Europa im Weltwirtschaftskrieg

Philosophie der Blasenwirtschaft

Die Waffen des Landkriegs waren Kanonen und Bomben. Die Waffen des Weltwirtschaftskriegs sind CDS-Verträge und OTC-Geschäfte. Credit-default-swaps (CDS) versichern unvorhersehbare Zufallsrisiken bei der Vergabe von Krediten, und zwar nach dem Motto: Je höher das Risiko, desto größer der Zufall, desto höher der Gewinn, desto wichtiger, rechtzeitig auszusteigen, desto größer der Schaden für die Anderen. Over-the- Counter-Geschäfte (OTC) verabschieden sich völlig von den Börsen und finden nur noch kriegstaktisch zwischen den Finanzmarktteilnehmern selbst statt. Der CDS-Handel erzeugt eine Zerstörung, bei der es ausschließlich darauf ankommt, selbst nicht in der Nähe zu sein. Heiner Mühlmanns Buch verdankt solchem geldwirtschaftlichen Kriegshandwerk sein Leitmotiv. Es heißt »Tychetechnik«. Ein Neologismus, der Techniken beschreibt, die mit dem Werkstoff »Zufall« (gr. tyche) arbeiten. Kriegsstrategien dieser Art sind freilich nur kurzfristig kontrollierbar und erzeugen danach unkontrollierbares Zufallschaos. Europa war im Mittelalter eine einheitliche Kultur, spaltete sich danach in Nationalstaaten auf, erfand das Kriegsrecht, machte damit Krieg im Innenraum seiner einst einheitlichen Kultur zum Normalfall und versucht jetzt, in Zeiten eines wütenden Weltwirtschaftskriegs, mit hilflosen Mitteln zu seiner Einheit zurück zu finden. Aber die internationalen und global operierenden Finanzmärkte sind nicht mehr zu bannen.

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Heiner Mühlmann, Prof. Dr., ist Leiter des Labors für kognitive Neurophysiologie an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und lehrt am Institut für Design und Technologie der Zürcher Hochschule der Künste.