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In: Sol et homo
Zur Genese einer antitraditionellen Auffassung politischer Gewalt, politischer Ordnung und Herrschaftsmoral
Es ist ein Gemeinplatz der Rezeptionsgeschichte, Machiavelli als Berater tyrannischer Herrscher oder gar als Begründer einer tyrannischen Herrschaftslehre aufzufassen.
Die Besonderheit von Stefano Saracinos Ansatz besteht darin, dass er den semantischen Wandel des Begriffs ›Tyrannis‹ aus dem Zusammenhang der bisher vernachlässigten Okkurrenzen des Begriffs der Tyrannis und seiner Korrelate im Oeuvre Machiavellis erschließt und diskursgeschichtlich verortet. Das Buch analysiert die intertextuelle Beziehung zwischen dem Principe und antiken Tyrannis-Traktaten sowie Machiavellis Republikanismus und die Rolle von Gründern neuer politischer Ordnungen.
Mensch und Natur in der Renaissance. Festschrift zum 70. Geburtstag für Eckhard Keßler
Sonne und Mensch, die laut Aristoteles den Menschen zeugen (Physica, II, 2, 194b), stehen stellvertretend für das weite Interessenspektrum, das Eckhardt Keßler als Forscher und akademischer Lehrer der Philosophie der Renaissance ebenso kompetent wie umsichtig erforscht und vermittelt. Mit den in diesem Band versammelten Beiträgen versuchen Freunde, Kollegen und Schüler Eckhardt Keßlers, seine wegweisenden Forschungen zu Humanismus, universitärer und außeruniversitärer Philosophie der Renaissance und der Frühen Neuzeit aufzugreifen und die Kenntnis der Geistesgeschichte der Epoche mit der dem Jubilar eigenen Akribie voranzutreiben.
Zur Archäologie vormoderner Phantastik-Konzeptionen bei Ariost und Tasso
Irmgard Scharold untersucht den Umbau des Renaissance-Wunderbaren zu einer Phantastik avant la lettre in Ariosts ORLANDO FURIOSO, den CINQUE CANTI und Tassos GERUSALEMME LIBERATA unter Einbeziehung der philosophischen sowie der literatur- und kunsttheoretischen Debatten um die phantasia.
Im Unterschied zur etablierten Phantastik-Forschung wird die Entstehung des Phantastischen als Folge des Kulturwandels der Renaissance gedeutet, der zwei menschheitsgeschichtlich bedeutsame Paradigmen – das Wunderbare und das Monströse – in eine Legitimationskrise bringt. Die Visions- und Traumbilder seiner Gerusalemme liberata entwickeln eine am Phantasma orientierte ›Bilderdidaxe‹, deren negative Formen Merkmale des Unheimlichen vorwegnehmen.
In: Sol et homo
In: Sol et homo
Beispiele für die Rezeption neusprachlicher Literatur durch die lateinische Dichtung Europas im 15. - 16. Jahrhundert
Thurn liefert eine Studie über die Rezeption volkssprachlicher Dichtung durch die neulateinische Dichtung des späten 15. und 16. Jh.s unter Einbeziehung volkssprachlicher Texte des: Deutschen, Italienischen, Spanischen, Katalanischen, Französischen, Ungarischen und Englischen.
Die Studie weist auf das Desiderat hin, volkssprachliche Literatur zur Beschreibung der humanistischen Dichtung einzubeziehen. Allerdings war die Bedeutung volkssprachlicher Dichtung für die regionale Entstehung lateinischer Poesie hoch und prägte diese regional unterschiedlich. Es stand der jeweilige lateinische Text in engem Zusammenhang mit dem volkssprachlichen Texten, die zur Entstehungszeit intensiv rezipiert wurden oder erst entstanden waren.
»De vita libri tres« ging aus drei ursprünglich eigenständigen Abhandlungen hervor und ist ein medizintheoretisches Werk mit praktischen Anleitungen zum Erhalt und zur Wiederherstellung der Gesundheit, zum Gewinn eines langen Lebens und zum Einfluss astrologischer Konstellationen auf die physische, psychische und geistige Verfassung insbesondere geistig tätiger Menschen.
Marsilio Ficino (1433–1499) gilt als Begründer des Renaissance-Platonismus. Er übersetzte im Auftrag Cosimo de Medicis die Hermes Trismegistos zugeschriebenen Schriften, die Werke Platons und Plotins sowie weitere spät-
antike und hermetische Schriften und ist Autor eines umfangreichen philosophischen und theologischen Werks.
Angeregt durch die Lektüre von Descartes’ Meditationen suchte Elisabeth von der Pfalz (1618-1680) 1643 den brieflichen Kontakt zu dem berühmten Philosophen. Der sich über sechs Jahre, bis zum Tod Descartes’ im Februar 1650 erstreckende Briefwechsel fesselt durch philosophische Reflexionen wie durch persönliche Betrachtungen. Unter den 59 Briefen der Korrespondenz stammen 26 aus Elisabeths und 33 aus Descartes’ Feder. Der Briefwechsel ist zum einen bedeutsam für all jene, die sich für die Philosophie Descartes’ interessieren, insbesondere für das Verständnis vom Menschen als Körper-Geist-Einheit. Zum anderen dokumentiert er die philosophischen Überlegungen einer der gelehrtesten Frauen des 17. Jahrhunderts und belegt eindrucksvoll, auf welche Weise sich gebildete Frauen der Frühen Neuzeit in den philosophischen Diskurs einbringen konnten.
Das italienische Theater der Neuzeit entstand vor fünfhundert Jahren. Hunderte von Autoren schufen im 16. Jahrhundert ca. 1000 Tragödien, Komödien, pastorale Dramen und geistige Spiele für das neu entdeckte Theater.

Die Studie rückt die falsch gedeutete dichtungstheoretische Basis dieser bemerkenswerten Entwicklung zurecht. Das italienische Renaissancetheater entsteht auf der Basis spätantiker dichtungstheoretischer Vorstellungen. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wird es mit aristotelischen Materialien angereichert. Eine Auswahl von 100 Stücken wird erstmals vor dem Hintergrund dieser verlässlich rekonstruierten Theoriekonfiguration lesbar gemacht. Diese Stücke erweisen sich als kreative und auf hohe Bühnenwirksamkeit zielende Neuerfindungen antiker Gattungen, die der Theatergeschichte Europas eine prägende Richtung geben.