In: rhythmos
In: Barocktheater als Spektakel
Auge, Blick und Bühnenform
Author: Ulrike Haß
In der Auseinandersetzung mit Hubert Damisch, Svetlana Alpers, Gérard Simon, Rosalind Krauss, Leonhard Schmeiser und immer wieder auch Foucault und Lacan wird das historische Verhältnis zwischen Auge und Blick aufgewiesen, wie es sich im ersten Experiment Brunelleschis als Paradigma der Perspektive in die Welt setzt. Unter dem Titel von Auge und Blick werden unterschiedliche Modi von Darstellen und Wahrnehmen begriffen, die im historischen Verlauf ihre Funktion, ihre Form und ihren Stellenwert ändern, ohne jedoch ihren wechselseitig geregelten und systematischen Bezug zueinander aufzugeben – solange das Paradigma der Perspektive für die Welt unserer visuellen Erscheinungen verantwortlich zeichnet. Eine neue Lektüre Lacans unterstützt diesen Befund, der zunächst theoretisch vorgestellt und diskutiert wird, um dann für die Darstellungen des historisch jeweils konkreten Zusammenhangs von Bühnenform und Wahrnehmung eine Rolle zu spielen. Von Vitruv über das Ähnlichkeitsdenken und das Harlekin-Prinzip bis hin zur detaillierten Beschreibung der barocken Bühnenarchitektur und -technik wird Theatergeschichte als Mediengeschichte geschrieben und eine Mediengeschichte vorgeführt, deren jüngstes Produkt vielleicht 'Matrix reloaded' heissen könnte.
Zur Literatur der antimodernen Bewegungen im frühen 20. Jahrhundert
Author: Ulrike Haß
In: Bühne: Raumbildende Prozesse im Theater
In: Bühne: Raumbildende Prozesse im Theater
In: Bühne: Raumbildende Prozesse im Theater
In: Bühne: Raumbildende Prozesse im Theater
Der vorliegende Band fragt nach dem Begriff der »Bühne« als Übergangszone par excellence, ihrer experimentellen Entgrenzung, Umformulierung bzw. ihres möglichen Verschwindens in der Gegenwart medialer Figurationen.
Historisch betrachtet wird die Bühne des Theaters im 18. Jahrhundert zunächst als Bild/Tableau definiert und erst in den Avantgardebewegungen des frühen 20. Jahrhunderts als Raum entdeckt und begriffen. Zwar bilden Bild und Raum dabei ein Gegensatzpaar, die Vorstellung des Raums als Container allerdings bleibt davon unberührt. Die Bühne bleibt der Alternative von Nacheinander und Nebeneinander unterstellt und wird bis heute fast ausschließlich unter dem Aspekt der Zwei- oder Dreidimensionalität diskutiert. Demgegenüber beleuchtet der Band, welche Kategorien von Bühne zeitgenössische Theater- und Tanzperformances nahe legen.
Maschine, Blick und Bewegung auf der Opernbühne des Ancien Régime
Series:  Eikones
Die Opernbühne des Ancien Régime gehorcht dem Paradigma des Spektakels. Sie will Schaulust und Staunen hervorrufen und zielt auf die Konstitution und Repräsentation von Herrschaft. Der visuellen Überwältigungsrhetorik der Gegenreformation und des absolutistischen Hofes steht sie in nichts nach; sie ist Bestandteil von deren machtpolitischen Strategien. Zugleich bewirkt die spektakuläre Visualität eine Destabilisierung des dem Barock zugeschriebenen »Imperialismus des Bildes« und seiner visuellen Ordnungen.
Die französische Barockoper hat in Bezug auf diese Ordnungen stark desorientierende und verwirrende Implikationen. Aus interdisziplinären Blickwinkeln werden die historische Dimension der Praktiken des Spektakulären sowie Fragen der gegenwärtigen Aufführungspraxis erörtert.