Statuen und kulturelle Identität
Statuen haben die Kulturen Europas seit der Antike entscheidend geprägt. Sie sind wegen ihrer Anschaulichkeit und körperhaften Präsenz besonders wirkmächtige Konkretisierungen religiöser Vorstellungen, politischer Konstellationen und Wissensordnungen.
Das Bildmedium der Skulptur entwickelte sich seit dem 8. Jh. v. Chr. zur Leitgattung der griechisch-römischen Antike. Der monumentale und zugleich genuin politische Charakter dreidimensionaler Bildwerke begründet in Verbindung mit der Dauerhaftigkeit des Materials die Bedeutung von Skulptur für das kulturelle Gedächtnis europäischer Gesellschaften. So intensiv und kontinuierlich wie sonst nur in Literatur und Architektur lässt sich hier der für die Kultur Europas konstituierende Rückbezug auf und Identifikation mit ausgewählten Vergangenheiten untersuchen. Der Band beleuchtet Facetten der Skulptur von der Antike bis in die Gegenwart.
Archäologische Fallstudien und medienwissenschaftliche Reflexionen
Der Band inszeniert den Dialog zwischen archäologischen Fallstudien und medientheoretischen Reflexionen am Beispiel von Formkonstanz und Bedeutungswandel antiker Statuen und Gemälde.
Antike Kopiertechniken ermöglichten es, das Formenrepertoire von Statuen und Gemälden aus dem ursprünglichen Zusammenhang herauszulösen. Auch wenn Figuren und Darstellungsschemata in einem bestimmten Kontext geschaffen wurden, konnten sie in einer sekundären Verwendung neu kontexualisiert und mit neuen Bedeutungen aufgeladen werden, ohne ihre grundlegende Form zu verlieren. Gerade Übertragungen dieser Art, bei denen sich die ursprünglich intendierten Bezüge verschoben oder sogar vollständig verloren gingen, sicherten vielfach die Rezeption der Werke. Die archäologischen Fallstudien werden im Lichte medientheoretischer Positionen diskutiert.