Den Körper im Blick

Grenzgänge zwischen Kunst, Kultur und Wissenschaft. Symposium Quadriennale 06. Eine Publikation der Landeshauptstadt Düsseldorf

In einer Welt, in der die Distanz zwischen den Kulturen geschrumpft ist, wird der Körper zur Leitwährung des Denkens; denn dass wir alle einen Körper haben, lässt sich als gemeinsamer Nenner über alle kulturellen Schranken hinweg voraussetzen. Neun Forscherinnen und Forscher aus Philosophie, Medientheorie, Kunstgeschichte, Literatur und Kulturwissenschaft beschreiben den Körper aus dem Blickwinkel ihres Fachs. Unser Körper sei das Buch, aus dem wir alles lesen können, worüber wir als Sinnenwesen intim Bescheid wissen. Doch mit der Intimität, die uns über den Körper verbindet, kommt zugleich jene alte Ambivalenz ins Spiel, die Sigmund Freud im Begriff des Heiligen erkannte: Das lateinische sacer benennt eine Zone, wo sowohl das unanständig Verfehmte als auch das unirdisch Erhabene innewohnt. Beängstigende Aktualität hat heute der Körper als Geisel der Biopolitik von Diktatoren und Terroristen. Zugleich ist unser Körper die Werkstatt der Welt; er schafft dem Denken den Raum sinnlicher Erfahrung. Er ist Resonanzkörper, der die Welt um mich herum überhaupt erst entstehen lässt.

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