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In: Goethe und die Arbeit
In: Krisen erzählen
Die Beiträge des Bandes verstehen „Krise“ als einen zentralen Bestandteil kultureller und gesellschaftlicher Institutionen – und gleichermaßen als Ursprung und Effekt von Erzählungen: Einerseits müssen Krisenphänomene narrativ hergestellt, medien-, gattungs- und disziplinspezifisch in Szene gesetzt werden, andererseits dient die Kulturtechnik des Erzählens – nicht nur im engeren Sinne einer talking cure – der Überwindung von und dem Lernen aus Krisen. Dabei stellen Krisen in Erzählprozessen als Ereignis meist den Zeitpunkt unmittelbar vor einem Wendepunkt dar: Krisen erfordern Entscheidungen.
Die Beiträge in diesem Band befassen sich mit verschiedenen Ausprägungen von Arbeit bei Goethe und nehmen dabei sowohl Werk und Biographie als auch die Rezeption in den Blick.
Zu Lebzeiten Goethes erfährt die Arbeit eine essenzielle mentalitätsgeschichtliche Veränderung, die eng an das Zusammendenken von Arbeit und Technik geknüpft ist. Diesen Wandel dokumentieren Goethes Werke in mehrfacher Hinsicht. So greifen sie etwa die Vielfalt der Vorstellungen über Arbeit auf, die von einer mühevollen, nützlichen Tätigkeit bis hin zu einem hervorbringenden, sinnhaften Tun reichen, und reflektieren somit die Ausweitung des Arbeitsverständnisses von einer ökonomischen zu einer anthropologischen Konstante. Darüber hinaus spiegeln sie das Alltagswissen im proto-industriellen Zeitalter über die Bipolarität der Arbeit als produktives und gleichzeitig destruktives Phänomen.