Neue Realismen in der Gegenwartsliteratur

Reihe:

HerausgeberInnen: Rolf Parr und Søren R. Fauth
Ist die Rede von ›Realismus‹ nichts anderes als ein »unendlich dehnbarer Sack, in dem man alles, was man will, verstauen kann« (Roman Jakobson)?
Was das Label ›Realismus‹ angeht, herrscht auf dem Terrain der Gegenwartsliteratur Gedrängel. Selbst für kaum miteinander vergleichbare Texte ist von ›realistischem
Schreiben‹ die Rede: mal in Form von ähnlichen, mal aber auch höchst unterschiedlichen poetologischen Selbst- und Fremdbeschreibungen. Offensichtlich ist es nicht so einfach zu sagen, worin der spezifisch ›realistische‹ Zug eines Textes oder einer Schreibweise jeweils genau besteht und auf welche Weise welche Texte welche Realismuseffekte hervorbringen. Wie diese in der Gegenwartsliteratur konzipiert, praktiziert und reflektiert werden, zeigen die Beiträge dieses Bandes für die Zeit von 1960 bis heute, indem sie neue Zugriffe auf ›realistische‹ Texturen erproben.

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Søren R. Fauth (*1971 in Holbæk, Dänemark), Professor für Neuere deutsche Literatur und Kultur an der Universität Aarhus. Nach seinem Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft an der Universität Kopenhagen und als Gaststipendiat an der LMU-München, an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und der Humboldt Universität Berlin habilitierte er sich 2006 mit einer Arbeit über die Schopenhauer-Rezeption in Wilhelm Raabes Spätwerk an der Süddänischen Universität Odense. Seit 2008 an der Universität Aarhus als Associate Professor tätig, seit 2010 als Inhaber einer Sonderprofessur. Arbeitsschwerpunkte: Beziehungen zwischen Literatur und Philosophie; der deutsch-skandinavische Kulturaustausch des 19. und 20. Jahrhunderts. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Essays auf deutsch und dänisch über u.a. Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche, Martin Heidegger, Eduard von Hartmann, Franz Kafka, Wilhelm Raabe, Thomas Mann, Botho Strauß, Hugo v. Hofmannsthal und W.G. Sebald. Übersetzungen ins Dänische von Thomas Bernhard, Jürgen Habermas/Joseph Ratzinger, Arthur Schopenhauer (Die Welt als Wille und Vorstellung) und zeitgenössischer deutscher Dramatik. Über 100 Vorträge, u.a. an der Yale University, an der Universität Göttingen, der Universität Duisburg-Essen und der Universität Reykjavik. Hauptveranstalter von internationalen Tagungen, darunter in Shanghai, Aarhus und Weimar. Neben seiner Tätigkeit als Wissenschaftler und Übersetzer ist Fauth Lyriker.
Rolf Parr (*1956 in Essen) ist Professor für Germanistik (Literatur- und Medienwissenschaft) an der Universität Duisburg-Essen und leitet den Masterstudiengang »Literatur und Medienpraxis«. – Nach seinem Studium der Germanistik, Philosophie und Pädagogik an der Ruhr-Univer¬sität Bochum war er dort wissenschaftlicher Mitarbeiter und promovierte 1989 mit der Arbeit »›Zwei Seelen wohnen, ach in meiner Brust!‹ Strukturen und Funktionen der Mythisierung Bismarcks (1860–1918)«. Diese Arbeit wurde 1990 als besonders herausragende wissenschaftliche Arbeit mit dem Preis der Ruhr-Universität Bochum für das Jahr 1990 ausgezeichnet. Es folgte 1996 die Habilitation an der Universität Dortmund für das Fach »Neuere deutsche Literatur« mit einer Studie zum literarisch-kulturellen Vereinswesen (»Interdiskursive As-Sociation. Studien zu literarisch-kulturellen Vereinen, Gruppen und Bünden vom Vormärz bis zum Ersten Weltkrieg«). Danach war Rolf Parr Hochschuldozent an der Universität Dortmund, Gastprofessor auf dem Wechsellehrstuhl des Landes NRW an der Universität Leiden und von 2004 bis 2010 Professor für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik an der Universität Bielefeld. Er leitete dort bis zum Wechsel an die Universität Duisburg-Essen im September 2010 den Masterstudiengang »Interdisziplinäre Medienwissenschaft«. – Gastprofessuren hatte Rolf Parr in Seoul, Tokyo, Södertörns (Stockholm), Aarhus (Dänemark), Liège und Cincinnati inne. – Arbeitsschwerpunkte: Literatur-, Medien- und Kulturtheorie/-geschichte des 18. bis 21. Jahrhunderts; Literarisch-kulturelle Grupppierungen, (Inter-)Diskurstheorie und Normalismusforschung; Kollektivsymbolik; Mythisierung historischer Figuren; literarisches Leben/Literaturbetrieb, Literatur/Medien-Beziehungen; Fernsehen. – Tragendes Konzept ist dabei das einer medien- und kulturwissenschaftlich erweiterten Literaturwissenschaft, die sich in vielfältiger Weise für den Zusammenhang von ›Hoch‹-Kultur und literarisch-media¬len Formen des Alltags interessiert. Dabei geht es vor allem darum, wie in Alltag, Medien und Politik auf solche Stereotype und sprachlichen Bilder (Symbole) zurückgegriffen wird, mit denen man sich jenseits von Spezialwissen verständigen kann.