In: Transaktualität
In: Von Lettern und Lücken
Im Zuge großer Editionsprojekte (Keller, Nietzsche, Wittgenstein und andere) ist in letzter Zeit ein neues Interesse für den Schreibprozess entstanden. Dabei geht es heute nicht mehr nur um Probleme der Editionskritik, sondern auch um Fragen der Textgenese und der Texttheorie. Notizen, Vorstufen, verschiedene Druckversionen etc. können Aufschluss über Arbeitsweisen und Denkwege geben, so dass Philologie und Interpretation miteinander verbunden werden. Der Band versammelt Beiträge zu Dichtern und Philosophen von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert.
Zur Ordnung der Schrift im Bleisatz
Die ästhetische Präsenz von Schrift ist nie rein dekorativ. Sie bietet einen Zugang zu ihrer inneren Organisation. Unser Blick wird früh darin geschult, die Spatien beim Lesen auszublenden und als neutralen Hintergrund ohne Bedeutung für den Sinn des Textes zu sehen. Zwischenräume beim Druck sind aber keineswegs leer. Letter und Lücke sind keine Gegensätze, sondern ineinander verzahnte, sich komplementär ergänzende Körper, die den Text als ein geometrisches Raster präsentieren. Von Lettern und Lücken betrachtet die Ordnung der Schrift im Bleisatz aus literaturwissenschaftlicher Sicht. Dabei werden literarische Drucktexte mit auffälligen typographischen und semantischen Lücken vorgestellt und von der anderen Seite des Schwarz-Weiß-Kippbildes her neu gelesen und neu gesehen.
Ästhetische Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit
Der Wunsch, Kunst möge die Zeit ihrer Herstellung überdauern, ist so alt wie die Kunst selbst. Doch was kann Dauerhaftigkeit bedeuten? In welchem Verhältnis steht sie zu den prinzipiell vergänglichen Momenten der Produktion und Rezeption? Wo stößt Dauerhaftigkeit an ihre Grenzen? Und wo und wie entfaltet Flüchtigkeit ihren Sinn?
Worin unterscheiden sich die unterschiedlichen Künste – die bildende Kunst, die Literatur, die Musik, das Theater und die Performancekunst – im Blick auf ihre Arbeit in und mit der Zeit? Im Zentrum des Buchs steht das prinzipiell spannungsvolle Verhältnis von Dauerhaftigkeit und Flüchtigkeit in den Künsten. Transaktualität fragt danach, wie Kunst in jeweils unterschiedlicher Weise über die aktuellen Momente ihrer Konkretion hinauszuweisen in der Lage ist – ohne dass man sie deswegen als zeitlos begreifen müsste.