In Deutschland wurde die Philosophin und Schriftstellerin Susan Taubes (geb. Feldmann 1928–1969) erst Mitte der 90er Jahre durch die späte Übersetzung ihres 1969 in den USA erschienenen Romans Divorcing und als erste Frau des Religionsphilosophen Jacob Taubes bekannt. Die Edition ihres Nachlasses ermöglicht nun die Entdeckung einer unabhängigen Denkerin, deren faszinierendes Werk Schriften zu Literatur und Theater, Religionsphilosophie und Kulturwissenschaft umfasst.
Der Band ist Auftakt einer mehrbändigen Edition mit den Schriften von Susan Taubes. Diese wird ihre wissenschaftlichen und literarischen Texte, die nur zum Teil zu Lebzeiten veröffentlicht worden sind, sowie Briefe und private Dokumente aus dem Nachlass umfassen und erstmals kommentiert vorlegen.
Die 124 in ihren Originalsprachen Englisch und Deutsch abgedruckten Briefe entstanden innerhalb eines halben Jahres, in dem die damalige Philosophiestudentin und der angehende Research Fellow räumlich voneinander getrennt lebten: in New York und Jerusalem. Neben Privatem werden in ihnen Fragen nach der Heideggerschen und Hegelschen Philosophie, Gnosis und Kabbala, sowie Judentum und Christentum thematisiert, eng verknüpft mit der Auseinandersetzung um das Verhältnis zwischen jüdischem Exil und deutscher Philosophie nach 1945. Zudem erhält der Leser Einblicke in die intellektuellen und kulturellen Netzwerke in den USA und Israel der fünfziger Jahre, die exemplarisch für die intellektuelle Geschichte von Kriegs- und Nachkriegszeit sind.
In Deutschland wurde Susan Taubes erst durch die späte Übersetzung ihres 1969 erschienenen Romans Divorcing und als Frau des Religionsphilosophen Jacob Taubes bekannt. Die Edition ihres Nachlasses ermöglicht die Entdeckung einer unabhängigen Denkerin, deren Werk Arbeiten zu Literatur, Theater, Religionsphilosophie und Kulturwissenschaft sowie eine Fülle an literarischen Schriften umfasst. Dieser dritte Band der Edition enthält elf Prosaschriften aus Taubes‘ Nachlass. Mit Ausnahme zweier Erzählungen, die zu ihren Lebzeiten in den USA erschienen, werden diese Texte erstmals veröffentlicht und ins Deutsche übersetzt.
Wegweisend für Susan Taubes Profilbildung als Schriftstellerin wurden die in diesem Band versammelten zehn Erzählungen und das romanähnliche Prosastück, entstanden zwischen 1957 und 1969. Sie sind geprägt durch ein virtuoses Spiel mit Perspektiven und Erzählweisen in Verbindung mit ganz unterschiedlichen Schauplätzen und Sujets. Mit der Literatur schrieb Taubes ihre philosophischen Gedanken und Reflexionen fort. Ob im Ton der Groteske, des Absurden, des Traums oder Hellwachseins, des schwarzen Humors oder des grausamen Märchens: Dem Leser begegnen Inszenierungen von Fremdheit und Ortlosigkeit, des Ineinandergleitens von Leben und Tod, der Dialektik von Vernunft und Leidenschaft – und der Unmöglichkeit, die Geschichte eines Lebens als sichere und gradlinige Entwicklung zu erinnern und zu erzählen.
In Deutschland wurde die Philosophin und Schriftstellerin Susan Taubes (1928–1969) als erste Frau des Religionsphilosophen Jacob Taubes bekannt. Ihr Nachlass umfasst faszinierende Schriften zu Literatur, Theater, Religionsphilosophie und Kulturwissenschaft. Band 1,2 setzt die mehrbändige Edition ihrer Schriften fort.
1952 leben Susan und Jacob Taubes räumlich voneinander getrennt: Susan studiert an der Pariser Sorbonne, während Jacob an der Jerusalemer Hebrew University lehrt. Die Briefe berichten von den persönlichen Begegnungen u.a. mit Emmanuel Lévinas, Hannah Arendt, Albert Camus, Marc Chagall.
In den 141 in den Originalsprachen Englisch und Deutsch abgedruckten Briefen kündigt sich ein Wechsel in Susan Taubes’ Denken an: Ihr frühes Interesse an theologischen Elementen bei Heidegger wird zunehmend von einer Faszination für die Philosophin Simone Weil abgelöst, über die sie später in Harvard ihre Dissertation schreiben wird. Die Briefe dokumentieren, wie das persönliche und intellektuelle Profil der 24-Jährigen gerade auch in Abgrenzung von den Positionen ihres Ehemanns an Kontur gewinnt, und zeugen von einer weiteren Station ihrer intellektuellen Laufbahn.
Der zweite Band der Edition der Schriften von Susan Taubes umfasst ihre 1956 abgeschlossene, bisher unveröffentlichte Dissertation Der abwesende Gott. Eine Studie über Simone Weil sowie ihre Aufsätze und Rezensionen, die zwischen 1951 und 1959 in renommierten Zeitschriften wie The Journal of Religion oder The Review of Metaphysics erschienen sind.
Ausgehend von den Grundlinien der Moderne untersucht Susan Taubes in ihren philosophischen Schriften Gnosis und Tragödie als kulturgeschichtliche Konstellationen und spürt verschwiegene Verbindungen zwischen jüdischer Erfahrung und deutscher Philosophie auf. Sie entwirft eine Theorie der Tragödie (Das Wesen der Tragödie, 1953), erschließt Die gnostischen Grundlagen von Heideggers Nihilismus (1954) und kommentiert Das Rätsel Simone Weil (1956). Methodisch zwischen Religionsphilosophie und Kulturwissenschaft angesiedelt, wird in Susan Taubes’ theoretischen Arbeiten aus der kritischen Auseinandersetzung mit Themen wie Entfremdung und Revolte, Nihilismus und Theologie einer Kulturtheorie der Moderne skizziert.