Zur Aktualität von Günther Anders und Theodor W. Adorno
Author: Peter Schmitt
In Zeiten von Smartphone und Social Web die Medienkritik von Günther Anders und Theodor W. Adorno zu behandeln, scheint auf den ersten Blick ein antiquiertes Vorhaben zu sein. Dabei wird die Auseinandersetzung mit ihren Gedanken zu Mensch, Gesellschaft und Medien immer wichtiger.
Die Seele des Menschen ist inmitten der totalen Computerisierung vom verzifferten Lärm und von den grellen Bildschirmen umstellt. Das Andere, »Nichtidentische« rückt mit der Digitalisierung von allem und jedem in immer weitere Ferne. Mit der hier vorgenommenen Relektüre lassen sich die kritischen Theorien von Günther Anders und Theodor W. Adorno zuspitzen. In der totalen Überhöhung der ins-trumentellen ratio (Adorno) in Form von obskuren Datenbergen lässt sich ein neuer Höhepunkt der Dialektik der Aufklärung verorten. Der Rückfall der aufgeklärten Gesellschaft in den Mythos ereignet sich ganz konkret in der digitalen Totalität – wir stecken mit Big Data mitten drin.
Rationale, performative und mimetische Verstehensbegriffe in den Kulturwissenschaften
Während ‚Verstehen’ in der Wissenschaftsgeschichte primär als Sprachverstehen, als Verstehen in und durch die Sprache begriffen wird, wird hier mit dem ‚Sinn-Apriori’ sowie mit dem performativen und mimetischen Verstehen eine Grenze gezogen, die vor oder hinter dem Sprachverstehen liegt. Gerade die drei Bereiche des Sinn-Aprioris – das Nicht-Verstehen, die Erschütterung und das Fremde – eröffnen eine andere Dimension des Verstehens jenseits des Sprach-Verstehens über den performativen Vollzug und das mimetische Vermögen.