in Bilder und Gemeinschaften
in Öffnungen
Max Ernst und die Ungleichzeitigkeit des Bildes
Die Maler und Dichter des Surrealismus waren von der Idee fasziniert, daß die Zukunft durch die Wiederkehr der Urgeschichte entschieden wird. Als urgeschichtlich galt ihnen die Zeit ihrer Jugend vor 1914, die nach dem Krieg ebenso fremdartig anmutete wie Fauna und Flora der Prähistorie. Derjenige Künstler, der wie kein anderer diese untergegangene Epoche erkundete, in Collagen und Übermalungen, Frottagen, Grattagen und anderen Techniken, war Max Ernst. Die eigenen Verfahren wie auch die Traditionen der Malerei pointenreich reflektierend, gelangen ihm Bilder der Verschüttung und Verfremdung von (historischer) Erfahrung, die ihrerseits zu Fremdkörpern der (visuellen) Erfahrung werden. Fremdkörper und dabei zugleich Geheimnisse, denn als Surrealist suchte Max Ernst im Unbewußten ein Arkanum. Er fand es in der jüngst vergangenen, jedoch prähistorisch fernen und von der Gegenwart abgespaltenen Geschichte, in der die Zukunft spukt.
Reihe: Eikones
HerausgeberInnen: Ralph Ubl und Rahel Villinger
Der Band macht den kunstkritischen Essay ‚Shape as Form. Frank Stellas Irregular Polygons’ des jungen Michael Fried von 1966 erstmals in voller Länge übersetzt zugänglich. In Auseinandersetzung mit der amerikanischen Malerei der 60er Jahre entwickelt Fried darin nicht nur einen Formbegriff, der quer steht zu allem, was in der Kunstgeschichte üblicherweise unter „Formalismus“ verstanden wird, sondern auch eine theoretisch hochambitionierte, im unmittelbaren zeitgenössischen Kontext der Entstehung des Texts völlig ungewöhnliche Form und Verfahrensweise von Kritik. Daran schließen Beiträge an, die Frieds frühes Formdenken im Kontext seines Gesamtwerks verorten, mit verschiedenen in der Kunsttheorie seit 1800 entwickelten Form- und Kritikbegriffen in vergleichende Beziehung setzen und/oder zum Ausgang nehmen, Form anhand einzelner Werke der bildenden Kunst und Literatur von 1800 bis zur Gegenwart neu zu denken.
Studien zum Bild in der Moderne
Reihe: Eikones
HerausgeberIn: Ralph Ubl
»Was zur Ruhe kommt, findet seinen Ort im Horizont der Zeit, vor dem es sich zeigt und deutet.«
Mit dieser Charakterisierung von Cézannes Malerei formuliert Gottfried Boehm die These, der seine Deutung der Kunst der Moderne und seine bildtheoretische Reflexion verpflichtet sind: dass in der Simultaneität des Bildes Zeit sichtbar wird und dass diese Zeit des Bildes nicht auf die dargestellte Zeit beschränkt ist, sondern durch die Form und Materialität der Darstellung zur Erscheinung kommt. Von den zahlreichen Beiträgen, die Boehm den zeitlichen Bestimmungen des Bildes gewidmet hat, versammelt dieser Band diejenigen, die sich zugleich mit zentralen Begriffen der künstlerischen Moderne wie dem der Entgrenzung der Gattungen, des Plastischen, der Allegorie oder der Abstraktion auseinandersetzen.
Figuren des Details in Kunst und Literatur
Das Detail kann Nebensache und Überschuss, aber auch Fremd-körper, Schlüssel oder Signatur sein. Doch ehe es den Zugang zum Ku-nstwerk zu eröffnen oder zu stören vermag, muss es selbst auffällig werden und in die Betrachtung Eingang finden. Die in dem Band versammelten kunst- und literaturwissen-schaftlichen Beiträge bewegen sich daher aus verschiedenen Richtungen auf jene Schwelle zu, an der Haupt- und Nebensache, Sichtbares und Übersehenes, Bedeutsames und Be-deutungsloses einander nahe kommen, wo diese Verhältnis-bestimmungen aber auch ins Wanken geraten und sich verkehren können.
Das Formdenken der Moderne
Reihe: Eikones
Die Bildtheorie hat sich jüngst dem Begriff der Form zugewandt. Der vorliegende Band verfolgt vor diesem Hintergrund das Ziel, den vielfältigen Zusammenhängen von Form und Bild, die in der Epoche der Moderne seit ca. Mitte des 18. Jahrhunderts zu beobachten sind, nachzugehen und ihre historischen, theoretischen und methodischen Voraussetzungen zu beleuchten. Das semantische Feld von Formbildung und Formbegriff umreißt dabei einen Gegenstandsbereich, der eine doppelte Herangehensweise nahelegt: die Untersuchung der theoretischen Implikationen von Formbegriffen der Moderne sowie die historische Analyse spezifischer künstlerischer Positionen, die in ihren verschiedenen Verbindungen untereinander erfasst werden sollen.
Zur Körperlichkeit eines ästhetischen Prinzips
Der Band testet die Übertragung eines medizinischen Begriffs in das Feld der Kunst und Kultur: Lässt sich 'Ansteckung' als ein wirkungsästhetisches Konzept profilieren, wenn man die Aufmerksamkeit auf die quasi-körperlichen Symptome der Kunsterfahrung lenkt? Was geschieht, wenn die Zufälligkeit, die Unmittelbarkeit, aber auch die innere Notwendigkeit im ästhetischen Erleben mitgedacht werden? Während die Rezeption auf Distanz nicht selten an der Oberfläche bleibt, dringt Ansteckung ›unter die Haut‹. Ansteckung arbeitet in diesem Sinn gleichzeitig als phänomenaler Beschreibungsmodus als auch als Analyseinstrument, um die Übergänge und Transfers von sinnlich wahrnehmbaren Geschehnissen und ihrer späteren Bedeutungszuschreibung besser erfassen zu können. Dabei geht es keineswegs um eine bloss metaphorische Entwendung eines medizinischen Begriffs für den kulturwissenschaftlichen Diskurs. Vielmehr soll seine Herkunft aus dem Geist der von Spinoza entdeckten Affekt-Philosophie und des von den englischen Empiristen verwendeten Affektions-Begriffs (lat. afficere, anrühren, anstecken, berühren) ernstgenommen werden.