in Passionen
in Schwellenprosa
in Mythos - Geist - Kultur
in Homo religiosus
in Arbeit am Gedächtnis
in Sprache und Literatur
Reihe: Forum
HerausgeberInnen: Cathrin Gutwald und Raimar Zons
Nachdem Schönheit und das Schöne lange als unwesentlich und oberflächlich diskriminiert wurden, erfahren wir heute ihre fulminante Wiederkehr - buchstäblich auf allen Kanälen. In der hedonistischen westlichen Welt sind sie die Insignien einer neuen, ästhetischen Lebenskultur. Deren Ikonen, die langbeinigen Supermodels und verträumten Rockstars, bringen die Macht der Schönheit, Kalokratie, wie die Griechen sie nannten, auf globales Niveau. Der Band folgt der Spur des Schönen von den Griechen bis heute - und wieder zurück. Die Macht der Schönheit ist so unbestreitbar wie skandalös: Süße Babies erhalten mehr Aufmerksamkeit von ihren Müttern als vergleichsweise hässliche, hübsche Kinder bekommen bessere Schulnoten, begünstigte Jugendliche haben ein reicheres Sexualleben, attraktive Männer und Frauen erhalten leichter Jobs und verdienen besser, gut aussehende Kriminelle werden seltener angeklagt und milder bestraft, ja schöne Menschen gelten nicht nur als zufriedener, geselliger, sympathischer und erfolgreicher, sondern sogar als intelligenter, vertrauenswürdiger, fleißiger und kreativer. Diese empirisch vielfach belegten Befunde müssen einer christlich orientierten und demokratischen Gesellschaft mißfallen, die auf innere Werte, „schöne Seelen“ und auf Chancengleichheit setzt. Ihre Abneigung und ihr Misstrauen gegen deren „Oberflächlichkeit“ wächst noch in dem Maße, in dem Schönheit kein Naturschicksal mehr, sondern – kosmetisch, chirurgisch, gentechnisch – zunehmend machbar ist. Im Terrain des „Hedonismus als neuer Matrix der Kultur“ (Welsch) sind Schönheit und das Schöne aber Insignien einer neuen, ästhetischen Lebenskultur. Was die einen als „Schönheitswahn“ mit verheerenden geistigen, sozialen und politischen Folgen diskriminieren, drückt für andere ein neues, jugendliches Lebensgefühl aus, eine kultische Feier des Daseins, das – zumal in unseren Zeiten – nur „ästhetisch gerechtfertigt“ werden kann (Nietzsche).