Boxen - Der Kampf als Subtext moderner Subjektphilosophie
Kampf, Gewalt und Subjekt sind in der modernen Philosophie seit langem verbunden.
Wenn Menschen kämpfen, lenken sie Aggression und Gewalt in regelgeleitete, gesellschaftskonforme Bahnen. Die Kontrahenten müssen sich gegenseitig anerkennen und machen sich selbst als eigenständige Subjekte anerkennbar. Das Buch diskutiert, inwiefern der Boxkampf als exemplarische Aufführung des Entstehens von Subjektivität in und durch einen Kampf in Bezug auf Hegel und Nietzsche verstanden werden kann. Bei beiden Denkern findet sich eine agonale Essenz. Im Gegeneinander sollen Subjekte eigenständige Individuen werden. Zugleich gilt die Agonalität sozialen Lebens beiden als Grundlage sozialer Entwicklung. Die Idee der fundamentalen Bedeutung von Kämpfen entwickelt sich in der Philosophie des frühen 20. Jahrhunderts zu einem Leitgedanken, der auch über die Philosophie hinaus bedeutsam wird und im Boxkampf eine besondere Aufführungsform findet.
»Totalitäre Herrschaft gleich der Tyrannis trägt den Keim ihres Verderbens in sich. So wie Furcht und die Ohnmacht, aus der sie entspringt, ein antipolitisches Prinzip und eine dem politischen Handeln konträre Situation darstellen, so sind Verlassenheit und das ihr logisch-ideologische Deduzieren zum Ärgsten hin eine antisoziale Situation und ein alles menschliche Zusammensein ruinierendes Prinzip. Dennoch ist organisierte Verlassenheit erheblich bedrohlicher als die unorganisierte Ohnmacht aller, über die der tyrannisch-willkürliche Wille eines einzelnen herrscht. Ihre Gefahr ist, daß sie die uns bekannte Welt, die überall an ein Ende geraten scheint, zu verwüsten droht, bevor wir die Zeit gehabt haben, aus diesem Ende einen neuen Anfang erstehen zu sehen, der an sich in jedem Ende liegt, ja, der das eigentliche Versprechen des Endes an uns ist.«
Am Grunde des Denkens von Hannah Arendt liegen die Erfahrungen des 20. Jahrhunderts. Zwei Weltkriege und die Shoah haben Verwüstung hinterlassen, wo vorher die alten Welten der abendländischen Kultur bestanden hatten. Damit ist auch der Glauben an humanistische Werte, der Glaube daran, dass der Mensch dem Menschen kein Wolf sein muss, in seinen Grundfesten erschüttert. Die Welt liegt in Trümmern und mit ihr die Menschen. Wie also weiter leben?