Vorwort

in Epiphanien
Freier Zugang

Diesen Studien zu Epiphanien in deutschsprachiger Prosa der ästhetischen Moderne ist ein Autorname zugeordnet. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass sich dahinter ein Mensch verbirgt, der sich für das Folgende verantwortlich zeichnet. Diese Verantwortung trägt jedoch nicht er allein. Freund*innen und Familie, Kolleg*innen und Vorgesetzte sowie etliche Zufälle sind daran ebenfalls beteiligt gewesen. Sie gilt es hier in Auswahl zu würdigen.

Für den Fall, dass die geneigten Leser*innen die wichtigen Danksagungen und allerlei Persönliches übergehen möchten, weise ich darauf hin, dass am Ende des Vorwortes noch ein Absatz zur Orientierung in diesem Buch folgt. Er wäre an anderer Stelle unpassend gewesen.

Obwohl man meint, dass das Vorwort nach der getanen Arbeit ein Leichtes wäre, muss auch hier ausgewählt, geordnet und gerechtfertigt werden – Forderungen, an der sicherlich professionelle Deformation und formaler Zwang ihren Anteil haben. Ganz im Sinn zweier Protagonisten der Jenaer Romantik Friedrich von Hardenberg und Friedrich Schlegel ließe sich auch hier ein Buch über das Buch schreiben, ohne überhaupt zur Sache kommen zu können, zur Sache kommen zu müssen. Aber die Sache liegt ja schon vor, ist da, kann in Augenschein genommen, angefasst und gelesen werden. Das Wesentliche an diesen vorweggenommenen Worten ist ganz sicherlich ein wenig Vergnügen und viel Dankbarkeit. Aber um Sie nicht weiter mit erlernten Spielereien der ununterbrochenen Reflexionszirkel aufzuhalten, zur Sache des Vorwortes.

Raphael hat mich ca. ein halbes Jahr vor Abschluss meines Lehramtsreferendariats darauf aufmerksam gemacht, dass für ein Promotionskolleg in Gießen ein Call über H-Germanistik rausgeschickt wurde. Das geforderte Exposé war nur kurz, die Frist dauerte noch drei Tage. Das sollte doch problemlos möglich sein … Sechs Monate und vier Absagen später habe ich mich in den Projektiermodus eingefunden. Zumindest bestätigte das die auf das fünfte Exposé gefolgte Einladung zu einem Vorstellungsgespräch des in der Entstehung begriffenen DFG Graduiertenkollegs Modell Romantik. Wie dem auch sei: Ohne die Motivation von Raphael, hätte ich weder angefangen, mich auf Kollegsstellen zu bewerben, noch hätte ich meine Promotion begonnen, deren manifestes Ergebnis dieses Buch ist.

Und ohne Wiebkes Unterstützung während der zweigleisigen Fahrt auf den Schienen der wissenschaftlichen Qualifikation und des Referendariats sowie ihrer Bereitschaft Haus und Hof zu verlassen und nach Jena, immerhin fünfhundert Kilometer vom rheinischen Frohsinn und westfälischen Bindungen in die östliche Provinz und ideengeschichtliche Metropolregion zu ziehen, wäre die Bewerbungsphase ganz bestimmt nicht so verlaufen, wie sie verlaufen sollte – von den darauffolgenden alltäglichen Unterstützungen und mahnenden Ablenkungen ganz abgesehen.

Im Graduiertenkolleg Modell Romantik konnte ich – endlich – wieder mit neuen Kolleg*innen und Lehrer*innen zur Schule gehen. Und nicht anders als in der Schule kam es zu Konflikten zwischen Pauker*innen und Schüler*innen, ist alles ein Graus und alles doch ganz fantastisch gewesen. Abseits dieser leisen Erinnerungen dominierte jedoch das Gespräch auf Augenhöhe. Und ich hatte das Gefühl, dass es Momente gab, in denen all die mit Ungleichheiten verbundenen Unterschiede wie Alter, Wissen, Milieu und Geschlecht keine Rolle gespielt haben. Was gibt es in hierarchisch organisierten Institutionen Größeres?

Für das intellektuelle Klima, wegführende und wieder zurückverweisende Gespräche danke ich sowohl den Kolleg*innen als auch den Professor*innen. All das wäre jedoch ohne die Koordinatorinnen Christin Veltjens-Rösch und PD Dr. Sandra Kerschbaumer nicht möglich gewesen. Indem sie die kommunikative und organisatorische Infrastruktur des Kollegs aufgebaut sowie in der Zusammenarbeit für Offenheit, Klarheit und Transparenz gesorgt haben, haben sie es geschafft, junge und erfahrene Wissenschaftler*innen zu vielerlei Anlässen in ein Gespräch zu bringen – was sich keinesfalls von selbst versteht. Dass aus der anfänglichen Projektidee in diesem Rahmen schließlich etwas Greifbares geworden ist, habe ich vor allem dem Betreuer meiner Arbeit Prof. Stefan Matuschek zu verdanken. Schnelle Rückmeldungen, fachliche Diskussionen und hilfreiche Kritik waren neben seinem vertrauenswürdigen Urteil sicherlich die Bedingungen, mit deren Hilfe ich die vielen Abschweifungen und Kreisbewegungen konzentrieren sowie die syntaktisch-semantischen Ungeheuer bändigen konnte.

Es ist äußerst selten der Fall, dass dem Wachstum eines Buches keine Geschichte vorausgeht. Noch seltener ist es in den Geisteswissenschaften der Fall, dass erste Bücher nichts mit der Biographie ihrer Autor*innen zu tun haben. Fachliche Distanz ist bei Literaturwissenschaftler*innen und Soziolog*innen nicht selbstverständlich gegeben. Sie ist möglich, muss geübt werden, ist langwierig und anstrengend. Ein frühes Schlüsselmoment in meiner Entwicklung der Distanznahme, das zunächst einmal Nähe hergestellt hat, ist ein Seminar zur Sprachkritik um 1900 gewesen, das ich zwischen Schule und Studium bei Prof. Dieter Heimböckel besucht habe. Seitdem haben wir zahlreiche mehr oder weniger nüchterne Diskussionen geführt, die sowohl die Begeisterung für das Fach geschürt als auch zu Kristallisationen eigener Positionen geführt haben. Seine fachliche Akribie, die bis hin zur unaushaltbaren Pedanterie führt, in der Berufliches und Privates ein Verhältnis eingehen, bei dem nicht klar ist, wer Parasit und wer Symbiont ist, ist Voraussetzung für meine wissenschaftliche Entwicklung und Emanzipation in vielerlei Hinsicht gewesen.

Darüber hinaus würde ich mich ohne den Besuch von Vorlesungen und Seminaren von Prof. Andreas Blödorn vermutlich immer noch nichtwissend, was ich tue, mit eklektizistischen Ungereimtheiten durch die Textwelten bewegen.

Die eigentliche Entstehung der Dissertation haben viele Menschen begleitet: zunächst mit allerlei explorativem Diskussionsstoff die Kollegiat*innen Annika, Raphael, Ruth, Daniel und Jacob. Allen sei darüber hinaus ausdrücklich für ihr Lektorat gedankt! Jacob bedarf es an dieser Stelle noch einmal einer besonderen Erwähnung. Die Diskussionen über buddhistische Philosophie und Achtsamkeit haben auf unterschiedlichen Wegen zu vielerlei Einsichten geführt. Sie werden mich noch lange begleiten. Ruth, Johannes, Hanna, Thomas und Ida danke ich für ihre fast wöchentliche Begleitung in die Kletterhallen Jenas und Weimars sowie für die Ausflüge zu den Felsen des Thüringer Waldes. Den mit ihnen und Mats beschworenen guten Geist des Kletterns werde ich so schnell nicht wieder los! Diese fokussierte Abstandnahme von der Arbeit wurde noch durch eine eher zerstreuende begleitet: Denjenigen, die sich in wechselnden Konstellationen zum Doppelkopf zusammengesetzt haben, an erster Stelle Kilchoman und Lagavulin, sei ebenfalls gedankt!

Ich freue mich auch darüber, an dieser Stelle Beate danken zu dürfen, deren Sorge und offenes Ohr mich nun schon seit 32 Jahren begleiten und mit der ich, seit ich angefangen habe zu denken, über Gott und die Welt sprechen konnte. Auch danke ich Lorenz dafür, dass wir immer wieder einen Schatz an Liedern und Mythen ausgraben. Bis wir diesen Ort vergessen haben werden, dauert es noch lange!

Habe ich an dieser Stelle jemanden vergessen? Bestimmt! All die Namen der Musiker*innen, die mich tagtäglich begleiten, Freundschaften, die mit mir geschlossen wurden, und Menschen, deren Gesprächsbereitschaft uns woanders hingeführt hat, für die stellvertretend David Eugene, Urfaust, Romy und Jörn stehen, sei auch gedankt! Sie haben viele gänzlich verschiedene Türen geöffnet!

Um die Metapher mit etwas weniger Pathos weiterzuführen: Einen ersten Einblick in die Architektur der folgenden Arbeit gibt das gekürzte Inhaltsverzeichnis. Das vollständige Inhaltsverzeichnis findet sich nach den bibliographischen Angaben. Der eigentliche Text umfasst meine geringfügig überarbeitete Dissertation, die ich mit Hilfe der Promotionsstelle des Graduiertenkollegs Modell Romantik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena von Herbst 2015 bis Sommer 2018 verfasst habe. Das vorliegende Buch ist eine Qualifikationsschrift, es ist institutionell gebunden. An ihrer Form und ihrem Duktus orientiert es sich. Die Einleitung führt sowohl literaturwissenschaftlich als auch interdisziplinär zum Thema hin, gibt einen Überblick über verschiedene Epiphaniebegriffe und zieht sowohl literaturhistorische als auch disziplinübergreifende Bezüge zur religiösen Erfahrung. Im Verlauf und am Ende der Einleitung wird auf Korpus, Kapitelstruktur und Vorgehen eingegangen.

Dieses Buch ist Prof. Detlef Kremer und meinem Opa Carl Friedrich gewidmet!

Hendrick Heimböckel, Jena den 31.03.2019

Epiphanien

Religiöse Erfahrungen in deutschsprachiger Prosa der ästhetischen Moderne

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