Ästhetische Differenz

Zur Originalität von Baudelaires Poe-Übersetzungen

Charles Baudelaire hat Edgar Allan Poes Kriminalgeschichten in Frankreich berühmt gemacht und ihre europäische Rezeption begründet. In seinen Übersetzungen verbindet sich das kriminalistische Detail mit einem philologischen Kunstgriff: der kaum merklichen Manipulation des Textes.
In Poes Novelle The Murders in the Rue Morgue löst der Amateurdetektiv Dupin ein scheinbar unlösbares Verbrechen: Ein Orang-Utan soll zwei Pariser Frauen ermordet haben! Doch als Nachahmungsfigur ist der Affe menschlicher Trieb in tierischem Gewand. Er verweist auf eine Funktion menschlicher Kreativität, das Böse mit sprachlichen Mitteln zu verstellen und gesellschaftsfähig zu machen. In seiner Übersetzung der Novelle hebt Baudelaire die ästhetische Reflexion über die Imagination und das Böse auf eine neue Ebene: Ebensowenig wie auf Dupins Auflösung des Falls kann der Leser auf die Zuverlässigkeit der Übersetzung vertrauen. In der minimalen Abweichung vom Original erfindet Baudelaire eine literarische Form, die zugleich den Ruhm des Übersetzers im nachrevolutionären Frankreich begründen soll.

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