Wer die neuen Medien nicht versteht, gehört zu den Analphabeten des 21. Jahrhunderts. Dieses ABC-Buch buchstabiert die Grundbegriffe der Medienwelt. Natürlich steht das Internet im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber das sollte uns nicht dazu verleiten, den Tod der klassischen Massenmedien zu verkünden. Das Internet braucht die Massenmedien, um Aufmerksamkeit zu faszinieren, und die Massenmedien brauchen das Internet, um in Kontakt mit den Zielgruppen zu kommen. Das Allermundewort Globalisierung meint konkret: Digitalisierung, Mobilisierung und Vernetzung von Kommunikation. Die Netzwerke lassen die geographische Gestalt der Welt gleichgültig werden. Und die Menschen? Sie verteilen sich in der globalisierten Welt auf vier Schicksalsfelder, die durch die Koordinaten "arm vs. reich" und "vernetzt vs. nicht vernetzt" definiert sind. Wer sich in dieser Welt orientieren will, muß die Medien verstehen, die sie prägen.
Modernität hat ihren Preis. Zwar wird sich heute niemand ernsthaft wünschen, wieder in vormodernen Verhältnissen zu leben. Aber das Projekt der Moderne war kein Weg ins Glück. Die aktuellen Problembegriffe der modernen Gesellschaft lauten: Komplexität und Kontingenz. Konkret meint das die Ungewißheit und Unsicherheit der allgemeinen Lebensverhältnisse, die Deregulierung des familiären und sexuellen Alltags, das Durchwursteln der Politik, die Unvorhersehbarkeit einer auf Wissen basierten Wirtschaft und die 'job uncertainty' eines globalisierten Arbeitsmarkts. Es gibt keine bessere Metapher für diese Entwicklungsdynamik der modernen Gesellschaft als die des Blindflugs. Auf die Instrumente und das Personal ist Verlaß, aber niemand weiß, wohin die Reise geht.
Philosophischer Extremismus zwischen den Weltkriegen
Bolz‘ engagiertes Plädoyer für die Familie richtet sich gleich gegen mehrere Gegner: Gegen einen Fürsorgestaat, der die Familie ersetzen will, gegen einen neuen Hedonismus unter der Marke der “Selbstverwirklichung”, und gegen eine als Political Correctness getarnte Kinderfeindlichkeit. Die zukünftige Entwicklung Deutsch-lands wird durch die Dynamik der Bevölkerungsentwicklung geprägt. Gerade die verzweifelten Reform-bemühungen der Politik machen die Sollbruchstellen unserer Gesellschaft überdeutlich. Der Generationen-vertrag ist geplatzt, der das Wohlleben des Alters durch die Produktivität der Jugend garantierte und so durch stabile Renten-zahlungen den Zusammenhang der Generationen wahrte. Dies ist nicht nur ökonomisch desaströs, sondern auch kulturell höchst folgenreich: Die Kluft zwischen dem Lebensstil der Eltern und der Kinderlosen wird immer größer. Intimität und Familiengeist vertragen sich nicht mit dem Individualismus und Universalismus moderner Demokratien. Wer unter diesen Bedingungen eine Familie gründet, tut es "trotzdem".
Der Konsumismus ist das Immunsystem der Weltgesellschaft gegen den Virus der fanatischen Religionen. Die Apologie dieses Lebensstils, bis hinein in die Sphäre der Liebe, muß nicht die Augen verschließen vor den Folgelasten der Modernisierung, den Ausschlußmechanismen unserer westlichen Rationalität und den Schicksalen der Globalisierungsopfer. Auch die immanenten Schwächen des konsumistischen Lebensstils, der vom pursuit of happiness nur den "happiness of pursuit" übrig läßt, liegen seit langem offen zutage. Heute wäre es aber an der Zeit, die Stärke in diesen Schwächen zu erkennen. Der Konsumismus verspricht weder das Ziel noch das Ende der Geschichte, sondern nur das immer wieder Neue. Und wo anders wäre, nachdem die Moderne den Himmel ausgeräumt hat, die Wendung von der Transzendenz zur Introszendenz möglich: die Eroberung der "diesseitigen Tiefe"?
Die neuen Kommunikationsverhältnisse