Wahrnehmungszäsur ohne Deutungszäsur

Das Jahr 1917 in Großbritannien

In: Russische Revolutionen 1917

Das Jahr 1917 ist in der britischen Geschichtsschreibung im Allgemeinen nicht als Einschnitt gedeutet worden, obgleich der Übergang zum Abnutzungskrieg nach dem Patt zwischen den „Mittelmächten“ und der Entente ebenso Aufmerksamkeit gefunden hat wie die neue Politik der seit Ende 1916 amtierenden Regierung unter Premierminister Lloyd George.1 Jedoch sind vor allem die Auswirkungen der russischen Doppelrevolution vom Februar und Oktober 1917 auf das Vereinigte Königreich in der Historiographie im Allgemeinen als gering veranschlagt worden. Die britische Arbeiterschaft sei – so die vorherrschende Deutung – vor allem an den „Brot-und-Butter-Fragen“ wie Löhnen und dem Zugang zu Nahrungsmitteln, nicht aber an einer revolutionären Überwindung der bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung interessiert gewesen. Gerade indem die Labour Party auch Formen direkter Mobilisierung (direct action) aufgriff, habe sie den Aktionismus der Independent Labour Party, der Independent Social Democratic Party und der British Socialist Party (aus der 1921 die Communist Party of Great Britain hervorgehen sollte) einbinden können. Ebenso wenig sei es der Socialist Labour Party, die sich 1903 von der Social Democratic Federation (SDF) abgespalten und auch Vorkämpfer der Unabhängigkeit Irlands wie James Connolly aufgenommen hatte, gelungen, die Bindung der Arbeiterschaft an die Labour Party zu erschüttern.2

Allerdings vernachlässigt diese Interpretation, dass die Behörden über die deutliche Zunahme der Militanz unter Nationalisten, aber vor allem in der Arbeiterschaft 1917/18 durchaus besorgt waren. Alarmiert registrierte die britische Regierung besonders die wachsende Friedenspropaganda und Streikbereitschaft in industriellen Zentren wie der Stahlindustrie in der Clydeside (im Raum Glasgow) und im Bergbaurevier von Wales. Damit schien die Kriegsproduktion unmittelbar bedroht, so dass der expandierende Sicherheitsapparat, der sich in den ersten beiden Kriegsjahren vorrangig gegen (tatsächliche und vermeintliche) deutsche Spione und Saboteure von Deutschen gerichtet hatte, nun unter Arbeitern potentielle „Verräter“ ermittelte, die angeblich im Dienst der „Mittelmächte“ standen. Offenbar schätzten die Regierung und die Sicherheitsbehörden die revolutionäre Gefahr deutlich höher ein als die meisten rückblickenden Historikerinnen und Historiker. Zwischen der vorherrschenden Perzeption der zeitgenössischen Eliten und der dominanten Interpretation der Historikerinnen und Historikern besteht eine Kluft. Damit ist das Jahr 1917 für Großbritannien zwar keine Deutungszäsur, aber durchaus eine Wahrnehmungszäsur.3

Im Anschluss an eine Skizze der Ausgangslage werden in diesem Beitrag Reaktionen britischer Akteurinnen und Akteure – vor allem der Arbeiterinnen und Arbeiter – auf das Ende der Zarenherrschaft im Februar 1917 und die revolutionäre Mobilisierung der Bolschewiki in Russland nachgezeichnet. Der darauffolgende Abschnitt ist einer Darstellung der einschneidenden Neuorientierung der Regierungspolitik gewidmet. Dabei soll im Besonderen gezeigt werden, dass die staatlichen Eingriffe in Wirtschaft und Gesellschaft zwar schon 1915/16 eingesetzt hatten, 1917 aber erheblich verstärkt wurden. Dieser Umbau wurde durchaus als Zäsur wahrgenommen; jedoch hat diese Perzeption in Großbritannien weder die Geschichtsschreibung noch die Erinnerungskultur nachhaltig beeinflusst, wie anschließend gezeigt wird. Das kurze Fazit vermittelt eine Übersicht über die wichtigsten Befunde und Einsichten der Studie.

1 Voraussetzungen

Nach der Kriegserklärung Großbritanniens an das Deutsche Reich am 4. August 1914 stellte sich die regierende Liberale Partei trotz erheblicher Bedenken – nicht zuletzt gegen das Bündnis mit dem autokratisch beherrschten russischen Zarenreich – und des Rücktritts einzelner Minister (wie John Morley) hinter die Politik des seit 1908 amtierenden Premierministers Herbert Asquith. Das Ultimatum der deutschen Reichsleitung gegenüber Belgien am 2. August hatte die Position der Kriegsgegner in der öffentlichen Meinung Großbritanniens erheblich geschwächt. Der Angriff auf Belgien schien nicht nur die zunehmende Abgrenzung vom Deutschen Reich seit der Jahrhundertwende zu bestätigen, sondern berührte aus der Sicht der politischen Eliten vitale englische Sicherheitsinteressen. Die Entscheidung, fünf Divisionen als Expeditionsstreitkräfte nach Frankreich zu entsenden, war deshalb am 6. August im Kabinett unumstritten.4

Demgegenüber verfügten die politischen und gesellschaftlichen Gruppen, die sich einer Kooperation mit der Regierung verweigerten, über keine geschlossene Führung, da sie sich auf verschiedene Organisationen verteilten. So schlossen sich die politisch weitgehend isolierten Kriegsgegner in der Liberalen Partei, unter den Irischen Nationalisten und in der Labour Party – darunter auch der spätere Premierminister Ramsey MacDonald – am 5. August 1914 in der Union of Democratic Control (UDC) zusammen, die für einen Verhandlungsfrieden eintrat. Darüber hinaus mobilisierte die No-Conscription Fellowship, die im Dezember 1914 von dem Sozialisten und Pazifisten Clifford Allen konstituiert wurde, den Widerstand gegen die befürchtete Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.5

Der liberalen Regierung gelang es 1914/15 nicht, an der Front in Frankreich eine schnelle Kriegsentscheidung zugunsten der Entente herbeizuführen. Vielmehr war Großbritannien mit der Herausforderung konfrontiert, sich auf dem europäischen Kontinent längerfristig militärisch engagieren zu müssen. Damit drohte eine Überdehnung der begrenzten ökonomischen und finanziellen Ressourcen des Landes. Zugleich wuchsen in der Liberalen Partei Differenzen zwischen den Zustimmenden einer forcierten Organisation der Kriegführung und den Skeptikern, die eine umfassende Mobilisierung aller zur Verfügung stehenden Ressourcen in Wirtschaft und Gesellschaft ablehnten. Eine massive Ausweitung der staatlichen Interventionspolitik betrachteten die liberalen Vertretenden der traditionalen Laissez-faire-Doktrin als Bedrohung der Freiheit.6

Das sich bereits im Mai 1915 abzeichnende Scheitern der Landung der britischen Truppen auf den Dardanellen und der darauffolgende Rücktritt des Marineministers, Winston Churchill, und des Ersten Seelords, John Fisher, verstärkten ebenso wie vorangegangene Presseberichte über einen Munitionsmangel der in Belgien und Frankreich kämpfenden Truppen auch die Opposition der Konservativen Partei, die der liberalen Regierung Schwächen bei der Mobilisierung vorwarf. Damit drohte der Parteienkonflikt, der mit dem Kriegsbeginn eingestellt worden war, erneut aufzubrechen. Der Premierminister bemühte sich, dieser Gefahr zu begegnen, indem er im Mai 1915 führende Politiker der Konservativen Partei und der Labour Party in seine neugebildete Koalitionsregierung aufnahm. Dennoch drängten radikale Konservative um Alfred Milner weiterhin auf eine weitreichende Organisation der Wirtschaft und einen umfassenden gesellschaftlichen Zusammenschluss, um das Durchhaltevermögen Großbritanniens im Krieg zu sichern. Sie forderten deshalb besonders eine allgemeine Wehrpflicht. Dagegen bemühten sich sowohl Asquith als auch Kriegsminister Horatio Kitchener trotz der zunehmenden Engpässe bei der Ausrüstung der neuaufgestellten Truppenverbände (New Armies) tiefe Eingriffe in die ökonomischen und sozialen Strukturen zu vermeiden. Vielmehr zielten sie lediglich auf eine begrenzte Mobilisierung von Wirtschaft und Gesellschaft. Vor allem sollten staatliche Zwangsmaßnahmen vermieden werden, so eine allgemeine Wehrpflicht, bürokratische Eingriffe in den Arbeitsmarkt und eine zentrale Steuerung der Rüstungswirtschaft. Vielmehr setzte die Regierung auf die verstärkte Anwerbung von Soldaten und den Übergang zu einer militärischen Abnutzungsstrategie, die den französischen Armeen die Aufgabe zuwies, die Offensivkraft der deutschen Truppen zu brechen.7

Jedoch gewannen Forderungen nach staatlichen Eingriffen weiter an Einfluss, nachdem im Mai 1916 die Wehrpflicht eingeführt worden war, David Lloyd George eine weitgehende Kontrolle über die Produktion und Verteilung der Munition gewonnen hatte und der liberale Politiker im Juli 1916 zum Kriegsminister ernannt worden war. Da die großangelegte Offensive britischer Armeen an der Somme im Sommer 1916 unter hohen Verlusten scheiterte, verstärkte sich die Kritik an der Kriegführung der Regierung Asquiths. Dem Premierminister wurde ein schwacher Führungsstil vorgeworfen. So verlangte Lloyd George, die Kontrolle des Kabinetts über die Generalität durch die Erweiterung der Kompetenzen des Regierungskomitees für die Kriegführung zu verstärken. Der Kriegsminister, der seine Kontakte zum konservativen Parteiführer Andrew Bonar Law verstärkt hatte, legte Asquith am 1. Dezember 1916 einen Entwurf vor, nach dem ein straff geführtes, der Regierung nicht verantwortliches Komitee die Kriegsanstrengung leiten und koordinieren sollte. Der Premierminister widersetzte sich aber einer Einschränkung seiner Entscheidungsbefugnisse durch ein neues Verwaltungsgremium und lehnte auch einen von Lloyd George vorgelegten Kompromissvorschlag ab. Nach Rücktrittsdrohungen des Kriegsministers und konservativer Regierungspolitiker demissionierte Asquith daraufhin am 6. Dezember 1916. Er übernahm die Führung einer Gruppe liberaler Parlamentsabgeordneter, die eine forcierte staatliche Interventionspolitik zugunsten der Kriegsanstrengungen zurückwiesen, Lloyd Georges autoritären Regierungsstil ablehnten und für die Bewahrung individueller Freiheiten eintraten. Damit war die Spaltung der Liberalen Partei, die im Mai 1915 begonnen hatte, vollendet.8

Demgegenüber bildete der neue Premierminister Lloyd George ein Kriegskabinett, das neben ihm nur noch vier Minister umfasste. Außer den konservativen Politikern Bonar Law, Alfred Milner und Lord Curzon vertrat Arthur Henderson als Minister ohne Geschäftsbereich die Labour Party in der Regierung, die ihre Entschlossenheit bekräftigte, den Krieg trotz der Rückschläge bis zum Sieg weiterzuführen. Diesem Kabinett, das als Koordinationszentrale der Regierungspolitik über weitreichende Befugnisse verfügte, waren die verschiedenen Ministerien untergeordnet. In ihnen arbeiteten außer parteilosen Geschäftsleuten und Unternehmern zahlreiche Vertraute Milners, die anstrebten, den Parlamentarismus und die Auseinandersetzung zwischen Parteien zugunsten nationaler Einheit einzuschränken. Insgesamt wurden damit die exekutiven Kompetenzen der Regierung im Rahmen des Kriegskabinetts unter Lloyd George erweitert, denn für die Politik des Premierministers war das technokratische Ziel, die Effizienz der Kriegsanstrengungen zu stärken, geradezu konstitutiv. Damit waren der Parteienpluralismus und gesellschaftliche Konflikte vorerst stillgelegt. Die Politik nationaler Integration richtete sich besonders gegen Auseinandersetzungen zwischen Arbeiterinnen und Arbeitern und Unternehmern, die sich bereits vor 1914 mit Streiks beziehungsweise Aussperrungen gegenseitig bekämpft und damit 1911/12 eine gravierende politische Krise ausgelöst hatten. Darüber hinaus wurde das Parlament weiter geschwächt, nachdem es die Regierung bereits am 8. August 1914 mit dem Defence of the Realm Act (DORA) ermächtigt hatte, die öffentliche Sicherheit und die Verteidigung des Landes zu gewährleisten.9

2 Der Umbruch von 1917: Reaktionen auf die Februarrevolution in Russland

Anfang 1917 befand sich Großbritannien ebenso wie andere kriegführende Mächte in einer „Kriegsfalle“.10 Der erhoffte schnelle Sieg hatte sich als illusionärer Zweckoptimismus erwiesen, und die Staatsausgaben waren seit 1913 um mehr als das Zehnfache gewachsen.11 Die Kräfte des Landes waren weitgehend erschöpft. Im November 1916 hatte der amerikanische Federal Reserve Board vor weiteren Krediten an kriegführende Mächte gewarnt und damit Anleihen in Frage gestellt, von denen Großbritanniens Fähigkeit zur Weiterführung der Kämpfe zusehends abhing. Überdies drohte die Ankündigung der deutschen Reichsleitung, ab Februar 1917 erneut zu einem uneingeschränkten U-Boot-Krieg überzugehen, das Vereinigte Königreich von den unabdingbaren Lebensmittel- und Rohstoffimporten abzuschneiden.12

Die Kriegskoalition unter Lloyd George konnte zwar die Wirtschaft weitgehend auf die Erfordernisse der Kriegführung ausrichten und den politischen Einfluss der Parteien und des Parlamentes auf die Regierung einschränken. Jedoch vermochte sie nicht zu verhindern, dass nach dem Kriegsaufruf des Petrograder Sowjets vom März 1917 die Unterstützung für einen Kompromissfrieden wuchs, besonders in der Labour Party. Dazu sollte im Frühjahr 1917 eine internationale sozialistische Friedenskonferenz in Stockholm ausgerichtet werden. Die Mehrheit der Minister im Kriegskabinett weigerte sich jedoch, Vertreterinnen und Vertretern der britischen Arbeiterpartei Pässe auszustellen, die ihnen eine Teilnahme an der Tagung ermöglicht hätten. Daraufhin trat Arbeitsminister Henderson zurück; er wurde durch den Labour-Politiker George Barnes ersetzt.13

In der britischen Arbeiterschaft nahm auch wegen der zunehmenden sozialen Ungleichheit der Protest zu. Vor allem im Bergbau, in der Munitionsproduktion, im Transportsystem und im Maschinenbau wuchsen die Spannungen besonders aufgrund der Preissteigerungen für lebensnotwendige Güter und des ungleichen Zugangs zu Nahrungsmitteln, obwohl sich der Lebensstandard in den einzelnen Arbeitergruppen durchaus unterschiedlich entwickelte. Überdies nahm der Protest gegen die oft hohen und vereinzelt sogar exorbitant wachsenden Gewinne von Unternehmern zu, die Rüstungsgüter erzeugten. Die Industriellen klagten aber über die staatlichen Eingriffe in die Produktion. Die Regierung war damit dem Druck unterschiedlicher Gruppen und Verbände ausgesetzt, zwischen denen sich ihrerseits Spannungen und Konflikte verschärften.14

Nachdem im Sommer 1917 eine weitere große Offensive britischer Truppen bei Passchendaele unter hohen Verlusten von 275.000 Soldaten gescheitert war, breitete sich vor allem in der Arbeiterschaft Kriegsmüdigkeit aus.15 Darüber hinaus erschütterten Streiks vor allem das Industriegebiet um Glasgow und das Kohlerevier von Südwales, wo Arbeiter besonders 1911 für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen gekämpft hatten. Die Aufstände, die von Gewerkschaftsvertretern in den einzelnen Betrieben organisiert worden waren, richteten sich auch gegen die Kooperation des Trades Union Congress mit der Regierung und die Mitwirkung dieses Spitzenverbandes bei der Organisation der Kriegsanstrengungen. Damit vertiefte sich die Spaltung zwischen der Arbeiterführung und ihrer Basis in den Betrieben. Insgesamt gingen in Großbritannien 1917 rund eine halbe Million Arbeitstage verloren, bevor die Streikaktivität im darauffolgenden Jahr abnahm.16

Obgleich der Ruf „Follow Russia“ nicht unmittelbar begeisterte Zustimmung auslöste, gingen von der Februarrevolution in Russland und der Friedensresolution des Petrograder Sowjets durchaus Impulse für die Mobilisierung der Arbeiterschaft aus, die von Gewerkschaftlern und Labour-Politikern in lokalen Räumen und Regionen unterstützt wurden. Auch vollzog sich in der Arbeiterbewegung und ihren politischen Organisationen eine Polarisierung, wenngleich sie keineswegs eskalierte. So trafen sich Vertretende der Independent Labour Party und der British Socialist Party, die sich von der Labour-Partei abgrenzten, in Leeds zu einer Konferenz, um zu einer Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten aufzurufen. Die Rätebewegung zielte jedoch nicht auf eine grundlegende Umwälzung, und sie blieb letztlich organisatorisch zumindest teilweise an die etablierte Arbeiterpartei und die Gewerkschaften gebunden. Darüber hinaus propagierte sie keineswegs vorrangig einen radikalen politischen Umsturz in Großbritannien, sondern vielmehr eine umfassende Reform des parlamentarischen Regierungssystems. Auch der Ruf nach Workers‘ and Soldiers‘ Councils traf in der Arbeiterschaft und in den britischen Streitkräften lediglich auf eine begrenzte Unterstützung.17

Daher konnte die Regierung den Protest mit ihrer Zusage, eine gerechtere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu schaffen, zumindest partiell auffangen. Auch die Ankündigung, allen Männern über 21 Jahren und Frauen über 30 Jahren das Wahlrecht zu gewähren, war populär. Damit kam das Kriegskabinett der Arbeiterschaft und Labour-Politikern entgegen, die verlangt hatten, eine umfassende Demokratisierung in Politik und Wirtschaft herbeizuführen und soziale Ungleichheit abzubauen. Mit ihrer Sozialprogrammatik stärkte die Regierung letztlich die Reformorientierung in der britischen Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung und in der Labour Party, die nicht vorrangig eine grundlegende sozioökonomische Umwälzung, sondern schrittweise Verbesserungen anstrebten. Damit gelang eine „Bewahrung der nationalen wie auch Labours Einheit und Repräsentation der Gefolgschaftsinteressen.“ Letztlich wurde die Entwicklung der Arbeiterschaft und ihrer gewerkschaftlichen und politischen Vertretung zu reformorientierten Organisationen gestärkt, die eine Teilhabe an der Macht anstrebten.18

3 Regierungspolitik: staatliche Interventionen zwischen Zugeständnissen und Überwachung

Zur Entschärfung des revolutionären Impulses trug in Großbritannien eine Regierungspolitik entscheidend bei, die eine Reformprogrammatik mit autoritärer Führung und der Ausweitung der Staatskontrolle verband. In diesem Prozess förderte das Kriegskabinett unter Lloyd George die Entstehung korporativer Strukturen. Sie wurden vor allem mit den 1917 gebildeten Whitley Councils institutionalisiert, in denen sich Vertreter der Unternehmer und Gewerkschaften um eine Verbesserung der Arbeitsbeziehungen bemühten. Damit sollten beide Gruppen an die Politik der Regierung gebunden und letztlich alle Ressourcen für den Krieg mobilisiert werden. Darüber hinaus wurden Entscheidungen zentralisiert. So stärkte das Kabinett seine Kontrolle über das Militär und – damit verbunden – die Kriegführung. Demgegenüber büßte das Schatzamt seinen angestammten Einfluss auf die Regierungspolitik weitgehend ein. Mit der Kontrolle der Staatsausgaben, die für die Kriegführung unabdingbar waren, verlor das Treasury sein wichtigstes Machtinstrument. So mussten die Schatzkanzler (1917 Bonar Law) im Ersten Weltkrieg das enorme Wachstum der Staatsschulden von 650 Millionen Pfund (1914) auf mehr als sieben Milliarden Pfund (1918) hinnehmen, denn die Kosten des Krieges konnten nur zu einem Viertel mit Steuereinnahmen beglichen werden.19

Die staatlichen Interventionen in Wirtschaft und Gesellschaft nahmen 1917 aber nicht nur wegen der Notwendigkeit zu, Waffen und Geld für den Abnutzungskrieg zu mobilisieren, sondern auch aufgrund des politischen Druckes, den Nachkriegsaufbau zu planen. Nachdem dazu schon 1916 Komitees eingerichtet worden, nahmen im darauffolgenden Jahr die neuen Ministerien für Schifffahrt, Arbeit und Nahrungsmittelversorgung ihre Arbeit auf. Nicht zuletzt um die Arbeiterschaft zu beruhigen und die Reformorientierung in der Labour Party zu stärken, wurde im Juli 1917 zudem ein Ministerium für Wiederaufbau etabliert, das von Christopher Addison, einem liberalen Abgeordneten und engen Vertrauten des Premierministers, geleitet wurde. Dieses Ministry of Reconstruction bereitete nicht nur die Demobilmachung der britischen Truppenverbände nach dem Ersten Weltkrieg vor, sondern entwickelte weitreichende sozialpolitische Konzeptionen. So war geplant nach dem Kriegsende die medizinische Versorgung zu verbessern, die Arbeitslosen- und Armenhilfe zu systematisieren und den öffentlichen Wohnungsbau auszuweiten. Darüber hinaus beabsichtigte Addison, die Siedlung zu fördern und den Zugang von Arbeitenden zu höherer Bildung zu erweitern. Diese sozialpolitischen Initiativen sollten 1918 in einem Schulgesetz, das die staatliche Finanzierung des Bildungssystems stärkte, im Housing Act von 1919 und im darauffolgenden Jahr in der Arbeitslosigkeitsversicherung kulminieren. Insgesamt öffnete die Regierung damit einen weit gespannten Erwartungshorizont, den Lloyd George im Wahlkampf Ende 1918 schließlich in dem Versprechen bündelte, ein „fit country for heroes to live in“ zu schaffen.20

Trotz der reformpolitischen Eingriffe der Regierung verschärften sich 1917 die gesellschaftlichen Konflikte und politischen Gegensätze. Die sozialen Auseinandersetzungen konnten kaum noch eingedämmt werden, obgleich sich zugleich eine „Nivellierung und Verdichtung der britischen Klassenstruktur“ vollzog. Das Klassenbewusstsein in der Arbeiterschaft wuchs trotz der weiterhin bestehenden Gegensätze zwischen einzelnen Gruppen. Dazu trug die Angleichung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von gelernten und ungelernten Arbeitern und Arbeiterinnen infolge der (ungleichen) Preissteigerungen und der Rationierungen erheblich bei. So unterschieden sich die beiden Gruppen hinsichtlich ihres Konsums weniger als vor 1914. Das Kriegskabinett und die Sicherheitsbehörden waren über die wachsende Militanz der britischen Arbeiterschaft, unter denen der Krieg besonders ungelernte begünstigte, schon nach der Februarrevolution in Russland durchaus besorgt. Dazu trugen auch die deutliche Steigerung der Mitgliederzahlen in den Gewerkschaften von 4,1 Millionen (1914) auf 7,8 Millionen (1919) und die Aktivitäten der Pazifisten und Pazifistinnen bei, deren Propaganda die Zensur nicht völlig unterdrücken konnte.21

Schon 1916 wechselte der Schwerpunkt der Überwachung deshalb von den Angehörigen von Feindstaaten (enemy aliens), auf deren Kontrolle sich der Sicherheitsapparat zunächst konzentriert hatte, zu den britischen Gegnern des Krieges. Das 1907 gegründete und 1916 in MI5 umbenannte Military Operations Directorate (M.O.5) stigmatisierte vor allem Pazifisten und Pazifistinnen, Wehrdienstverweigerer, Sozialisten und Sozialistinnen und irische Nationalisten und Nationalistinnen als „innere Feinde“ (enemies within). Auch der 1883 als politische Polizei gegründete Special Branch wurde gegen diese Dissidentinnen und Dissidenten eingesetzt. So verdächtigten die Sicherheitsexperten in diesen Behörden einflussreiche Pazifisten wie den Gründer der Union of Democratic Control (UDC), Edmund Dene Morel, und den Publizisten Norman Angell, die britischen Kriegsanstrengungen zu sabotieren. Die UDC, die im Krieg unablässig auf einen Kompromissfrieden ohne territoriale Annexionen drängte, eine demokratische Kontrolle der Außenpolitik verlangte und für eine internationale Zusammenarbeit der Staaten eintrat, hatte bis Ende 1915 mehr als 300.000 Mitglieder gewonnen. Sie waren in 107 Gruppen organisiert. Zwei Jahre später hatten sich der pazifistischen Organisation sogar rund 650.000 Briten und Britinnen angeschlossen.22

Die Regierung, besonders der seit 1916 amtierende Innenminister George Cave, bemühte sich mit verschiedenen Maßnahmen, den Einfluss der UDC in der Öffentlichkeit zu verringern. So gründete sie offizielle Verbände wie das nach der russischen Oktoberrevolution 1917 gebildete National War Aims Committee, das die britischen Pazifisten und Pazifistinnen bezichtigte, im Sold der Deutschen zu stehen und von ihnen kontrolliert zu werden. Auch verbot das Kriegsministerium 1916 die Verbreitung pazifistischer Propaganda, vor allem in den Streitkräften, in denen die Militärführung nach „Drückebergern“ (shirkers) suchte und Meutereien befürchtete. Darüber hinaus wurden führende Vertreter der UDC wie Morel verfolgt. Der Sicherheitsdienst überwachte seinen Postverkehr und sein Telefon. Im September 1917 wurde der Friedensaktivist schließlich zu einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten verurteilt, weil er zu Streiks aufgerufen hatte, um die Waffenproduktion zu unterbinden. Alle Aktivitäten der UDC unterlagen fortan strenger behördlicher Kontrolle. Im November 1917 beschloss eine Kommission des Innenministeriums, der sowohl der Direktor des MI5, Vernon Kell, als auch der Leiter des Criminal Investigation Department im Special Branch, Basil Thomson, angehörten, zehn kleinere pazifistische Verbände im Hinblick auf Zahlungen aus Deutschland zu untersuchen. Zwar waren in einer vorangegangenen Untersuchung des Special Branch keinerlei Anhaltspunkte dafür gefunden worden; dennoch beschlagnahmte die Polizei die Unterlagen dieser Organisationen und ließ deren Zuwendungen prüfen. Obwohl auch dieser Übergriff gegen grundlegende Freiheitsrechte ohne greifbares Ergebnis blieb, spiegelte er die Verschwörungsvorstellungen der Regierung wider, die sich kräftig bemühte, die britischen Pazifisten zu schwächen.23

Die Sicherheitsexperten beobachten auch entschiedene Gegner der Wehrpflicht, die Anfang 1916 eingeführt worden war, mit Argusaugen. So drangen Polizeioffiziere des Special Branch am 5. Juni 1916 in die Londoner Zentrale der No-Conscription Fellowship ein. Bei der Aktion wurden Unterlagen und Propagandamaterial der Organisation konfisziert. Die Kriegsdienstverweigerer, die als shirkers denunziert wurden, waren aus Sicht der Behörden ein Sicherheitsrisiko, obwohl im Ersten Weltkrieg insgesamt nur 1.500 Briten den Wehrdienst kategorisch ablehnten und deshalb inhaftiert wurden. Weitere 7.000 leisteten Ersatzdienst in nicht kämpfenden Einheiten, und 3.000 wurden in Arbeitslager eingewiesen, die das Innenministerium betrieb. Trotz der geringen Zahl der Verweigernden wuchsen die politischen Spannungen. In der britischen Gesellschaft nahm auch der Antisemitismus, der sich seit der Jahrhundertwende vorrangig gegen ostjüdische Immigrantinnen und Immigranten gerichtet hatte, deutlich zu. So bezichtigten radikal-nationalistische Agitatoren und Agitatorinnen Juden, Ausnahmebestimmungen zu nutzen, um damit den Militärdienst zu umgehen. Zugleich jedoch profitierten sie angeblich vom Krieg. Dieser Vorwurf richtete sich auch gegen die 25.000 bis 30.000 russischen Männer, die sich in Großbritannien aufhielten. Nachdem die neue Regierung der Bolschewiki im Dezember 1917 einen Waffenstillstand mit Deutschland geschlossen hatte, verquickten sich Ressentiments gegen Juden mit antikommunistischen Feindbildern. Die Regierung lehnte extreme Verschwörungsvorstellungen zwar ab, nährte diese aber mit der Dämonisierung von (tatsächlichen oder vermeintlichen) Gegnern in ihrer Kriegspropaganda.24

Die Repression der Sicherheitsapparate richtete sich nicht zuletzt gegen streikende Arbeiterinnen und Arbeiter, die beschuldigt wurden, die Rüstungsproduktion zu sabotieren. Schon 1915/16 war die Regierung erstmals während des Krieges über die Streiks alarmiert, die im Raum Glasgow die Produktion kriegswichtiger Güter zeitweise lahmlegten. In der Clydeside protestierten besonders die Independent Labour Party (ILP), die British Socialist Party und lokale Organisationen wie das Clyde Workers Committee gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und die Vormacht der Arbeitgeber, die qualifizierte Beschäftigte durch ungelernte Kräfte ersetzten. Die Regierung verbot daraufhin Zeitungen der Streikenden, und deren Anführer – so John Maclean und William Gallacher – wurden vorübergehend inhaftiert. Einzelne Vertreterinnen und Vertreter der Arbeiterbewegung wiesen die Behörden sogar aus dem Streikgebiet aus. Bis Ende März 1916 konnte der Ausstand mit diesen restriktiven Maßnahmen erstickt werden.25

Die zunehmenden Unruhen in Russland und die Furcht vor einem revolutionären Umsturz auch in Großbritannien verliehen der Kampagne gegen die „inneren Feinde“ Ende 1916 und Anfang 1917 aber erneut kräftig Auftrieb. Der Secret Service und der Special Branch gingen weiterhin gegen die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Gewerkschaften und sozialistische Politiker vor. Unter dem Vorwand, dass diese Gruppe die Streikbereitschaft förderte und damit die Kriegsanstrengungen Großbritanniens sabotierte, beschlagnahmte die Polizei im November 1916 Unterlagen der revolutionären Industrial Workers of the World. Am Jahresende planten die britischen Sicherheitsbehörden auch einschneidende Maßnahmen gegen die Zeitung Labour Leader. Die Büros des Zentralorgans der ILP sollten durchsucht und verdächtige Unterlagen konfisziert werden, um anschließend Kriegsgegner wie Philip Snowden und Morel wegen Landesverrats zu verurteilen. Obgleich dieser Vorschlag eines hochrangigen Beamten im Innenministerium letztlich vom Attorney General (dem obersten Rechtsberater der Regierung) und von Premierminister Lloyd George abgelehnt wurde, zeigte er, dass die Sicherheitsdienste im Ersten Weltkrieg im Kampf gegen Spionage und Subversion zu einem Repressionsinstrument mutierten. Dazu diente auch die „Dolchstoß“-Metaphorik, die drastische Sicherheitsmaßnahmen gegen „innere Feinde“ nahelegte. Dem Vorgehen der Polizei und des Geheimdienstes lagen aber durchaus auch eigennützige Motive zu Grunde. Mit der Repression tatsächlicher und vermeintlicher Kriegsgegnerinnen und -gegner sollten nicht zuletzt die Macht dieser Einrichtungen gesteigert und ihre Ausstattung verbessert werden.26

Dazu übertrieben die Sicherheitsorgane die Gefahr, die von den „inneren Feinden“ ausging. So blieb die ILP, die sich für einen dauerhaften Frieden auf der Grundlage einer grenzüberschreitenden Verbrüderung einsetzte, im Ersten Weltkrieg schwach. Am Kriegsende verfügte sie über lediglich 35.000 Mitglieder. Zudem belief sich die Arbeitszeit, die während des Ersten Weltkriegs verloren wurde, nur auf ein Viertel des entsprechenden Wertes für die Jahre von 1910 bis 1914. Von 1918 bis 1921 übertraf die Zahl der Werktage, die durch Arbeitsniederlegungen ausfielen, die Angaben für die Jahre von 1914 bis 1918 sogar um mehr als das Zehnfache. Letztlich blieben auch noch weitergehende Forderungen nach einer Revolution trotz der Anstöße, die von der Umwälzung in Russland ausgingen, marginal.27

So öffnete sich zwischen der Sicherheitslage und der Sicherheitswahrnehmung der britischen Eliten eine auffällige Kluft, die auf eine Überschätzung, aber auch eine gezielte Überzeichnung des revolutionären Potentials in der Gesellschaft zurückzuführen war. Obwohl bis 1918 kein Fall gezielter Sabotage in kriegswichtigen Betrieben bekannt wurde, verstärkten die Streiks und einzelne Anschläge die Furcht der Regierung vor Subversion, und sie erhöhten damit die Macht der Sicherheitsexperten. Schon im Juli und September 1915 waren Fabriken, in denen Granaten produziert wurden, durch Feuer und Explosionen zerstört worden. Nicht nur der Geheimdienst und die Polizeibehörden, sondern auch Regierungsmitglieder wie der zuständige Minister Lloyd George führten diese Vorfälle in einer wichtigen Branche der Rüstungswirtschaft auf gezielte Sabotage zurück. Zugleich nahm in den Gewerkschaften der Widerstand gegen den Munitions of War Act zu, der Unternehmern erlaubte, qualifizierte Beschäftigte durch ungelernte Arbeiter zu ersetzen. Um die Unruhen zu ersticken und Störungen der Waffenproduktion zu unterbinden, wurde im Februar 1916 im Munitionsministerium vom Security Service eine gesonderte Intelligence Division eingerichtet, die Unternehmer im Hinblick auf die Sicherung der Produktion in ihren Betrieben instruierte. Aus ihr ging im Juni eine neue geheime Institution, das P.M.S.2 (Parliamentary Military Secretary Department, No. 2 Section), hervor. Weit über das Ziel hinaus, Sabotage zu verhindern, infiltrierte diese Organisation pazifistische Verbände, Gewerkschaften und die oppositionelle Arbeiterbewegung. Vor allem sollten Streiks künftig unterdrückt werden. Dazu setzte das P.M.S.2 sogar Agents Provocateurs ein. Dieses Verfahren wurde erst aufgegeben, nachdem Unterhausabgeordnete wie Ramsay MacDonald die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Praxis gelenkt und auch im Munitionsministerium die Sorge vor einem Skandal gewachsen war. Die Auflösung des P.M.S.2 im Juni 1917 war aber auch auf die Ambitionen Thomsons zurückzuführen, den Special Branch zu einem nationalen Sicherheitsdienst aufzuwerten.28

Alles in allem bildete sich in Großbritannien im Ersten Weltkrieg ein „police state under military control“29 heraus. Dabei stellten die Ereignisse, die das Vereinigte Königreich 1917 erschütterten, eine wichtige Wahrnehmungszäsur dar. Letztlich war eine Angleichung an kontinentale polizeistaatliche Entwicklungen unverkennbar. Allerdings wurde Kells Budget nach dem Ersten Weltkrieg gekürzt. Die (teilweise konstruierten) freiheitlichen Traditionen Großbritanniens verhinderten hier eine kontinuierliche und nachhaltige Versicherheitlichung, für die Kell und Thomson mit Unterstützung des einflussreichen Kolonialministers Walter Long eintraten.30

Zugleich musste die Regierung schon vor dem Rücktritt Lloyd Georges im Oktober 1922 auch ihre Reformpolitik zurücknehmen. Wenngleich keinesfalls alle sozialpolitischen Innovationen beseitigt wurden, setzten sich in den Kontroversen schließlich die konservativen Kräfte durch, die eine Rückkehr zur „Normalität“ der Vorkriegsjahre befürworteten. 1920/21 verliehen die Wirtschaftskrise, die Unabhängigkeit Irlands, die Gründung der Kommunisten Partei und neue Unruhen der Arbeiterschaft – vor allem an der Red Clydeside – dem Antikommunismus kurzfristig nochmals Auftrieb. Die Revolutionsfurcht verschärfte vorübergehend die Agitation rechtkonservativer Gruppen und Publizierender, die zum Teil bereits seit der Jahrhundertwende in Großbritannien Verschwörungsvorstellungen und Spionagehysterie verbreitet hatten.31

Das Scheitern der Regierung von Lloyd George, der Rücktritt des ersten Labour-Premierministers Ramsay MacDonald nach nur zehn Monaten (1924) und die Niederschlagung des Generalstreiks (1926) stärkten letztlich die gemäßigten Konservativen um Stanley Baldwin, der in den Jahren von 1923 bis 1937 dreimal als Regierungschef amtierte. Insgesamt nahmen einflussreiche Akteure das Jahr 1917 durchaus als Zäsur wahr. Da der Krieg aber siegreich beendet werden konnte, die befürchtete Revolution ausblieb und der Interventionsstaat (mit dem Janusgesicht von Reform- und Repressionspolitik) zumindest bis 1939/40 zurückgebaut wurde, hinterließ der Umbruch von 1917 in der britischen Politik keine unmittelbaren, sondern allenfalls langfristige Wirkungen. Er prägte damit auch nicht den Deutungshorizont der zeithistorischen Forschung.32

4 1917: britische Zeitgeschichte und Erinnerungskultur

Obgleich die regierenden Eliten die Zunahme der Unruhe und Proteste 1917 durchaus als einschneidend wahrnahmen und daraufhin den Sicherheitsapparat erheblich stärkten, ist in der Historiographie bis zur Gegenwart vor allem über den Kriegseintritt Großbritanniens 1914 gestritten worden.33 Mit dieser Debatte, in der die politikgeschichtliche Perspektive ebenso vorgeherrscht hat wie eine Sicht „von oben“, ist an zeitgenössischen Kontroversen angeknüpft worden. So hatten sich liberale Wissenschaftler – vor allem der Universität Cambridge – noch in einem Aufruf, der am 1. August 1914 in der Times veröffentlicht worden war, für eine Neutralität Großbritanniens ausgesprochen. Zudem zeigte sich Graham Wallas, der als Historiker an der London School of Economics arbeitete, besorgt über die Folgen eines bewaffneten Konfliktes für die Arbeiterschaft seines Landes. Allerdings blieb der Einfluss seiner Stellungnahme auf die britischen Historiker ebenso begrenzt wie der Pazifismus des Schriftstellers und Publizisten Norman Angell.34

Vielmehr erschien mit der britischen Kriegserklärung an das Deutsche Reich in der Times am 4. August ein Scholar’s Protest, in dem besonders Oxforder Wissenschaftler ihren Kollegen vorwarfen, den deutschen Militarismus und Nationalismus zu verharmlosen. Sogar liberale Intellektuelle wie Leonard T. Hobhouse, die eine Intervention Großbritanniens zunächst abgelehnt hatten, plädierten ab dem 4. August für eine nationale Einheitsfront, um die Kriegsanstrengungen der Regierung nicht zu behindern. Geschlossenheit verlangten auch Oxforder Historiker, die im September 1914 die Kriegserklärung ihres Landes rechtfertigten und – wie auch George M. Trevelyan – die Erklärung „A Righteous War“ unterzeichneten. Ebenso wie viele Philosophen betonten sie den Gegensatz zum deutschen Staatsidealismus, dem sie die liberale Tradition Englands gegenüberstellten. Damit reagierten sie auch auf die Kriegspropaganda deutscher Intellektueller, die im Oktober 1914 den Aufruf „an die Kulturwelt“ veröffentlichten.35

Im weiteren Verlauf des Krieges blieb der patriotische Konsens unter den britischen Geschichtswissenschaftlern weitgehend intakt (im Gegensatz zum Burenkrieg 1899-1902), obgleich abweichende Stimmen nicht völlig fehlten. Auch die zunehmenden Unruhen in der Arbeiterschaft 1917 beunruhigten die Historiker, die überwiegend der Ober- und Mittelschicht angehörten, kaum. Obwohl sie die Februar- und (vor allem) die Oktoberrevolution in Russland durchaus als Einschnitte wahrnahmen, waren sie weiterhin bereit, die Kriegsanstrengungen zu unterstützen. Darüber hinaus trugen einige Geschichtswissenschaftler auch 1917/18 aktiv zur Kriegspropaganda bei, in der die Deutschen oft pauschal als „Hunnen“ stigmatisiert wurden.36

Der bolschewistische Umsturz stärkte die Gruppe der konservativ-nationalistischen Historiker sogar, während ihre Kollegen, die sich gegen die Kriegführung Großbritanniens wandten, Außenseiter blieben. Erst als sich die Niederlage der „Mittelmächte“ abzeichnete, begann eine offene und kontroverse Diskussion über die Nachkriegsordnung. Vor allem der Versailler Friedensvertrag löste Kritik von Historikern wie George Peabody Gooch aus, der sich gegen die harte Bestrafung Deutschlands wandte. In den zwanziger Jahren relativierten auch William H. Dawson und Raymond Beazley, die schon vor 1914 um Verständnis für das Kaiserreich geworben hatten, die zunächst vorherrschende Interpretation, dass nahezu ausschließlich Deutschland für den Krieg verantwortlich war. Die Erinnerungen des ehemaligen Premierministers Lloyd George, in denen er 1933 behauptete, dass „the nations slithered over the brink into the boiling caldron of war“, verliehen dieser revisionistischen Interpretation kräftig Auftrieb. Allerdings nahm der Umbruch von 1917 in dieser Debatte, in der einzelne Geschichtswissenschaftler – so Dawson und der ab 1931 an der University of Cambridge lehrende Harold Temperley – in den zwanziger und dreißiger Jahren sogar zu Apologeten der deutschen Revisionspolitik wurden, lediglich einen untergeordneten Stellenwert ein.37

Nach dem Zweiten Weltkrieg traten in der britischen Historiographie die Kontroversen über den Kriegseintritt 1914 zurück. Auch die „Fischer-Kontroverse“, die in Deutschland die Debatte über den „Sonderweg“ vorantrieb und damit die Zeitgeschichtsschreibung nachhaltig beeinflusste, wirkte sich nur kurzfristig auf die Diskussion in Großbritannien aus. Im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, wo Hans Rothfels 1953 das Jahr 1917 – mit den Russischen Revolutionen und dem Kriegseintritt der USA – als Beginn einer neuen „Epoche der Mitlebenden“ fasste und damit auch „ihre wissenschaftliche Behandlung“ forderte, hat das vorletzte Jahr des Ersten Weltkrieges in der britischen Geschichtsschreibung nur wenig Niederschlag gefunden. Daran konnte auch die Debatte über den Rücktritt der liberalen Regierung unter Asquith, deren Zusammenbruch Stephen Koss 1968 auf eine Verschwörung einflussreicher Gegner und Gegnerinnen des Premierministers wie Lloyd George zurückführte, nichts ändern, da sie sich auf das Jahr 1916 konzentrierte.38

Zwar stritten britische Historiker wie Gooch schon in den zwanziger Jahren mit ihren deutschen Kollegen über die „Kriegsschuld“, und die Regierung gab im darauffolgenden Jahrzehnt eine umfangreiche Edition einschlägiger Dokumente heraus, die Großbritanniens Eintritt in den Krieg rechtfertigen sollten. Auch hat die kritische Geschichtswissenschaft die hohen Verluste, für die besonders dem Oberkommandierenden der britischen Streitkräfte in Belgien und Nordfrankreich, Sir Douglas Haig, die Verantwortung zugewiesen worden ist, in den sechziger und siebziger Jahren als sinnlos gedeutet. Dagegen bildete sich in den neunziger Jahren eine „revisionistische“ Richtung in der Historiographie heraus, die Haig rehabilitiert, den Patriotismus der Briten und Britinnen betont und den Krieg gegen Deutschland als Kampf für Freiheit und Demokratie gerechtfertigt hat.39

Insgesamt ist der Erste Weltkrieg in Großbritannien aber nicht konstitutiv für die Zeitgeschichtsschreibung geworden. Demgegenüber hat er die britische Erinnerungskultur tiefgreifend geprägt, besonders mit den Topoi des „Opfers“ (sacrifice) und der „lost generation“. Bis zur Gegenwart sind die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg jedoch auf die eigenen Opfer fixiert geblieben, auch weil damit eine Analogie zur erfolgreichen Verteidigung des Vereinigten Königreiches 1940/41 konstruiert werden konnte. Demgegenüber nimmt der Beitrag der verbündeten Mächte zu dem 1918 schließlich errungenen Sieg nur einen untergeordneten Stellenwert ein.40

Der Überblick über den Stellenwert des Jahres 1917 in Großbritannien unterstreicht aber nicht nur den Einfluss und die Beharrungskraft nationalhistorischer Entwicklungen auf die Bestimmung von Zäsuren und historischen Epochen in den einzelnen Ländern. Vielmehr demonstriert er auch die Diskrepanz zwischen historiographischen Traditionen und Erinnerungskulturen. Nicht zuletzt sollte hier gezeigt werden, dass 1917 in Großbritannien zwar durchaus als Einschnitt wahrgenommen worden ist – besonders von den herrschenden Eliten –, dies aber die Geschichtsschreibung kaum aufgenommen hat, weil diese lange – und teilweise bis zur Gegenwart – auf die Entscheidung zugunsten des Kriegseintrittes 1914 und die eigenen Opfer fixiert geblieben ist. Zudem wurde die Politik, mit der die Regierung auf die Doppelrevolution in Russland und die Unruhen im Vereinigten Königreich reagierte, nach dem Ersten Weltkrieg weitgehend zurückgenommen. Sie wirkte sich damit erst langfristig auf die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Vereinigten Königreiches aus, besonders auf die Politik des Labour-Premierministers Clement Attlee ab 1945.

5 Schluss

Entgegen der vorherrschenden historiographischen Deutung, welche das Reformpotential in Großbritannien betont hat, ist die russische Doppelrevolution zeitgenössisch durchaus als Zäsur wahrgenommen worden. Der Sturz des Zaren und die Machtaneignung der Bolschewiki verliehen der Unzufriedenheit mit der verlustreichen britischen Kriegführung vor allem in der Arbeiterschaft kräftig Auftrieb. Obgleich nur eine Minderheit der Bevölkerung einen grundlegenden Umsturz der bestehenden politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung anstrebte, war die britische Regierung über die Unruhen so besorgt, dass sie ihre Sicherheitspolitik deutlich verschärfte. Dazu wurde die polizeiliche und geheimdienstliche Überwachung erweitert, die sich besonders gegen die Arbeiterschaft richtete. Zugleich sollte eine Reformpolitik die Bevölkerung – besonders die Arbeiterschaft – besänftigen und an die Regierung binden. Demgegenüber ist das Jahr 1917 in der britischen Historiographie nicht als Einschritt interpretiert worden. Es handelt sich damit um eine Wahrnehmungszäsur, nicht aber um eine Deutungszäsur.

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*

Bei diesem Beitrag handelt es sich um eine überarbeitete Fassung meines folgenden Aufsatzes, „1917 als Zäsur? Radikalisierung und Konflikte in Großbritannien“, in: Das Jahr 1917 und die Zeitgeschichte, hg. v. Benjamin Conrad und Markus Raasch, Stuttgart, 2018, S. 63-78.

1

Dazu jetzt: Stevenson 2017, bes. S. 1-4, 7-9, 72 f.

2

Rudolf 1983, bes. S. 203-292; Ähnlich: MacIntyre 1980, S. 6 f.; Challinor 1977, S. 278; Carsten 1982, S. 10 f., 167, 206 f.; Zur Social Democratic Federation: Bevir 2011.

3

„Wahrnehmungszäsur“ ist als Bezeichnung für die unmittelbare Aufnahme von Vergangenheit m. E. analytisch geeigneter als das Konzept der „Erfahrungszäsur“. Vgl. demgegenüber Sabrow 2013.

4

Nach Stevenson 2017, S. 9 („war trap“); vgl. Brock 1988, S. 144-178; Brüggemeier 2010, S. 107 f.; Beloff 1984, S. 15; Wilson 1985, S. 135-147; Wilson 1986, S. 28-34. Zu den Diskussionen über den Kriegseintritt Großbritanniens anschaulich die Eintragungen in: David 1977, S. 179 f.

5

Schramm 1980, S. 164-188, hier: S. 170-175, 179-183; Fröhlich 2004, S. 152; Nach wie vor anschaulich: Marwick 1967, S. 84-88; Hazlehurst 1971, S. 15-64.

6

Freeden 1986, S. 26-31; Mai 1987, S. 34-37; Hazlehurst 1971, S. 261-282.

7

French 1986, S. 100-135; 1988, S. 385-405; Cronin 1991, S. 66.

8

Adams 1986, S. 243-263; Clarke 1987, S. 149-164, bes. S. 160-162; Fry 1988, S. 609-627; dazu auch noch immer instruktiv: Hazlehurst 1970, S. 502-531; Cook 1976, S. 66-71; David 1970, S. 509-532; Morgan 1971, S. 67 f. Übersicht in: Niedhart 1987, S. 148; Fröhlich 2004, S. 154.

9

Townshend 1993, S. 58-64; zu den Arbeitskonflikten vor 1914: Wipperfürth 2004, S. 269.

10

Stevenson 2017, S. 9.

11

Broadberry/Harrison 2005, S. 44, 216.

12

Stevenson 2017, S. 13-35, 48 f.

13

Klepsch 1986, S. 239-280; 1987, S. 193-203, hier: S. 198 f.; 1975, S. 347-360; Beloff, Wars, S. 48-50.

14

Cronin 1991, S. 67-70.

15

Angabe nach: Stevenson 2017, S. 201.

16

Angabe nach: Waites 1987, S. 232; vgl. auch Challinor 1977, S. 180-183; Klepsch 1983, S. 169-186. Überblick in: Brüggemeier 2010, S. 118 f.; Beloff 1984, S. 44, 48 f., 56; Niedhart 1987, S. 149.

17

Brose 2005, S. 85; Klepsch 1987, S. 199 f.

18

Zit. nach Klepsch 1983, S. 293; vgl. auch ders. 1987, S. 199 f.

19

Cronin 1991, S. 76; zu den Whitley Councils: Wendt 1974, S. 143-145.

20

Zit. nach: Brüggemeier 2010, S. 124; vgl. auch Morgan 2001, S. 582-679, hier: S. 594 f.; Morgan/Morgan 1980; Morgan 1979; Cronin 1991, S. 67, 90.

21

Zit. nach: Winter 2003, S. 50-63, hier: S. 54; Angabe nach: Brüggemeier 2010, S. 118. Zur Arbeiterschaft: Gazeley/ Newell 2013, S. 71-94; Waites 1987, S. 179-239, vgl. auch Adrian 2008, S. 287: „The overall effect of the war … is that the poorest of the British people became less poor.“

22

Ewing/Connor 2000, S. 63; andere Angaben in: Degroot 1996, S. 144; zur Kampagne der UDC: Swartz 1971, S. 66-82.

23

Vgl. Hiley 1986a, S. 625-670, hier: S. 650, 654 f., 657; Bernard Porter, The Origins of the Vigilant State. The London Metropolitan Police Special Branch before the First World War, London, 1987, S. 169; Andrew 1985, S. 199, 226 f.; Degroot 1996, S. 152; daneben: Englander/Osborne 1978, S. 593-621, hier: S. 593-606.

24

Englander 1991, S. 90-138, hier: S. 113; Andrew 1985, S. 194; Degroot 1996, S. 153.

25

Sykes 2005, S. 38-42; Hiley 1986a, S. 648-655, 660; Ewing/Gearty 2000, S. 71-80; Degroot 1996, S. 160; Porter 1987, S. 169, 180; Andrew 1985, S. 193 f.

26

Hierzu und zum Folgenden: Altenhöner 2008, S. 146-148; Reimann 2000, S. 200; Hiley 1986a, S. 656-659; Andrew 1985, S. 199, 229-231.

27

Kershaw 2016, S. 79; Andrew 1985, S. 198. Angabe nach: Degroot 1996, S. 151.

28

Hiley 1986b, S. 395-415, hier: S. 396, 401-406, 410 f.; Andrew 1985, S. 195-198; Englander 1991, S. 116-119.

29

Zit. nach: Richard 1994, S. 53.

30

„Versicherheitlichung“ ist nach der „Pariser Schule“ der Sicherheitsforschung zu fassen als „Ergebnis des Zusammenwirkens diskursiver und nicht-diskursiver Praktiken sowie, damit zusammenhängend, als Resultat von Konflikt- und Konkurrenzdynamiken innerhalb des professionellen Feldes der Sicherheit, in denen es um Prioritätensetzungen, Ressourcenzuweisungen und Einfluss“ geht (Conze 2018, S. 94 f.).

31

Terwey 2006, S. 68-84; Bauerkämper 1991, S. 104-133; Panayi 1988, S. 253-272; Francis 2012, S. 153-164; Cronin 1991, S. 87-92.

32

Brüggemeier 2010, S. 125-140.

33

Dazu noch die Kontroversen über Clark 2013a (engl. Original: The Sleepwalkers. How Europe Went to War in 1914, London, 2013); vgl. Angelow 2015, S. 579-582.

34

Vgl. von Strandmann 1994, S. 929-952, hier: S. 929-933.

35

Stibbe 2003, S. 235-253; Bauerkämper/Julien 2010, S. 7-28, hier: S. 22; Kramer 2007, S. 180-196; Prochasson 2012, S. 223-337, hier: S. 323 f.; Hoeres 2003, S. 193-211; ausführlich: Hoeres 2004.

36

Gregory, War, S. 44-69.

37

Zit. nach: George 1933, S. 32; vgl. Berger 2003, S. 255-273; von Strandmann 1994, S. 934-936.

38

Jetzt aber Stevenson 2017. Vgl. auch Koss 1968, S. 257-277; konträre Deutung in: Hazlehurst 1953; zit. nach: Rothfels 1953, S. 1-8, hier: S. 2; zur Diskussion in der Bundesrepublik der Überblick in: Frei 2002, S. 336, 339; zur „Fischer-Kontroverse“: Böhme 2000, S. 89-139.

39

Jahr 2010, S. 109-126.

40

Zum Stellenwert des Ersten Weltkrieges in der britischen Erinnerungskultur: Connelly 2004, S. 13-20; Moriarty 1997, S. 125-142; Higbee 2008, S. 197-216; Gregory 2008, S. 292-294; Kettenacker 2017, S. 31-44, hier: S. 31, 37.