Eine Künstlerkarriere in Rom und Dresden
Giovanni Casanova war als Professor und Direktor der Kunstakademie in Dresden ein bekannter Künstler. Daß der Name Casanova einmal weltberühmt sein würde, konnte er nicht ahnen. Dies war das Erbe seines älteren Bruders Giacomo, dessen Ruhm die Erinnerung an den Künstlerbruder verblassen ließ. Giovanni Casanova gelang als Künstler eine von Erfolgen begleitete Karriere, zunächst in Rom als hochgelobter Antikenzeichner, der auch in Herkulaneum tätig war, und dann ab 1764 in Dresden als bewunderter Kunsttheoretiker und Altertumskenner. Seine klassizistische Kunstlehre, vorgetragen in mehrjährigen Vorlesungen, wirkte weit über Dresden hinaus und zog viele junge Talente an. Kanz Biographie schildert, eingebettet in die Familiengeschicke und die Akademiegeschichte, erstmals die bewegte Karriere Giovanni Casanovas. Prägend war die Mitarbeit bei Mengs in Rom, seine Freundschaft und stärker noch seine spätere Feindschaft zu Winckelmann, wechselhaft war seine künstlerische Produktion und berüchtigt sein Hang zu Kontroversen mit Kollegen. Ein ausführlicher Quellenanhang bietet unveröffentlichte Dokumente zur Künstlerkarriere, zur Verurteilung wegen angeblicher Wechselfälschung in Rom und zu seiner Rolle als Akademiemitglied. .

Hatte der Traum als Teil der Fantasia wie bei Alberti die Vorstellung von Realität übertroffen, so erzeugt die Phantastik des Künstlers auch in dessen Wachzustand einen möglichen Modus von Wirklichkeit, den es ihr gegenüber im Sinne des meraviglioso zu plausibilisieren gilt. Diese Umbesetzung der Fantasia und ihrer Loslösung aus der gängigen Theorie der Vorstellung, der imaginatio, wird gegen Ende des 16. Jahrhundert insbesondere in der Kunstgeschichte des im engeren Sinn verstandenen ‚Manierismus‘ virulent, was sich in den Artefakten der grotesken Köpfe Arcimboldos, den „Querelles des grotesques“ und den Traktaten, wie denjenigen des „Il Figno“ von Gregorio Comanini, unter diesen neuen Prämissen zeigt. Dabei wird die Platonische Kritik der künstlerischen Illusion, dass die Kunst zu Lügen greife, um eine Wirklichkeit vorzutäuschen, welche es gar nicht gibt, geradezu zum Ideal der dissimulatio umgedeutet. Dieser Vorgang kann als die entscheidende Wende in der Kunst vor allem zum Manierismus hin verstanden werden; im Manierismus entweder noch Spuren der alten Signaturenlehre entdecken zu wollen, welche dann in ihm umgedeutet und transformiert werden, oder in ihm die ab- und losgelöste Erfindung neuer Zeichen zu sehen.

in Signatur und Phantastik in den schönen Künsten und in den Kulturwissenschaften der frühen Neuzeit
HerausgeberIn: Roland Kanz
Die Edition bietet den gesamten Text der Vorlesungen (47 Hefte mit ca. 2700 Mauskriptseiten) in originalgetreuem Wortlaut. Ein Stellenkommentar belegt die breite Gelehrsamkeit Casano-vas, das Nachwort schildert die Entstehungsumstände und ein Register erschließt Personen und Sachbegriffe. Giovanni Battista Casanova (1730–1795) lehrte an der König-lichen Kunstakademie in Dres-den als Maler, Zeichner und Kunsttheoretiker von 1764 zu-nächst als Professor und von 1776 bis 1795 als Direktor. Er war zuvor lange Jahre Schüler und Mitarbeiter von Anton Raphael Mengs in Rom und entwickelte sich dort zum „besten Zeichner“, wie Johann Joachim Winckel-mann ihn lobte. Als virtuoser An-tikenzeichner, belesener Alter-tumskenner und versierter Kunst-theoretiker wurde er nach Dres-den berufen, wo er schon 1765 mit dreijährigen Vorlesungen über die Theorie der Malerei und die Antikenkunde begann, die sämtliche Aspekte des akademi-schen Künstlerwissens umfassten. Von 1782 bis 1784 erweiterte er die Vorlesungen und hielt sie in einem umfangreichen Manu-skript fest. Alle damals wichtigen Gattungen, Themenbereiche und ästhetischen Kategorien werden repräsentativ behandelt. Besondere Beachtung verdient die weitgreifende Realienkunde antiker Themen für die Historien-malerei auf der Basis von archäologischen Erkenntnissen. Alle Versuche einer Drucklegung scheiterten danach. Das Manu-skript blieb jedoch erhalten und kann zu den bedeutendsten deutschen Quellenschriften der Kunsttheorie des 18. Jahrhun-derts gezählt werden. Kein ver-gleichbares Manuskript dieser Zeit hat sich an deutschsprachi-gen Akademien erhalten.