Kinder des Krieges, Gewissen der Nation

Moraldiskurse in der Literatur der Gruppe 47

AutorIn: Nicole Weber
›Skandale‹ um geheim gehaltene Verstrickungen in den Nationalsozialismus haben u. a. mit Grass, Andersch oder Walser zentrale Mitglieder der Gruppe 47 betroffen. Die Studie fragt erstmals systematisch nach der Bedeutung dieser Einflüsse für die literarischen Texte der Gruppe. Ausgehend vom gegenwärtigen Bild der Gruppe 47, von Theorien narrativer Ethik und der Geschichtsforschung zur ›NS-Moral‹ untersucht die Studie diskursive Verknüpfungen von Moral und Zugehörigkeit in den wichtigsten Texten der Gruppe 47. Qualitative und quantitative Analysen zeigen die Vorherrschaft eines partikularen Moralverständnisses sowie in mehreren Texten einen Zusammenhang dieser Moralvorstellungen mit literarischem Antisemitismus. Daneben finden sich – u. a. in Bezugnahmen auf Bubers dialogisches Prinzip, das gerade die Hinwendung zum ›radikal Anderen‹ als ethisches Handeln konzipiert – auch alternative Ethiken; allerdings oft in Texten marginalisierter oder als untypisch geltender Mitglieder wie Bachmann und Celan.

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Nicole Weber hat im SNF-Forschungsprojekt „Kontinuitäten und Brüche in literarischen Texten der Gruppe 47“ am Institut für Germanistik der Universität Bern promoviert.
Dank

I Kontexte


1 Einleitung: Was ist die Gruppe 47 und wie wird sie gesehen?
1.1 Verdienste und Errungenschaften: Die Gruppe 47 entwickelt sich zur ‚moralischen Instanz‘
1.2 Kritik und Verteidigung: Forschungsstand
1.3 Zwischenbilanz: Der heutige Stand der Diskussion um die Gruppe 47
2 Vorgehen und theoretischer Rahmen
2.1 Kontinuitäten aus dem Nationalsozialismus und ‚NS-Moral‘
2.2 Methodische Fragen: Narrative Ethik, Alterität in der Literatur
2.3 Die ‚Literatur der Gruppe 47‘: Was ist das und wer schrieb sie?
2.4 Zwischenbilanz: Zusammenfassung und verfeinerte Fragestellung
3 „Man blieb […] immer unter sich.“ Nonfiktionale Texte und Begebenheiten auf den Tagungen
3.1 Die ‚junge Generation‘
3.2 Alfred Anderschs programmatischer Essay Deutsche Literatur in der Entscheidung (1948)
3.3 Deutung, Mitleid und Tugend in außerliterarischen Zeugnissen der Gruppe 47
4 Zwischenfazit I

II Subtexte


1 Annäherung an das Korpus: Überblick und Musteranalyse
1.1 Tabellarischer Überblick und erste Organisation des Materials
1.2 ‚Mustertext‘ Christian Ferber: „Mimosen im Juli“ (gelesen 1960)
1.3 Zwischenbilanz: Literarisierung von Diskursen partikularer Moral in der Gruppe 47?
2 Mitleid: Opferkonkurrenz und Empathieverweigerung
2.1 Franz Joseph Schneider: „Die Mandel reift in Broschers Garten“ (gelesen 1949) – eine unwahrscheinliche Liebesgeschichte
2.2 Stand der Forschung: Opfernarrative und -kollektive, Opferkonkurrenz und Empathieverweigerung
2.3 Opferfiguren und -konstellationen in der Literatur der Gruppe 47
2.4 Zwischenbilanz: Mitleid und Moral in der Literatur der Gruppe 47 und einige Ergänzungen zur Frage des Antisemitismus
3 Deutung: Erlebnisgemeinschaft vs. die Intellektuellen
3.1 Der Diskurs: Erlebnisgemeinschaft als Abgrenzung und Identitätsstiftung im und nach dem Nationalsozialismus
3.2 Generation, Erlebnis und Gemeinschaft in den literarischen Fiktionen
3.3 Skeptische Stimmen
3.4 Autor und Erzähler als ‚Dabeigewesene‘
3.5 Zwischenbilanz: Moralische Deutung in der Literatur der Gruppe 47
4 Tugend: Zugehörigkeit und moralische Integrität
4.1 Alfred Andersch: Sansibar oder der letzte Grund (1957)
4.2 Einfache Deutsche, die ‚Nazi‘-Elite und die Verortung von Schuld
4.3 ‚Eigene‘, ‚fremde‘ und jüdische Figuren
5 Zwischenfazit II

III Reflexionen


1 „Kein Indianer mehr“? Wolfgang Weyrauchs „Indianische Ballade“ (gelesen 1955)
1.1 War Weyrauch ‚ein Nazi‘? Außerliterarisches zu Weyrauch im und nach dem Nationalsozialismus
1.2 „Indianische Ballade“
1.3 Zwischenbilanz und eine Ergänzung zu NS-Narrativen in der Gruppe 47 (Eisenreich)
2 „Wissen Sie was, ich nenne Sie einfach Herr Ausländer“ – preisgekrönte Satiren auf Vorurteile gegenüber ‚Andern‘
2.1 Martin Walser: „Templones Ende“ (gelesen 1955) – Rezeption und Lektüren
2.2 Relektüre: Wer ist Templone?
2.3 Zwischenbilanz und einige Ergänzungen zu Reflexionen partikularer Moral in weiteren Preistexten (Morriën und Böll)
3 „Lern du selbst“ – Ingeborg Bachmanns Erzählung „Alles“ (gelesen 1959) im Dialog mit Celan, Buber und der Gruppe 47
3.1 „Alles“: Rezeption und Lesarten
3.2 Das „dialogische Prinzip“ Martin Bubers in „Alles“
3.3 Zwischenbilanz und einige Ergänzungen zum dialogischen Prinzip in der Gruppe 47 (Aichinger, Hildesheimer, Dor)
4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Detailliertes Inhaltsverzeichnis