in Wind und Wetter
Ein interdisziplinäres Symposium
HerausgeberIn: Michael Neumann
in Rationalisierungen des Gefühls
in Die schönen und die nützlichen Künste
Inszenierungen. Praktiken. Symbole
Die aktuelle Debatte und die Wiederentdeckung des Rituals ist nicht zufällig. In der gegenwärtigen politischen Situation, die von Diskussionen um den Zerfall des Sozialen, den Verlust von Werten und der Suche nach einer kulturellen Identität geprägt sind, gewinnen Rituale und Ritualisierungen eine größere Bedeutung. Wurden sie im Zuge der 68er Debatte um den Nationalsozialismus fast ausschließlich unter den Aspekten der Stereotypie, Rigidität und Gewalt thematisiert, wenn nicht gleich nur vormodernen Gesellschaften zugeschrieben, so sollen sie jetzt eine Brückenfunktion zwischen den Individuen, den Gemeinschaften und den Kulturen übernehmen. Dabei lässt sich in den hier vorliegenden neuen Arbeiten der Trend zu einer neuen Akzentuierung in des Ritualbegriffs ausmachen. Die an der Phänomenologie, Medientheorie, Literaturwissenschaft, Ethnologie und den Kultur- und Geschichtswissenschaften orientierten Bestimmungen des Rituals fokussieren auf die Formen der Inszenierung von Macht, auf die Dynamiken symbolischer Ordnungen und auf die Magie des Ästhetischen. Rituale erscheinen als performative kulturelle Welten. Für die Entstehung und Praxis von Religion, Gesellschaft und Gemeinschaft, Politik und Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft, Erziehung und Bildung sind sie unerlässlich. Mit ihrer Hilfe werden die Welt und die menschlichen Verhältnisse geordnet und interpretiert; in ihnen werden sie erlebt und konstruiert. Rituale erzeugen einen Zusammenhang zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft; sie ermöglichen Kontinuität und Veränderung, Struktur und Gemeinschaft sowie Erfahrungen von Transition und Transzendenz. Sie erscheinen nun nicht mehr als irrationaler Ausdruck von Mysterien kultischen Ursprungs, oder als Medium einer zum Irrationalismus geronnenen instrumentellen Vernunft totalitärer Systeme, sondern als lebensweltliche Scharniere, die durch ihren sozialen, ethischen und ästhetischen Gehalt unhintergehbare Sicherheiten in den Zeiten der Unübersichtlichkeit gewähren sollen. Aus dem Inhalt CHRISTOPH WULF, JÖRG ZIRFAS Performative Welten. Einführung in die historischen, systematischen und methodischen Dimensionen des Rituals CHRISTOPH WULF Ritual, Macht und Performativität. Die Inthronisation des amerikanischen Präsidenten KLAUS-PETER KÖPPING Geborgte Autorität? Autorität und Verhandelbarkeit von Shinto- und Volksritualen in Japan HORST WENZEL Ritual und Repräsentation WERNER RÖCKE Die Gewalt der Narren. Rituale der Gewalt und der Gewaltvermeidung in der Narrenkultur des späten Mittelalters JÖRG ZIRFAS Rituale der Grausamkeit. Performative Praktiken der Folter HANS-GEORG SOEFFNER Überlegungen zur Soziologie des Symbols und des Rituals GERD ALTHOFF Baupläne der Rituale im Mittelalter. Zur Genese und Geschichte mittelalterlicher Herrschaftsrituale INGRID KASTEN Ritual und Emotionalität. Die Anfänge des Theaters im Mittelalter AXEL MICHAELS Das Heulen der Schakale. Ein Tier- und „Menschen“-opferritual in Nepal CATHERINE BELL Exercise, Ritual, and Political Dissent: The Falun Gong KARL-SIEGBERT REHBERG Institutionelle Ordnungen zwischen Ritual und Ritualisierung HELMAR SCHRAMM Ritual und Instrument ERIKA FISCHER-LICHTE Theater und Ritual ANGELA KEPPLER Das Ritual politischer Talkshows LUDWIG JÄGER Zur medialen Logik von Ritualen JOHANNES BILSTEIN Zur Ikonographie von Ritualen GERT NEUMANN Le rituel piège. Daniel Spoerris Fallenbilder zwischen Kunst und Ethnographie
Visionen künftiger Körper in Geschichte, Kunst und Gesellschaft
Zukunftsvisionen, die durch die rasante Entwicklung innerhalb der Life-Science und der Computertechnologie angestoßen wurden, machen den Körper zur Projektionsfläche alter Menschheitsträume: sie versprechen das Ende von Krankheit, Schmerz, Alter und Tod. Spekulationen über neue Verbindungen von Mensch und Maschine im Cyborg, über gentechnische Modifikationen oder die vermeintliche Überwindung des Körpers durch seine Virtualisierung beschreiben diese Zukunftsentwürfe in den Termini von Utopie und Dystopie. Aber auch gesellschaftliche Praktiken zeugen vom Einwandern der Utopie in den Körper. War das Kriterium der Utopie bislang ihre Unrealisierbarkeit, so konkretisieren sich utopische Imaginationen im Zugriff auf reale Körper. Der Band untersucht einerseits, inwiefern sich Zukunftstechnologien und verbreitete Körperpraktiken mit utopischen Entwürfen verbinden. Andererseits wird gezeigt, in welchem Maße Utopien den Körper besetzen, indem sie ihn aufrüsten und disziplinieren.