Das Wahre, Schöne, Gute

Aufstieg, Fall und Fortbestehen einer Trias

AutorIn: Gerhard Kurz
›Das Wahre, Schöne, Gute‹ bildet das Leitgestirn am kulturellen Himmel vom Ende des 18. bis über das Ende des 19. Jahrhunderts hinaus. Entstanden ist die Trias im frühen 18. Jahrhundert, initiiert durch die Rezeption der platonischen Philosophie, die Debatte um den guten Geschmack und die Erweiterung der Philosophie um die Wissenschaft der Ästhetik. Während Kant und Schiller mit kritischem Bewusstsein den Zusammenhang und die Differenz des Wahren, Schönen und Guten erforschten, stand die Trias im 19. Jahrhundert als ubiquitäre Formel für das ›Höhere‹, die bürgerliche Bildungs- und Kunstreligion. Ihre Verwendung in Goethes ›Epilog zu Schillers Glocke‹ weihte sie mit beider Namen. Daran entzündete sich eine ideologiekritische und ästhetische Polemik. Fontane sah in dieser Trias nur ein Umcouren des Geldes. Für die europäische Avantgarde seit Mitte des 19. Jahrhunderts war sie Ausdruck einer banausischen Zweckentfremdung der Kunst. Der Fall der Trias begann. Ihre Anrufung war verpönt. Einher ging aber ihr stilles Fortbestehen, wie die Kunst- und Literaturkritik und die Debatten z. B. um Adornos Satz, wonach ein Gedicht nach Auschwitz zu schreiben, barbarisch sei, oder den »Fall Esra« belegen. Es geht immer noch um die Frage, ob und wie in der Erfahrung der Kunst ästhetische mit moralischen und Wahrheitsansprüchen verbunden sind.

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Gerhard Kurz ist Professor i.R. für allgemeine Literaturwissenschaft und deutsche Literaturgeschichte an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Hauptforschungsgebiete: Literaturtheorie, Hermeneutik, Literatur der Klassik.
Süddeutsche Zeitung, 04.08.2015
In seinem Essay "Meer der Widersprüche" über "Das Wahre, Schöne, Gute" schreibt Thomas Steinfeld über Gerhard Kurz' Buch: "Wie sich diese unendlich oft benutzte Formel veränderte und vor allem: wie sie im Gefolge der idealistischen Vorstellung, Kunst sei etwas Autonomes, zum Ausdruck einer Verpflichtung auf das Nicht-Nützliche wurde, ist Gegenstand eines [...] Büchleins des Germanisten Gerhard Kurz".
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