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In: Poetica
In: Grenzgänger der Religionskulturen
Zur Hermeneutik visueller Strukturen in der frühen Neuzeit
Konstitutiv für allegorische Bilder ist die Diskontinuität zwischen res und signum, zwischen sichtbarer Oberfläche und einem »Dahinter« an Bedeutetem. Ging man lange davon aus, dass der Bezug zwischen ihnen allein auf Konventionsregelung beruhe und so einer ästhetischen Aufladung der Wirklichkeitsdeutung eher im Wege steht, erweisen sich gerade die Bildallegorien der frühen Neuzeit mit ihrem stetig wachsenden Potential an mimetischer Darstellungskraft und den erhöhten Ansprüchen an Kohärenz und »Schönheit«, an Inventionsleistung und künstlerische Qualität der Darstellung als ein Feld, auf dem die Frage nach dem eigentlichen Ort der Sinnproduktion völlig neu verhandelt wird.
Kulturwissenschaftliche Beiträge zu Gegenwart und Geschichte der Märtyrer
Series:  Trajekte
Mit der Rückkehr der Religionen in Politik und Kultur auch der säkularisierten Gesellschaften tritt eine lang vergessene Figur wieder in den Mittelpunkt der Interessen: der Märtyrer. In der Urszene des Christentums angesiedelt, aber durch seinen "edlen Tod" auch in paganen, jüdischen wie islamischen Traditionen beheimatet, erweist sich der öffentlich und blutig Sterbende als religionskultureller Grenzgänger und Hybridfigur. In ihm werden die Pathosformeln (Aby Warburg) der einen Tradition in die benachbarte und oft als feindlich angesehene übersetzt.
Eine ununterbrochene Kette von Leiden und Leidenschaften, von ausgeübter und erlittener Gewalt verbindet die Religionen noch in ihrem Nachleben. Hier werden Opfer zu Helden, Attentäter zu Heiligen, Töchter zu Rebellinnen. Der Märtyrer verkörpert als Revenant die Formensprache der abendländischen Imaginations- und Bildgeschichte seit der Antike in Ost und West und wird in der globalisierten Weltgesellschaft zur Vorlage ästhetischer wie politischer Programme.