Waiting Plots

Zur Poetik des Wartens um 1900

Reihe:

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bricht in der europäischen Literatur eine Wartezeit an, die quer steht zum Paradigma von Fortschritt, Beschleunigung und Produktivität. An die Stelle zielgerichteter Erwartungen tritt ein Verharren im Übergang, das neue dramatische und erzählerische Formen begründet. Andrea Erwig geht den Darstellungsformen, Eigenzeiten und Phantasmen des Wartens u. a. bei Maeterlinck, Rilke, Musil und Freud nach und widmet sich dabei auch Warteräumen und institutionellen Machttechniken. Das literarische Warten zeigt sich in ihrer Studie von einer subversiven Seite: Die ›Waiting Plots‹ der frühen Moderne stemmen sich gegen die Bestimmtheit von Erwartungen und unterbrechen das lineare Fortschreiten von Geschichte, um sich dem Unbestimmten und Singulären der Wirklichkeit zu verschreiben. Das Fin de siècle erscheint aus dieser Perspektive als Übergangszeit, die Endgültigkeiten nicht nur beschwört, sondern sich diesen zugleich widersetzt.

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Andrea Erwig hat in München und Barcelona Neuere deutsche Literatur, Politische Wissenschaft und Philosophie studiert. Sie war wissenschaftliche Mitarbeiterin im DFG-Projekt „Neu-Edition der Werke Siegfried Kracauers“, Doktorandin in der DFG-Forschergruppe „Anfänge (in) der Moderne“, Junior Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften Wien (IFK), Mitglied im Promotionsstudiengang Literaturwissenschaft sowie von 2011 bis 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Deutsche Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo sie 2015 promovierte. Seit 2017 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin.