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In: Autopsia: Blut- und Augenzeugen
In: Potential regieren
Extreme Bilder des christlichen Martyriums
In den jüngsten bildtheoretischen Debatten hat die Idee der Zeugenschaft steigende Konjunktur erlebt. Bilder sind nicht nur »stumme Zeugen«, sie halten vielmehr die Aussagen von Augenzeugen fest, und werden so zu historischen Quellen. Sowohl die Bilder als auch ihre Betrachter werden somit selbst zu »Augenzeugen« eines Ereignisses und das »Sehen mit den eigenen Augen« zu einem Kriterium von Evidenz. Die vorliegenden Beiträge widmen sich extremen Bildern des christlichen Opfertodes, wobei sie die Bildgeschichte des Martyriums als Zeugenschaft thematisieren. Hierbei werden bislang kaum untersuchte Verbindungen zwischen der martyriologischen Bildtradition und den Evidenzverfahren in der Theologie, den Naturwissenschaften und im Bereich des Rechts in den Fokus genommen. Das Verhältnis zwischen »testimonium« und Bildevidenz wird auf diese Weise vielschichtig diskutiert, wobei der Schwerpunkt auf die Zeit um 1600 gelegt ist.
Zur Genealogie des möglichen Menschen
Schon beim frühesten Auftauchen des lateinischen Wortes »Potentialis« lässt sich eine entscheidende Ambiguität beobachten: Einerseits bezeichnet »Potential« etwas, das noch nicht aktuell ist, aber sein könnte, andererseits stellt »Potential« ein Merkmal der Macht und der Mächtigen dar. Diese Unschärfe und Doppelung ist nicht bloß ein sprachliches Merkmal, sondern hängt mit der Komplexität und gesellschaftlichen Reichweite symbolischer Praktiken zusammen. Im Kern geht es um die Materialität des menschlichen Potentials als eine Grundbedingung des Regierens. In interdisziplinären Fallstudien zur Transformation von Subjekten und gouvernementalen Kulturtechniken rekonstruiert der Band die Genealogie der Regierung von Kollektiven und Individuen in Spätantike, Mittelalter und Neuzeit. Hierbei zeigt sich eine der Urszenen der Biopolitik schon in mittelalterlichen Klöstern als menschlichen Perfektionsmaschinen und nicht erst im quantifizierenden Licht der Aufklärung. Zudem betonen neuzeitliche Verflechtungen von Literatur und Kunst mit Recht und Ordnung die gouvernementale Qualität ebenso umfassender wie unscharfer symbolischer Setzungen, die auch in Zeiten funktionaler Differenzierung noch fortwirken. Über die Zeiten hinweg erweist sich die Administration von Menschengekoppelt an das Versprechen von Sicherheit.