in Theorietheorie
Religion als Formproblem von Literatur
Die Frage nach der Dialektik der Säkularisierung und nach den Formen des Fortlebens des Religiösen in der Moderne ist im Zuge des aktuellen ›religious turn‹ virulenter denn je. Mario Grizelj zeichnet die Genese dieses Fortlebens in einer Studie zum 19. Jahrhundert nach.
Spezifische Formen von Religiosität (Wunder, Stigmata, Reliquien, die Eucharistiefeier und die mystische Rede) sind Prägeformen dessen, was wir ab dem 18. Jhd. als moderne Literatur verstehen. In der Aneignung medialer, semiotischer, ästhetisch-technischer und rhetorischer Verfahren, wie sie Religion ausgebildet hat, konstituiert sich Literatur als moderne Literatur. Dabei zeigt sich, dass die Darstellung des Unbestimmten, Uneindeutigen und Überdeterminierten das Kernproblem von sowohl Literatur als auch Religion ist und dass damit beide auf der Formebene ko-existieren.
in Wunder und Wunden
in Wunder und Wunden
in Wunder und Wunden
in Wunder und Wunden
in Wunder und Wunden
in Wunder und Wunden

Der folgende Beitrag analysiert einen Text, in dem ein Wunder geschehen sein soll. Welchen Status hat das religiöse Wunder in einem ästhetischen Arrangement, hier konkret im Rahmen von Literatur? Lassen sich das Wunder und das Wunderbare voneinander unterscheiden und wenn ja, wie? Diese Fragen gruppieren sich um die Grundausrichtung des Beitrags, der untersucht, wie gerade im literarischen Arrangement im Kontext des Wunderhaften und Wunderbaren die Handlung (histoire) und die Darstellungsweisen (discours) in ein komplexes Verhältnis zueinander treten, in ein Verhältnis, das selbst von dem Sujet – dem Wunder – affiziert wird. Heinrich von Kleists Die heilige Cäcilie (1811) ist kein religiöser Text, aber ein Text, der darstellungstechnisch von der religiösen Figur des Wunders ›durchsäuert‹ wird, also literarisch- formal an den sachlich verabschiedeten Religionsdiskurs anschließt.

in Das Wunderbare
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