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Author: Matthias Thiele

Abstract

Der Beitrag bezieht in seine Analyse von Ein Wildermuth mehrfach den Erzählband als Kontext der Erzählung mit ein. Aufgrund seiner Komposition und Vernetzung der Erzählungen auf mehreren Ebenen wird in einem ersten Schritt die Parallelität von Ein Wildermuth und Das dreißigste Jahr untersucht, wobei sich Themen und Motive in der Gemeinsamkeit bündeln, dass es sich in beiden Fällen um facettenreiche (De-)Normalisierungsnarrationen handelt. Ein Wildermuth hebt sich von Das dreißigste Jahr und allen weiteren Erzählungen des Erzählbandes vor allem durch Komik ab. Entsprechend werden in einem zweiten Schritt die komischen Formen, Verfahren, Elemente und Segmente analysiert, wobei die Gerichtszene mit dem Auftritt des Knopfspezialisten und dem Knopf als sperrigem, uneinhegbarem Ding nicht nur den narrativen Umschlags-, sondern auch den komödiantischen Höhepunkt der Erzählung darstellt. Die durch Kontrast und Inkongruenz erzeugte Komik und komischen Effekte, dienen vor allem zur Distanzerzeugung gegenüber Figur und Erzähler Anton Wildermuth und zur Vermeidung einer identifikatorischen Lektüre insbesondere bezüglich des zweiten Kapitels mit seiner geständnisartigen Narration. Die Distanz und die Komik ermöglichen sowohl die gewitzte Einsicht, dass die weiblichen Figuren narrative Konstrukte Wildermuths sind, als auch die Pointe, dass sein reduktionistisches, Literatur ausschließendes Wahrheitskonzept hochgradig mit Literatur – Märchen und literarisch-kulturellen Weiblichkeitsvorstellungen – verkoppelt ist.

In: Sprache und Literatur
Author: Rupert Gaderer

Abstract

Der Beitrag untersucht das Verhältnis zwischen Kulturtechniken, Dingen und Medien des Rechts in Ingeborg Bachmanns Erzählung Ein Wildermuth (1961). Dabei stellt sich die Frage, inwiefern dem Streit-Ding in der Erzählung eine Akteursbeschaffenheit und dem Recht eine Vernetzungsleistung von Menschen, Akten und Texten zugeschrieben wird. Die Erzählung thematisiert ein epistemologisches Problem, das von einem Streit-Ding ausgehend in unterschiedlichen Varianten durchgespielt wird: Wie ist es möglich, einen Zugang zur (juristischen) Wahrheit zu erlangen, wenn es bereits außerordentlich schwierig ist, etwas über die Identität eines Knopfes auszusagen? Bachmann bezieht sich auf literarische Diskurse der sprachlichen Urteilskraft über Dinge (H. v. Hofmannsthal) und verbindet diese mit der Frage nach juristischen Wahrheitsformen. Dabei zeigt sich die Wahrheitssuche als eine Recherche in den Abgrenzungen eines pädagogischen, juristisch-bürokratischen und sexuellen Dispositivs.

In: Sprache und Literatur
Author: Till Breyer

Abstract

Bachmanns Erzählung Ein Wildermuth unterzieht die historische Situation der Rechtsprechung in der Nachkriegszeit einer kritischen Reflexion. Der Gerichtsprozess um den Mordfall Wildermuth wird als prekäres und instabiles Gefüge erzählt, und zugleich verweisen die Reflexionen des Richters auf die Probleme der Aufarbeitung von NS-Verbrechen. Der Aufsatz geht diesen rechtsgeschichtlichen Bezügen anhand der österreichischen Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen bis 1961 nach und rückt das Motiv der Erschöpfung als zentrale zeitdiagnostische Bewegung der Erzählung in den Mittelpunkt: Der Zusammenbruch des Richters und die Unterbrechung des Prozesses reflektieren indirekt die monströse Qualität des NS und seine ideologische Persistenz in der Nachkriegsgesellschaft. Das Motiv der Erschöpfung zeigt sich so als literarisches Symptom einer allgemeineren Krise von Rechts- und Urteilspraktiken.

In: Sprache und Literatur
Author: Armin Schäfer

Abstract

Der Beitrag nimmt seinen Ausgang von Ingeborg Bachmanns Frankfurter Poetik- Vorlesungen (1959/60), in denen die Autorin unter anderem das Verhältnis von Geschichtlichkeit und Subjektivität diskutiert und nach Rollen und Funktionen der Namen literarischer Figuren in der Moderne fragt. Die nachfolgende Lektüre stellt in einem ersten Schritt die Bedeutungsabsicht, die mit Verleihung eines Namens bzw. Vornamens verknüpft ist, heraus und fragt nach möglichen Bedeutungen, die mit den Namen in der Erzählung Ein Wildermuth (1961) evoziert werden. In einem zweiten Schritt wird die Wahl des Namens mit der Logik einer existentiellen Wahl verglichen. In einem dritten Schritt wird die poetische Sprachfunktion, die laut Roman Jakobson eine Auswahl aus einem sprachlichen Paradigma erfordert, mit einer Dialektik von Zufälligkeit und Bedeutsamkeit konfrontiert, die sowohl die Namen in Bachmanns Erzählung als auch die Konstruktion ihrer Handlung charakterisieren.

In: Sprache und Literatur
In: Sprache und Literatur

Abstract

Literarische Übersetzung ist Interpretation im umfassendsten und radikalsten Sinne. Basierend auf einem Modell, das für die Übersetzung der Lyrik Walt Whitmans entwickelt wurde, analysiert der Beitrag die Übersetzung Michael Bullocks von Bachmanns Ein Wildermuth. Dabei werden einige semantische ‚Knoten‘ untersucht, an denen sich Original und Übersetzung auffällig unterscheiden. Das Ergebnis dieser Analyse ergibt eine deutliche Hervorhebung des politischen Potenzials der Erzählung. Der Lektürevorschlag des Übersetzers, der bei der Neulektüre der Erzählung berücksichtigt werden könnte, lässt den Richter nicht allgemein (im postmodernen Sinn) an der nicht mehr zu findenden Wahrheit verzweifeln. Er ist vielmehr ein Aktivist in der erstickenden Periode im Österreich (und insbesondere Kärntens) der Nachkriegszeit. Sein Schrei ist Protest, seine Krankheit Strategie. Der Übersetzer ist nicht ‚klüger‘ als der Interpret, aber der übersetzerische Diskurs ‚weiß‘ vielleicht hin und wieder mehr als die Lektüre des Originals. Der Dialog zwischen Ausgangstext und interpretierender Übersetzung führt zu einer informierteren Lektüre von beiden.

In: Sprache und Literatur

Abstract

Schreien passt nicht ins Gericht und eignet sich offenbar insgesamt nicht für eine Kommunikation. Wann und warum also schreit jemand trotzdem? Die Frage hat sich vor Ingeborg Bachmann für den psychiatrisch behandelten Senatspräsidenten Daniel Paul Schreber gestellt, und der Semiotiker Charles Sanders Peirce hat den Index des Rufs vom Ikon des Schreiens unterschieden. Schreien bleibt kommunikativer Erstheit (Firstness) verhaftet, während das Gericht auf Entscheidungen verpflichtet bleibt. Bachmann betont für die Wahrheit beides: das bloße Innewerden der Welt wie daneben die historisch zumutbare Wahrheit.

In: Sprache und Literatur
Author: Annika Frank

Abstract

Der Beitrag verknüpft linguistisch-pragmatische und literaturwissenschaftliche Betrachtungen von Bachmanns Ein Wildermuth. Im ersten Teil der Erzählung können institutionelle Prozesse bei Gericht, insbesondere Zeugenvernehmung und Wahrheitsfindung, aus handlungstheoretischer Perspektive beschrieben und das Scheitern beider im Fall Wildermuth funktional begründet werden. Die Dysfunktionalität basiert auf dem an autobiografische Alltagserzählungen erinnernden zweiten Teil der Erzählung: Auf der Suche nach Wahrheit im Sinne der Korrespondenztheorie konstituiert sich das Selbstbild des Richters Anton Wildermuth in einer Diskussion sprachphilosophischer Wahrheitstheorien (Korrespondenz-, Kohärenz- und Konsenstheorie). Bachmanns Ein Wildermuth ist sowohl in Bezug auf das Diskursmuster Erzählen, als auch die gerichtliche Kommunikation für pragmatische Betrachtungen gewinnbringend, gleichermaßen steht die Erzählung – im Sinne Jakobsons poetischer Sprachfunktion – exemplarisch für die Untrennbarkeit von Linguistik und Literatur.

In: Sprache und Literatur
Eichendorffs Texte und ihre Poetologien
Zu behaupten, dass die Eichendorff-Forschung boomt, wäre gewagt. Das hat viele Gründe. Manche Texte Eichendorffs gelten gemeinhin als ›ausinterpretiert‹, andere Texte stoßen bei germanistischen Rezipientinnen und Rezipienten auf Zurückhaltung – auch derjenigen, die Eichendorff nicht für einen randständigen Romantiker, sondern für ein Schwergewicht der deutschen Literatur halten. Der Band plädiert mit Nachdruck für eine erneute Auseinandersetzung mit Eichendorffs Œuvre. Dazu richtet er einerseits den Blick auf Texte, für die sich die Forschung bisher nur selten interessiert hat, andererseits unternimmt er den Versuch, auch häufig interpretierte Texte und Topoi einer Revision zu unterziehen.
In: Sprache und Literatur