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In: Die Schreibszene als politische Szene
Series:  Film Denken
Translator: Michaela Ott
Mit der Übersetzung von Jean Louis Schefers enigmatischem Buch L’homme ordinaire du cinéma (1980/1997) wird dem deutschsprachigen Raum ein Text zugänglich gemacht, der in der französischen Filmphilosophie (und darüber hinaus) vielfach verzweigte Spuren hinterließ und die Grenzen wie Möglichkeiten des Film-Denkens neu auslotete. Gehst Du oft ins Kino? Ich gehe oft in die Zeit selbst: Das Kino ist die einzige Erfahrung, in der mir die Zeit als Wahrnehmung gegeben ist. Wenn das, was ich vom Film im Gedächtnis behalte, auch unwahrscheinlich und den ständigen Launen meiner Vorstellungskraft unterworfen ist, so bin ich mir – wegen dieser neuen Zeit, die ich genießen könnte – vielleicht doch sicher, ins Kino zu gehen. Was nimmst Du denn von diesem oder jenem Film wahr, was nimmst Du daraus mit? Dank der Szenarien und Bilder, die mehr oder weniger schnell die Gewalt jener Gefühle einfangen, die sich sonst an nichts heften würden, wohnen wir sicherlich dem noch unverständlichen Schauspiel des »sichtbaren Menschen« bei. Eines Menschen, dessen Seele, Geist und Denken nur aus den vorgeführten Aktionen bestehen, in die Verhaltensweisen wie Organe transplantiert sind. Und der gewöhnliche Mensch des Kinos? Das ist zweifellos jeder von uns: derjenige, dessen Lustobjekte sich in Objekte des Wissens verwandeln, nicht umgekehrt. Es ist ein Zuschauer. Und warum gehst Du ins Kino? Ich weiß nicht. Oder vielmehr, ich dachte, verstanden zu haben, dass ich dorthin gehe, um diese Welt und diese Zeit zu sehen, die unsere Kindheit angeschaut haben. Ist das alles? Nein! Aber wer hat jemals behauptet, dass der Beginn der Welt die Totalität der Welt wäre. Jean Louis Schefer
Das Schreiben umfasst mehr als den Akt der sprachlichen Formulierung: Es ›engagiert‹ und ›mobilisiert‹ die Körper der Schreibenden.
So gesehen kommt das Politische des Schreibens bereits dann zum Ausdruck, wenn sich die Bewegungen des schreibenden Körpers, die Mobilisierung der Schreibgeräte und die Beweglichkeit in der Sprache mit dem gesellschaftspolitischen Engagement und den Mobilmachungen der Moderne verbinden.
Vor diesem Hintergrund liefert der vorliegende Band eine erste Studie zum Ineinander von Schreiben und Politischem, mit der an die Tradition literaturwissenschaftlicher Forschung zur politischen Literatur und zum politischen Schreiben erinnert und angeknüpft, mit der aber auch neue Ein- und Ausblicke auf das Phänomen der politischen Schreibszene versucht und gewonnen werden soll.
Adolf Hölzel und die Moderne
Beseelt von der Vorstellung, es könne, ähnlich der Musiktheorie, eine Harmonielehre der Farben in der Malerei gefunden werden, beginnt Hölzel Anfang des 20. Jahrhunderts einen avancierten theoretischen Diskurs. Hölzels pikturales Denken war dezidiert auf die bildimmanenten und formalen Gestaltungsprinzipien des Bildes und insbesondere die der Farbe ausgerichtet, verstand er das Bild doch immer als begrenzte zweidimensionale Fläche, die es durch Farbe zu verwandeln galt. In der Geschichte der Farbgestaltung und Farbtheorie nehmen die Farbenlehre Adolf Hölzels und sein künstlerisches Werk eine prominente Stellung im Übergang zur Moderne ein. Beleuchtet wird Hölzels Position im Generationenwechsel der Avantgarden bis hin zu den Hölzelreflexen in der Kunst nach 1945.
Die Entgrenzungsbestrebungen der Nachkriegsmoderne und der Einzug des Fernsehens in die Privathaushalte verlaufen ab 1960 nicht mehr parallel. Sie weisen entscheidende Berührungen und Verschränkungen auf, die ihr vermeintlich antagonistisches Verhältnis unterwandern. Entsprechend nutzte man das Medium nicht länger nur zur Berichterstattung über Kunst, sondern nahm es verstärkt als Schauplatz und Gegenstand künstlerischen Arbeitens wahr.
Der Band fragt nach dem sich stetig wandelnden Stellenwert des Fernsehens als Ort künstlerischer Intervention. Im Blickpunkt stehen Auseinandersetzungen mit fernseh-typischen Formaten, die fasziniert oder kritisch anerkennen, dass die Gegenwart nicht ohne die Bild- und Erzählsprache des Fernsehens und seine sozialen Funktionen zu denken ist. Neben Beispielen aus Video und Performance Art versammelt der Band auch solche der Performing Arts, weil sich namhafte Komponisten und Theatermacher ebenfalls darum bemühten, für ihre Kunst eine dem Fernsehen angemessene Form zu finden.
Zur Mediologie der Verschwörung
Der Band fragt danach, wie Verschwörungstheorien mit medialen Verfahren zusammenhängen. Der verschobene Blickwinkel der Verschwörungstheorie verspricht, unter der Oberfläche von Ereignissen und Dingen Strukturen und Handlungsträger sichtbar werden zu lassen, die dem unaufgeklärten Blick verborgen bleiben müssen. Das vorliegende Buch hinterfragt dieses Versprechen in Untersuchungen, die ein Spektrum von konspirologischen und literarischen Schriften des 18. Jahrhunderts über Texte von Freud, Kafka und DeLillo bis hin zu Filmen wie The Parallax View, Twin Peaks oder Das Leben der Anderen und Fernsehserien wie Lost und 24 umfassen.
Kultur - Technik - Medien im postglobalen Zeitalter
Globus, mundus, Planet, Welt: Um die vielfachen Vernetzungen zu beschreiben, die sich über Ländergrenzen, kulturelle und politische Machtbereiche oder alte mediale Hegemonien hinweg entwickeln, werden Denkfiguren und Bilder geprägt, in denen die 'ganze Erde' gleichsam von außen gesehen wird. Ein Begriff, der diese unterschiedlichen Entwürfe ebenso fortschreibt wie reflektierbar macht, ist 'das Planetarische'. In diesem Band geht es um die möglichen 'Orte' und 'Standpunkte des Planetarischen' in einem postglobalen Zeitalter.