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Authors: Falk Quenstedt and Tilo Renz

Gervasius von Tilbury (ca. 1150–1220) macht im dritten Buch seiner Otia imperialia (1214) das Wunderbare zum Gegenstand einer höfischen Gesprächspraxis der Muße (›otium‹). Er formuliert Bedingungen, unter denen ›mirabilia‹ Verwunderung hervorrufen: Voraussetzung sei, dass ihre Faktizität kritisch geprüft werde; zugleich provoziere nur Ungewöhnliches Staunen, und so müsse Bekanntes in Neues verwandelt werden (›commutari‹). Der Beitrag fragt nach dem Verhältnis von Faktizitätsprüfung und sprachlicher Veränderung. Kritik und Konstruktion des Wunderbaren scheinen bei Gervasius keine Gegensätze zu sein, sondern einander wechselseitig bedingende Vorgehensweisen. Diese rhetorisch-poetische Praxis weist voraus auf die Herausbildung des poetologischen Begriffs des Wunderbaren im späten 16. Jahrhundert.

In: Das Wunderbare
Dimensionen eines Phänomens in Kunst und Kultur
Das „Wunderbare“ in seiner Komplexität und Vielfältigkeit sowie seinen fachwissenschaftlich kontrovers diskutierten Varianten ist der zentrale Untersuchungsgegenstand dieses ersten interdisziplinär angelegten Sammelbandes zu Dimensionen des Wunderbaren in Kunst und Kultur.
Vom biblischen Wunderglauben über bizarre Bildwelten Hieronymus Boschs bis hin zu fiktional imaginierten Science-Fiction-Szenarios: Das „Wunderbare“ wird in diesem Band als ästhetisch-künstlerisches Phänomen in Literatur, Theater, Film und bildender Kunst untersucht und als „gesamtkulturelles“ Phänomen unter religions-, sprach- und geschichtswissenschaftlichen sowie soziologischen und (para-)psychologischen Perspektiven betrachtet.