In: Formen der Kulturkritik
Interviews in Literatur und Literaturbetrieb
Die Literaturgeschichte des Interviews wird hier erstmals von ihren Vorläufern im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart verfolgt. Im Blick darauf, wie Interviews von Schriftstellern zur Selbstdarstellung und als Spielform des Erzählens genutzt werden, entsteht das Porträt einer relativ jungen, so erfolg- wie facettenreichen Textsorte.
Wir leben in einer Interviewkultur. Das gilt auch für den Literaturbetrieb: Interviews gehören seit Anfang des 20. Jahrhunderts zum Alltag von Schriftstellern, Literaturkritikern und Lesern; sie beeinflussen das Leseverhalten und prägen das Bild, das man sich von Autoren und Büchern macht. Der Band gliedert sich in drei Teile: in eine Theorie und Kulturgeschichte des Interviews; eine Geschichte des Schriftstellerinterviews; drittens geht es um Interviews als literarische Form. Der Band endet mit einer Diskussion über die Praxis des Interviews.
Klagen über den Verfall der Kultur gehören zu den beliebtesten Übungen von Intellektuellen. In welchen Formen sich diese Klagen äußern, untersuchen Beiträge namhafter Wissenschaftler.
Viele empfinden die Gegenwart als zu hektisch, zu laut, zu oberflächlich, zu chaotisch. Doch diese Diagnosen unter dem Vorzeichen von Kulturkritik sind so alt wie die Moderne selbst. Was sich allerdings wandelt, sind die Medien von Klagen über Entfremdung und die Inszenierungen des Niedergangs. Der Band nimmt diese Klagetradition zum Anlass, um die Modalitäten von Kulturkritik näher zu beleuchten: In welchen Rede- und Schreibweisen, Erscheinungsbildern, Zeichen- und Ausdruckswelten nehmen kulturkritische Leidensemphasen Gestalt an? Und wie konsumieren zeitgenössische Rezipienten die alltäglichen Angebote der Kulturkritik?