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In: Poetica
In: Poetica
In: Abenteuer
Author: Susanne Gödde

Abstract

This paper analyses the human sacrifice of Menoeceus in Euripides’ Phoenissae. In the third epeisodion, Teiresias draws on the history of Thebes and its royal family to justify the sacrifice and the choice of Menoeceus as its victim. But what are the ritual or cultural models outside the dramatic fiction that inform this sacrifice and made it under­standable for the contemporary ancient Athenian audience? To answer this question, I discuss possible similarities to pre-battle sacrifice, the pharmakos-ritual, and the mythical pattern of a hero who sacrifices himself for the community. The relation of this sacrifice to the foundation of Thebes, which itself plays a prominent role in the play’s choral odes, is then examined in a concluding section. Here, the crucial question is whether the sacrifice restates the act of foundation and its violence or instead negates and invalidates it.

In: Poetica
Author: Susanne Gödde

Abstract

After briefly outlining the vocabulary of closure and endings in Greek tragedy, this article analyses three possible features of closure: (1) lament (kommos), (2) deus ex machina combined with an aetiological myth (almost exclusively in Euripides), and (3) a gnomic coda spoken by the chorus. All three types of ending remain external to the plot and do not resolve the dramatic conflict. The paper then looks at two case studies from dramas centered on the same myth, i.e. the campaign of the Seven against Thebes in Aeschylus’ play of the same name and in Euripides’ Phoenissae. The endings of these tragedies have provoked much discussion regarding their textual transmission and reconstruction. I discuss how and when the action seems to be ‘fulfilled’, and contrast the strong closure of Aeschylus’ play with the “hypertextual mythical continuity” (Lamari) of Euripides’ drama.

In: Poetica
Wie stehen der Wunsch nach Abenteuern und die Lust des Lesens in Beziehung? Wer aufbricht, um Abenteuer zu suchen, wird von – teils unbewussten – Wunschenergien geleitet.
In ähnlicher Weise folgt der/die Leser:in den arrangierten Wechselfällen des Zufalls gespannt, selbst dann wenn ein gutes Ende bereits absehbar ist. Werden Abenteuerheld:innen auf die Probe gestellt und von ihnen ersehnte Erfahrungen aufgeschoben, erweisen sich psychologische Konzepte wie Angstlust und Vorlust als aufschlussreich. Antriebsmomente der Erzählung und begehrliche Lektüre sind dabei eng verknüpft. Der Sammelband widmet sich dieser Konstellation von Erleben, Erzählen und Lesen in historischer Perspektive: Vom Zusammenspiel von Reise und Eros im antiken Roman über das phantasmatische Begehren Don Quijotes bis zu innovativen Spannungsmodellen der Moderne.
Abenteuer sind Bahnungen im Gestrüpp der Kontingenz. Sie verlangen nach einer Reflexion über Zufall und Schicksal, über Wagnis, Risiko und Ereignishorizonte des Erzählens, über Sinnansprüche und Techniken der Sinnbildung. „Wir wünschen wahrlich eine philosophische Geschichte des Abentheuers!“ schrieb Herder im Jahr 1774. Die Schriftenreihe der Münchner Forschungsgruppe Philologie des Abenteuers will dem Herderschen Arbeitsauftrag entsprechen, indem sie diesen unterschätzten Grundbegriff des Erzählens in seiner narratologischen, psychologischen und kulturgeschichtlichen Dimension entfaltet. Das Erzähl-, Wahrnehmungs- und Erfahrungsschema namens Abenteuer hat sich, allen kritischen Einsprüchen zum Trotz, als extrem anpassungsfähig erwiesen, immer neue Renaissancen erlebt und immer weitere Bereiche der Kultur durchdrungen. In solchen Übertragungen wird der ursprünglich narrative Charakter des Abenteuers häufig nicht mehr mitgedacht. Eben diesen Charakter stellt die Reihe Philologie des Abenteuers in den Mittelpunkt. Ihr historischer Radius reicht von antiken Grundlagentexten über mittelalterliche und frühneuzeitliche Erzählformen bis in die Moderne, in der das Abenteuer scheinbar aus der seriösen Literatur verdrängt wird, sich in Wirklichkeit aber zäh im literarischen Feld behauptet – und zwar keineswegs nur an dessen Rändern. In dieser historischen Tiefenperspektive erweist sich der Begriff Abenteuer als ein wandlungsfähiger, gleichwohl aber elementarer Nukleus des Erzählens – elementar sowohl im narrativen als auch im psychologischen Sinn.
Erzählmuster, Formprinzip, Genre
Nicht alle textuellen Formen eignen sich gleichermaßen, um Abenteuer zu erzählen. Das Abenteuer weist Affinitäten zu einer Reihe literarischer Gattungen auf, es lässt sich jedoch mit keiner identifizieren. Sein Verhältnis zu formalen Prinzipien ist komplex und historisch variabel.
Der von Martin von Koppenfels und Manuel Mühlbacher herausgegebene Band untersucht die bisher kaum beachteten Wechselwirkungen zwischen Abenteuer und narrativer Form aus einer dezidiert literaturwissenschaftlichen Perspektive. Berücksichtigt werden dabei sowohl das literarische Erzählen selbst als auch die theoretische Reflexion darüber: vom antiken Epos bis zum zeitgenössischen Roman und von der italienischen Renaissancepoetik bis zum russischen Formalismus.