Eros und Gesetz

Zehn Lektüren der Bibel

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Von den frühesten Talmudkommentaren bis zu den chassidischen Exegeten des 18. Jahrhunderts und ihren Nachfolgern war die jüdische Bibelauslegung geprägt von der großen Aufmerksamkeit, die man der äußeren Beschaffenheit des Textes widmete. Denn nichts ist hier gleichgültig: weder die Wahl der Worte noch ihre grammatische Form, noch ihre syntaktische Anordnung, nicht einmal ihre Klanggestalt und schon gar nicht das Netz von Entsprechungen, die diese Elemente untereinander verbinden. Jede sprachliche Einzelheit ist bedeutsam und eben deshalb ist der Sinn des Alten Testaments unerschöpflich, offen für immer neue Lesarten. Bei all ihrer Vielfalt waren die jüdischen Auslegungen der Bibel bemüht, den ursprünglichen Hauch des göttlichen Eros wiederzufinden, der diesen Text beseelt, die noch vernehmlichen Echos der unendlichen Stimme, die durch ihn spricht. Da das anfängliche Gotteswort jedoch für die Menschen bestimmt ist und ihr Leben hier auf Erden ordnen soll, hat der Hauch des göttlichen Eros im Bibeltext die Gestalt einer Gesetzessprache angenommen. Um den Geist zu begreifen, der diese Gesetzessprache leben lässt, muss man hinter ihr den ursprünglichen Eros wiederfinden, aus dem sie hervorgeht. Unter diesem Blickwinkel hat Stéphane Mosès entscheidende Bibeltexte neu gelesen: den Schöpfungsbericht und die Erzählung von Jakob und Esau, die Offenbarung des Gottesnamens, die Offenbarung auf dem Sinai, die Geschichte vom Goldenen Kalb und das Gleichnis von den Vier Weltreichen bei Daniel. Aus dem Inhalt 1 Adam und Eva 2 Warum Isaak nicht geopfert wurde 3 Die Stimme Jakobs 4 „Ich werde sein, der ich sein werde“ 5 Eros und Gesetz 6 Offenbarung und Sprache nach den jüdischen Quellen 7 Der Griffel des Enosch 8 Die Vier Weltreiche 9 Drei Gebete für den Fremden 10 Drei Formen des Friedens in der jüdischen Tradition

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