naturhaft identifiziert werden. In der Geschichte der politischen Anthropologie zeigt sich der Rekurs auf Natur als ebenso wirkmächtig wie ambivalent. Gerade ihre Bruchlinien und Widersprüche machen vormoderne Auseinandersetzungen um das Verhältnis von Menschennatur und politischer Ordnung für heutige Diskussionen interessant.
Denkmuster und Repräsentationsformen vom Alten Testament bis in die Neuzeit
Die Naturalisierung der Geschlechterordnung hat eine eminent politische Bedeutung. Dies lässt sich an der Geschichte der Geschlechter in vormodernen Gesellschaften beobachten, gewinnt aber auch in unseren Tagen erneut unerwartete Aktualität.
Die vermeintliche »Natur«-Ordnung der Geschlechter, die teils explizit behauptet, teils aber auch begründungslos vor-ausgesetzt wird, demonstriert die Wirkungsmacht von Naturalisierung in besonderem Maße. Gerade hier wird die Umwandlung gesellschaftlich-kulturell bedingter und historisch variabler Verhältnisse in vermeintlich ahistorische und invariable Naturgegebenheit und Naturnotwendigkeit exemplarisch deutlich. Der Band zeigt Strategien und Modelle der Naturalisierung der Geschlechterordnung sowie die Breite und Varianz der Geschlechterrollen vom Alten Testament und der klassischen Antike über naturphilosophische Spekulationen im Mittelalter bis in die Literaturen und die Kunst der Neuzeit.
Von der Antike bis an die Schwelle der Moderne wurden politische Ordnungen immer wieder im Rückgriff auf die schillernde Semantik von ‚Natur‘ bestimmt. Was lange Zeit als obsolet galt, erlebt in der politischen Rhetorik unserer Tage eine erstaunliche Renaissance.
Durch die Rekonstruktion der politischen Funktionalisierung von Natur in einem weiten Spektrum historischer Fallbeispiele bieten die Beiträge des Bandes eine Archäologie heutiger Debatten. In der Geschichte wurde Natur zum einen als normatives Modell herangezogen, um politische Ordnung zu legitimieren, zum anderen erschien sie als eine anarchische Gegenkraft, die durch politisch-kulturelle Ordnungsleistungen gezähmt werden muss. Zudem gilt: Wer sich in politischen Diskussionen auf Natur beruft, unterstellt Gegebenheiten, die sich menschlicher Verfügungsmacht entziehen. Sowohl aus ihrer Doppeldeutigkeit wie aus dem Phantasma ihrer Unverfügbarkeit gewinnt die Berufungsinstanz Natur in politischen Diskussionen ihre besondere rhetorisch-argumentative Stärke.