Die wunderbare filmische Diegese von Jean Cocteaus ORPHÉE (F 1950; dt. ORPHEUS) irritiert diesseits wie jenseits der Spiegel – sei es durch Todesboten auf dem Motorrad, verkehrte Gesetze der Schwerkraft oder auch kinematographisch durch überraschend implementierte rückwärtslaufende Filmausschnitte, Backprojections und Negativbilder. Gleichzeitig ist es aber doch keine mythisch entlegene Welt, sondern eine im Nachkriegsfrankreich der 1940/50er Jahre verortbare, durchaus ›realistisch‹ wirkende Alltagswirklichkeit.

Im Folgenden wird genau dieses Zusammenspiel zwischen filmischen Realitätseffekten, alltagsweltlichen Darstellungsweisen und Beglaubigungsstrategien einerseits sowie Aspekten des Wunderbaren, Irrealen und Mythischen andererseits auf der Ebene der histoire und des discours untersucht. Es ist zu klären, wie Cocteau das Wunderbare inszeniert respektive seinen proklamierten ›Realismus im Irrealen‹ kalkuliert als ›Falle‹ nutzt, um schließlich der Wunderbarkeit von Poesie und Film zu huldigen.

in Das Wunderbare
Traumwelten und künstlerische Ausdrucksformen weisen vielfältige Analogien und Affinitäten ebenso wie Differenzen auf. Träume faszinieren durch Bizarrheiten und die Intensität ihres Erlebens. Nach dem Erwachen sind sie jedoch nur schwer (be)greifbar und erfordern einen Transfer ins Wachbewusstsein. Ästhetische Darstellungen in Literatur, Film und bildender Kunst vermögen hingegen synästhetische und flüchtige (Traum-)Erfahrungen ebenso wie Traumhaftigkeit medial anschaulich und prägnant zu inszenieren sowie kreativ und spielerisch zu gestalten. Schließlich entwerfen fiktive wie geträumte Welten gleichermaßen imaginäre (Gegen-)Welten. Diese erste umfassende, transmediale Studie zu Traum und Traumhaftigkeit in fiktionaler Literatur, Film und bildender Kunst untersucht eindeutig markierte Traumdarstellungen, unsichere Grenzen zwischen Traum- und Wachwelten sowie traumaffine Darstellungen, die als Träume interpretierbar sind. Im Rahmen eines intermedial erweiterten Erzählverständnisses eröffnen exemplarische Analysen mediale Zugänge zum Traum(wissen) – etwa von Bildern Boschs, Piranesis und Violas über Texte Tiecks, Hoffmanns, Büchners, Kafkas und Aichingers bis hin zu Filmen von Porter, Buñuel, Bergman und Lynch.
in Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst
in Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst
in Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst
in Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst
in Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst
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in Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst
in Traum und Erzählen in Literatur, Film und Kunst