Die Scham der Aufklärung

Zur sozialethischen Produktivkraft einer Emotion in der literarischen Kultur des 18. Jahrhunderts

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Author:
Christian Sieg
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Christian Sieg weist die sozialethische Relevanz der Scham für die literarische Kultur der Aufklärung nach und plädiert für eine kulturtheoretische Neubewertung dieser peinigenden Emotion: Als moralische Emotion gehört Scham zum Projekt der Aufklärung selbst. Die Aufklärung will die Disposition zur Scham schützen, fürchtet jedoch das episodische Schamempfinden, weil es individuelle Selbstbestimmung gefährdet. Die Schamvermeidung fungiert daher als sozialethischer Imperativ, dessen kulturelle Produktivität sich in der Literatur des 18. Jahrhunderts zeigt. Die Studie widmet sich der Kritik der Scham in den Diskursen über Satire und über Selbstbeobachtung. Verfolgt wird, wie das traditionelle Verständnis der Satire als Schamstrafe einem humoristischen Welt- und Selbstverhältnis weicht und die Semantik der Freundschaft die Entwicklung therapeutischer Interaktion prägt. Im Mittelpunkt stehen dabei die sozialethischen Schreibprogramme von Christoph Martin Wieland und Karl Philipp Moritz.
Sieg reveals the relevance of shame for the culture of the Enlightenment and argues for a reassessment of this emotion. The Enlightenment aims to protect shame as a disposition but fears it as episodic feeling, since it threatens individual self-determination. This study is devoted to the critique of shame in discourses on satire and on introspection. It focuses on C. M. Wieland and K. P. Moritz.

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Christian Sieg forscht und lehrt am Germanistischen Institut und am Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach seiner Promotion an der Stanford University (2008) hat er zahlreiche Publikationen zur Literatur im Spannungsfeld von Religion und Politik vorgelegt. Seinen jetzigen Forschungsschwerpunkt bildet das Thema „Literatur und Emotionen”.
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